AA

WHO warnt vor Antibiotika-Resistenzen

Die Weltgesundheitsorganisation ist alarmiert. Resistenzen gegen Antibiotika nehmen zu. Dies gilt auch für keimtötende Arzneimittel, welche als "Reserve" bei sonst schlecht behandelbaren bakteriellen Infektionen verwendet werden. Dies stellt die WHO in einem neuen Bericht fest. Auch Österreich wird darin genannt.

Keiji Fukuda, stellvertretender Generaldirektor für Health Security der WHO, stellte fest: “Ohne eine schnelle und koordinierte Aktion vieler Beteiligter steuert die Welt auf eine post-antibiotische Ära zu, in der häufige Infektionen und auch kleinere Verletzungen, die Jahrzehnte lang behandelbar waren, wieder tödlich werden können.” Richtiger und sparsamer Gebrauch, aber ausreichende Dosierung von Antibiotika sowie ausreichend lange Therapie im echten Bedarfsfall, sind die wichtigsten Gegenmaßnahmen. Daneben wird auch der intensive Gebrauch von Antibiotika in der Landwirtschaft (Viehzucht) als Risiko angesehen.

Carbapenem-Antibiotika gegen “Spitalskeime”

Speziell gefährlich sind zum Beispiel Resistenzen gegen sogenannte Carbapeneme, welche als letztes verwendbares Mittel bei schweren Infektionen mit bestimmten Darmbakterien (Klebsiella pneumoniae) verwendet werden. Die WHO: “In manchen Staaten wirken diese Carbapenem-Antibiotika nur noch etwa bei der Hälfte der gegen Klebsiella-Infektinonen behandelten Patienten.” Die Keime finden sich besonders in Krankenhäusern als “Spitalskeime”, rufen invasive Infektionen (Sepsis etc.) bei schwerkranken Patienten in Intensivstationen oder bei Babys hervor.

Wirksamkeit der Medikamente lässt nach

Ähnlich ist die Situation auch in vielen Staaten bei den häufigen E. coli-bedingten Infektionen des Harntraktes. Hier ist eine Therapie mit den in den 1980er-Jahren als hoch wirksame Breitband-Antibiotika eingeführten Fluorchinolonen (Ciprofloxacin, Norfloxacin etc.) ebenfalls bei mehr als der Hälfte der Betroffenen nicht mehr wirksam.

Behandlungsversager bei Gonorrhoe

Als letztes Monotherapeutikum bei Gonorrhoe stehen vor allem Cephalosporine der dritten Generation (Cefixim, Ceftriaxon) zur Verfügung. Doch auch hier gibt es alarmierende Daten. So heißt es bei der WHO: “Bestätigt wurden Behandlungsversager bei Gonorrhoe mit den letzten zur Verfügung stehenden Medikamenten, den Chephalosporinen der dritten Generation, in Österreich, Australien, Kanada, Frankreich, Japan, Norwegen, Südafrika, Slowenien, Schweden und Großbritannien. In den westlichen Industrieländern werden bei diesen Infektionen vermehrt Kombi-Therapien verwendet, um der Gefahr zu begegnen. Dabei infizieren sich mehr als eine Million Menschen weltweit jeden Tag mit Gonorrhoe.”

Österreich: Situation bezüglich Resistenz relativ gut

In Österreich ist die Situation bezüglich der Resistenzen bei Gonorrhoe-Erregern (Gonokokken) gegenüber den oft eingesetzten Cephalosporin-Antibiotika der dritten Generation weiterhin relativ gut. Seit 2010 werden Resistenz-Tests durch Anlegen von Kulturen in großem Umfang durchgeführt. Bei weit mehr als 2.000 Keimkulturen wurden bisher nur in acht Fällen echte Resistenzen gegen diese Arzneimittel festgestellt, teilte die Wiener Dermatologin und Venerologin Angelika Stary Mittwochnachmittag mit.

Nicht adäquate Therapien bei Tuberkulose

Schließlich haben Untersuchungen gezeigt, dass Infektionen mit multiresistenten Staphylococcus aureus-Keimen in Krankenhäusern mit einer um 64 Prozent erhöhten Mortalität einher gehen. Auch bei der Tuberkulose existiert eine anhaltende Gefahr: 3,6 Prozent der TB-Neuerkrankungen weltweit gehen auf multiresistente Erreger zurück, ebenso 20,2 Prozent der neuerlichen Erkrankungen von Patienten, die schon einmal behandelt worden sind. Das spricht für einen international hohen Anteil an nicht adäquaten oder zu kurzen Therapien bei TB, durch welche widerstandsfähige Keime entstehen können.

(APA)

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Welt
  • WHO warnt vor Antibiotika-Resistenzen
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen