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Toni-Russ-Preis 2013: "Werfen wir die silbernen Becher weg"

Dr. Eva Grabherr wurde mit dem 44. Toni-Russ-Preis ausgezeichnet.
Dr. Eva Grabherr wurde mit dem 44. Toni-Russ-Preis ausgezeichnet. ©VOL.AT/Hartinger
Bregenz. Dr. Eva Grabherr wurde am Montagabend auf der Werkstattbühne als Moderatorin und Gestalterin von Integrationsprozessen mit dem 44. Toni-Russ-Preis ausgezeichnet.
Die Preisträgerin im Interview
Laudatio: "Eine Brückenbauerin"
Preisträgerin Dr. Eva Grabherr
Festakt auf der Werkstattbühne
Auf dem Roten Teppich I
Auf dem Roten Teppich II
Interview mit Laudator Rudigier
LH Markus Wallner im Interview
Eugen A. Russ im Interview
Stimmen aus Politik und Religion
Alle Preisträger von 1970 bis heute
Die ganze Veranstaltung als Video

Vorderhand ist alles rasch erklärt. Im Namen der bisherigen Preisträger und der VN-Redaktion heißt Herausgeber Eugen A. Russ „das Energiebündel“ Eva Grabherr sehr herzlich im Kreis der ausgezeichneten Persönlichkeiten willkommen. Ganz einfach deshalb, weil sie “seit zwölf Jahren mit großem Engagement vielfältige Integrationsprozesse gestaltet“.

Eva Grabherr kommt bei jedem Wort des Lobes noch mehr Farbe im Gesicht abhanden. Liebend gerne würde sie jetzt ein Dorfgespräch moderieren oder die Sorgen migrantischer Eltern teilen, denen es nicht gelingt, ihren Kindern etwas mitzugeben. Aber so von allen gelobt werden, das ist nicht ihr Ding. Muss sie aber aushalten. Es fängt ja gerade erst an.

„Schlimm“ wird es nicht. Fallweise heiter sogar, wenn etwa das Quartett „Amüsgöl“ den berühmten Glen Miller Hit „Tudedo Junction“ im Dialekt frech auf „Botox“ uminterpretiert. Oder wenn Andreas Rudigier sich als Fan des Sportvereins Gaschurn/Partenen outet. Was das mit Integration und Eva Grabherr zu tun hat? Immer geht es um Mehrheiten und Minderheiten. Und Rudigier erläutert das sodann als begnadeter Geschichtenerzähler.

Bewährtes Rezept

Wie nebenbei erinnert er in seiner Laudatio daran, dass man früher Fremden mitunter silberne Becher im Gepäck versteckte, nur, um sie später des Diebstahls zu bezichtigen. Ein „bewährtes Rezept“, wenn das Fremde unheimlich wird.

Rudigier kommt dann noch einmal darauf zurück. In der alttestamentarischen Erzählung von Josef und seinen Brüdern. Der in Ägypten zu Ansehen gekommene Josef prüft seine Brüder, die ihn einst in die Sklaverei verkauft haben, in ebendieser Weise: Er steckt Ihrem Jüngsten einen silbernen Becher zu und lässt sie alle verhaften. Die Geschichte geht gut aus. Die geläuterten Brüder würden sich jeder einzeln für ihren Benjamin opfern.

Andreas Rudigier aber fasst den Sinn der Arbeit von Eva Grabherr in die abschließenden Worte: „Es ist dringend notwendig, dass wir die vielen silbernen Becher, die wir in unseren Köpfen und durch unser Tun und Reden fremden Menschen in deren Mäntel stecken, loswerden.“ Eva Grabherr und ihre Projektstelle „okay.zusammen leben“ seien Garanten dafür, „dass wir auf dem richtigen Weg sind“.

So viele gestalten mit

Und wie bedankt sich nun eine Frau, der das alles irgendwie zu viel ist? Sie verweist auf andere: Auf die Offene Jugendarbeit etwa, die schon in den 1990er Jahren darauf achtete, dass ihre Reihen bunter wurden. Grabherr erzählt von der Elternver-einsobfrau Elisabeth Metzler, die jenen Müttern half, die sich nicht mit den Pädagogen veständigen konnten. Eva Grabherr erinnert sich an Vorarlberg im Jahr 2001: „Es fühlte sich an, als spränge die Gesellschaft an.“ Wie ein Motor: Stottert, aber läuft. Immer mehr Menschen nahmen Integrationsprozesse in die Hand. Auf beiden Seiten.

Leitbilder pflastern seither den Weg. Dornbirn war Vorreiter. Andere folgten. Mitunter loderten auch Konflikte auf. Zuwanderer wollten politisch mitreden. Sie riefen nach religiöser Gleichberechtigung: Heute noch sieht Grabherr jenen jungen Mann vor sich, der in breitestem Vorarlberger Dialekt ein Minarett für seine Moschee einforderte.

Es bleibt also noch viel zu tun, wenn sich Vorarlbergs Gesellschaft „einen Raum für das Ja-Sagen“ schaffen will. Für das Ja zur Zuwanderung. Ohne rosa Brille. Sondern nachhaltig. Das wünscht sich Eva Grabherr. Dafür kämpft sie, die Trägerin des Toni-Russ-Preises 2013. (VN/Thomas Matt)

Preisträgerin Dr. Eva Grabherr im VOL.AT-Interview:

Laudator Andreas Rudigier im VOL.AT-Interview:

LH Markus Wallner im VOL.AT-Interview

Eugen A. Russ im VOL.AT-Interview

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