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Wer war Otto Ender?

Erbe der bedeutendsten politischen Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts noch heute umstritten.
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Wer in Vorarlberg über die Zeit zwischen 1918 und 1938 schreiben möchte, kann dies in vielen Varianten tun. Man könnte zum Beispiel über Otto Ender berichten, Landeshauptmann, Minister, erster und bisher einziger Vorarlberger Bundeskanzler, Autor der österreichischen Ständestaat-Verfassung. Peter Melichar hat über ihn geschrieben. Die biografischen Daten sind schnell erzählt: Ender kam an Weihnachten 1875 zur Welt und wuchs in Altach auf. Er besuchte das Jesuitengymnasium Stella Matutina in Feldkirch, studierte Rechtswissenschaften und trat dem CV bei. 1908 ließ er sich als Anwalt in Bregenz nieder, 1913 wurde er Direktor der Landeshypothekenbank, leitete ab 1916 die Kriegsgetreideverkehrsanstalt und übernahm im November 1918 das Amt des Vorarlberger Landeshauptmannes. Dies war er von 1918 bis 1930 und 1931 bis 1934. Von Dezember 1930 bis Juni 1931 war Otto Ender österreichischer Bundeskanzler, in der Regierung von Engelbert Dollfuß von 1933 bis 1934 Minister, anschließend bis 1938 Präsident des österreichischen Rechnungshofs. Am 27. März 1938 wurde Ender in Innsbruck festgenommen, am 15. September in Wien wieder freigelassen, wo er als Privatmann blieb – eine Rückkehr nach Vorarlberg war ihm verboten. Nach 1945 kehrte er nicht in die Politik zurück, am 25. Juni 1960 starb Otto Ender in Vorarlberg. In seinem Buch für das Vorarlberg Museum geht der Historiker Peter Melichar der Frage nach: Wer war Otto Ender? Melichar betont: „Ender ist unbestritten der einflussreichste Politiker, den Vorarlberg im 20. Jahrhundert hervorgebracht hat.“ Und fügt an: „Es ist Tatsache, dass sich Otto Ender an der Zerschlagung der Demokratie beteiligt hat.“

Autorität und Ständen zugewandt

Dass sich Ender dem Autoritären zugewandt hat, habe mit mehreren Enttäuschungen zu tun, sagt Melichar: Er war enttäuscht darüber, wie mit den Bundesländern im Zuge der Verfassungsnovelle umgegangen wurde. Als Bundeskanzler in einer extremen Finanzkrise habe er zudem die Erfahrung gemacht, wie schwierig es ist, schnell zu handeln, wenn Parlament und Partei alles absegnen müssen. Das Resultat: Am Ende seiner Kanzlerzeit stolperte Ender über den Zusammenbruch der Credit-Anstalt, der über eine Milliarde Schilling kostete. Otto Ender habe für einen Christlichsozialen gute Beziehungen zu einigen Sozialdemokraten geführt. Im Wiener Landtagswahlkampf sei er dennoch direkt angegriffen worden, was ihn ebenfalls enttäuscht habe. Vorarlberg ging es in Zeiten der Weltwirtschaftskrise außerdem vergleichsweise gut, dennoch seien die jungen Leute reihenweise den Nazis zugelaufen. Zudem sind nach der Wirtschaftskrise Verteilungskämpfe ausgebrochen. Manche sahen die Lösung darin, den Staat in Berufen – also Ständen – zu organisieren. „Ender hat die ständische Utopie zunächst lächerlich gefunden“, erläutert Historiker Melichar. Dass der Papst in seiner Enzyklika von 1931 als Lösung der sozialen Frage die Berufsstände angepriesen hat, provozierte bei Ender ein Umdenken. Zudem habe er gemerkt, dass die Frage, wie ein Staat konstruiert ist, belanglos sei, solange Dinge wie die Verwaltung funktionieren. Am Ende hat Ender eine ständestaatliche Verfassung geschrieben, die nie in Kraft getreten ist. Groß angerechnet wird Otto Ender, die Wasserkraft in Vorarlberg zwischen 1923 und 1928 verstaatlicht zu haben. Das Land gründete und beteiligte sich an drei Gesellschaften und erwarb den bis dahin größten privaten Stromerzeuger, die Vorarlberger Kraftwerke (VKW).

Umstrittene Persönlichkeit

Was bleibt also von Otto Ender? Dem Mann, der Juden als Gastvolk bezeichnete und Österreich von einer „gastvölkischen Infektion“ bedroht sah? Otto Ender, dem Föderalist, der die VKW gekauft hat, die Vorarlberger durch eine Wirtschaftskrise gelenkt und das Bundesland gegen Einflussnahme aus Wien verteidigt hat? Was bleibt von Otto Ender, der 1925 über das faschistische Italien unter Benito Mussolini schrieb: „Dieses Gesetz hat in Italien das Große zustande gebracht, was bei uns unmöglich erscheint: Es gibt keinen Streik mehr.“ Was bleibt von einem Mann, der 1933 feststellte: „Was gesund ist am Hitlertum, wollen wir aufgreifen und soweit auch verwirklichen, als es für unsere Vorarlberger und für unsere österreichischen Verhältnisse passt.“ „War Enders Begriff von Demokratie das Problem?“, fragt Peter Melichar in seinem Buch. „Was hatte es zu bedeuten, dass gerade jene in besonderem Maße zur Zerstörung der Demokratie beitrugen, die sich zu einer Religion bekannten und sich auf sie beriefen, zu deren fundamentalen Prinzipien die Feindesliebe zählt?“

Buchempfehlung:

Peter Melichar – Otto Ender 1875 – 1960. Vorarlberg Museum Schriften 39

MICHAEL PROCK Michael.prock@vn.at 05572 501-633

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