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„Wer keinen Widerstand spürt, verändert nichts“

Hans-Peter Metzler betreibt "das Schiff" in fünfter Generation.
Hans-Peter Metzler betreibt "das Schiff" in fünfter Generation. ©MiK
Hans-Peter Metzler (51), WKV-Präsident und Hotelier, spricht über Netzwerke, den Familienbetrieb und seine drei Töchter.

WANN & WO: Herr Metzler, Sie sind seit zwei Monaten Präsident der Vorarlberger Wirtschaftskammer. Haben Sie bereits ein erstes Resümee gezogen?

Hans-Peter Metzler: Ja. Ich habe ein sehr spannendes Haus vorgefunden, mit sehr engagierten Mitarbeitern voller Energie. Es wird gute Arbeit geleistet, aber auch die Bereitschaft zur Veränderung ist da. Wir wollen uns weiterentwickeln, und dafür stehe ich auch. Ich habe mir nicht gedacht, jetzt werde ich Präsident und mache auf lässig – ich habe das schon als klaren Arbeitsauftrag gesehen.

WANN & WO: Das Amt des Vorarlberger Wirtschaftskammerpräsidenten bringt auch viel Öffentlichkeit mit sich. Ein Problem für Sie?

Hans-Peter Metzler: Öffentlichkeit ist wichtig für unsere Sache, aber es kann auch zu viel sein. Ich mache das jetzt halt notgedrungen, weil es dazu gehört, aber mit der Zeit wird es hoffentlich ruhiger. Allerdings bin ich eine gewisse Aufmerksamkeit schon durch frühere Funktionen gewohnt. Es gab eine Phase, da habe ich extra einen Ordner angelegt mit allen Artikeln, in denen ich erwähnt wurde. Da bin ich heute entspannter (lacht). Selbstbewusstsein generiere ich nicht mehr aus der Anzahl der Artikel, die über mich erscheinen.

WANN & WO: Sind Sie ein großer Netzwerker?

Hans-Peter Metzler: Das bin ich, ja. Schon seit Langem: Ich habe den Betrieb bereits sehr früh übernommen und mich hier im Haus gut entwickelt, aber schnell gemerkt, dass ich auch noch etwas anderes brauche. So wurde ich Teil verschiedener Netzwerke, zuerst vor allem in der Gastronomie und im Tourismus. Dort habe ich sehr viel gelernt und statt dem verpassten Studium quasi eine „Universität des Lebens“ gemacht.

WANN & WO: Sie sind im Hotel aufgewachsen. Waren Sie ein typisches Gastrokind, dass in der Wirtschaft herumgerannt ist und an der Schank mithalf?

Hans-Peter Metzler: Ja, so war es. Ich musste auch schon früh helfen. Mein Vater hat dazu geschaut, dass mir nicht langweilig wurde (lacht). Ich konnte dadurch aber auch viel Menschenkenntnis entwickeln, habe als Junge schon unglaublich viel mit Menschen zu tun gehabt. Wir waren und sind ein offenes Haus. Wir lernen unterschiedlichste Menschen in unterschiedlichsten Phasen und Stimmungen kennen. Da entwickelt man ein Gespür, das ist auch ein Vorteil für mich. Ich kann auf Leute zugehen.

WANN & WO: Sie mussten früh große Verantwortung übernehmen – Ihr Vater starb, als sie 19 Jahre alt waren, Sie übernahmen den Betrieb.

Hans-Peter Metzler: Ja, das war schicksalshaft. Es gab aber auch keine lange Diskussion darüber, wie es weitergehen soll. Der Betrieb war zu der Zeit wirtschaftlich angeschlagen. Da musste ich einsteigen und wurde nicht lange gefragt. Ich habe gespürt, dass ich zu meiner Mutter stehen muss. Das geplante Studium stand da klar hintenan. Ich habe dann noch maturiert, aber danach ging es im Hotel voll los.

WANN & WO: Haben Sie sich ab und zu über das ausgefallene Studium geärgert?

Hans-Peter Metzler: Gefreut hat es mich nicht. Am Anfang dachte ich noch, dass sich beides ausgeht. Ich bin am Sonntagabend nach Innsbruck gefahren und am Montag, dem damaligen Ruhetag im Hotel, in der Uni herumgerannt. Es war aber schnell klar: Das geht nicht.

MiK
MiK ©MiK

WANN & WO: Dafür ist das „Schiff“ sehr erfolgreich.

Hans-Peter Metzler: Nun, ich war wie gesagt immer ein großer Netzwerker, der sich auch außerhalb des Betriebs engagiert hat. Aber wir haben auch hier viel Arbeit geleistet, aus einem normalen Bus- und Skihotel eine sehr gute Adresse für Urlaub und Kulinarik gemacht. Da sind wir auch stolz darauf und ich bin meinen Mitarbeitern und meiner Familie sehr dankbar. Meine Mutter steht ja immer noch in der Küche. Meine Schwester und meine Frau stehen voll im Betrieb. Ich habe sowieso viele Frauen um mich herum, bin Vater dreier Töchter.

WANN & WO: Ein echter Familienbetrieb also.

Hans-Peter Metzler: Meine Familie ermöglicht mir erst, dass ich das Amt des WKV-Präsidenten überhaupt machen kann, diese Unterstützung ist sehr toll. Ich hätte die Präsidentschaft nicht angenommen, wenn ich nicht gewusst hätte, dass sich das mit dem Hotel vereinbaren lässt. Du kannst nicht draußen cool tun und daheim hast du ein Chaos beisammen. Wir haben das gut aufgeteilt. Im Hotel habe ich zwar gefühlt schon die Gesamtführung, aber die Frauen … Sie kennen das (lacht). Wir haben unglaublich viele tolle Familienbetriebe im Ländle, das ist eine Qualität, die wir oft übersehen.

WANN & WO: Haben Sie als Besitzer einer der ersten Adressen am Platz viel mit Neid und Konkurrenz zu kämpfen?

Hans-Peter Metzler: Dazu haben wir, gerade im Wald, einen etwas anderen Zugang. Wir sind Mitbewerber, keine Konkurrenten. Wir sind gut vernetzt. Neid gibt es ein Stück weit immer, das wird man nicht verhindern können. Aber meine Mutter hat immer gesagt, du musst Frieden im Haus und ums Haus haben. Also schauen, dass du mit deinem Umfeld gut bist, und dann kommt dieser Neid nicht so auf. Es kommt auch immer darauf an, wie man auftritt. Hebt man ab und hält sich für was Besseres, darf man sich nicht wundern, wenn das Umfeld entsprechend reagiert. Aber wenn man normal und bodenständig bleibt, wird es nie so dramatisch sein.

WANN & WO: Sind Sie so ein richtiger Wälder?

Hans-Peter Metzler: Ich besitze Hölzlar, falls Sie darauf hinaus wollten (lacht). Im Kern sind wir Wälder ja wirklich traditionsbewusst, aber auch offen für Neues, und wenn man das als Basis betrachtet, dann bin ich ein „ghöriger Wälder“.

WANN & WO: Wie sieht es mit Heimatverbundenheit aus?

Hans-Peter Metzler: Ich bin jetzt in fünfter Generation in diesem Haus. Das zeigt es eigentlich schon auf.

WANN & WO: Ihr Betrieb ist klar auf Genuss ausgerichtet. Sind Sie selbst ein Genussmensch?

Hans-Peter Metzler: Das bin ich absolut. Genuss ist ja auch ein Teil der Lebenskultur und Lebenskunst, behaupte ich jetzt einmal. Man kann alles genießen, einen schönen Augenblick, eine tolle Landschaft, ein gutes Essen. Ich pflege das natürlich auch, ich muss ja authentisch bleiben.

WANN & WO: Wie war es eigentlich mit Ihren drei Töchtern in der Pubertät? War die auch ein Genuss?

Hans-Peter Metzler: Zwei sind aus dem Gröbsten raus, eine geht nach Wien studieren, die andere ist in Innsbruck. Die Jüngste ist 12, da geht es jetzt los, aber wir sind Gott sei Dank vorbereitet. Wir haben immer dazu geschaut, dass wir den Punkt, bei dem es um Ausgehzeiten und so weiter geht, ein wenig nach hinten verschieben. Aber meine Mädchen sind toll, ich bin sehr stolz auf sie.

WANN & WO: Wie kann man Sie sich als Schwiegervater vorstellen?

Hans-Peter Metzler: Das kann ich noch nicht sagen. Aber die ersten Herren, die mir vorgestellt wurden, waren nett. Allerdings wurde mir der Tipp gegeben: Wenn einmal einer kommt, den man nicht so mag, dann muss man so tun, als ob man ihn besonders toll finden würde. Denn wenn man sich gegen ihn stellt, wird die Tochter nur noch mehr zu ihm stehen. Gott sei Dank musste ich das aber noch nie so ausprobieren.

WANN & WO: Wenn Sie einmal wirklich allein sind, dann …?

Hans-Peter Metzler: Ich ziehe mich schon ab und zu zurück. Ich lese unheimlich gerne und interessiere mich dabei besonders für Quantenphysik. Ab und zu spiele ich Golf, gehe spazieren. Ich bin kein sportlich hyperaktiver Typ, der bei jeder Gelegenheit auf den Berg rennt, aber ich habe schon einen Ausgleich in diese Richtung.

WANN & WO: Was würden Sie 2017 gerne umsetzen?

Hans-Peter Metzler: Einige Dinge der digitalen Agenda der Wirtschaftskammer, etwa unser Co-working Space-Projekt und auch einiges zum Thema Bildung. Die Organisation im Haus werden wir uns auch anschauen. In erster Linie möchte ich ein Ermöglicher sein, meinen Beitrag für ein lebenswertes Land leisten. Auch, wenn das nicht gleich jedem gefällt. Wenn du was veränderst, musst du davon ausgehen, dass du Widerstand hast. Wer keinen Widerstand spürt, der verändert nichts.

WORDRAP
Hittisau: Wunderbarer Ort, Heimat.
Vorarlberg: Urbanstes Dorf der Welt.
Kinder: Sinn des Daseins.
„Das Schiff“: Meine Homebase, auf die ich stolz bin.
Wirtschaftskammer: Spannendes Haus mit vielen Ressourcen.
Zitat: „Selbstbewusstsein generiere ich nicht mehr aus der Anzahl der Artikel, die über mich erscheinen.“ Hans-Peter Metzler

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