Wenn Mütter bewusst das Leben ihres Kindes riskieren

Das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom ist zwar selten, aber häufig tödlich.
Das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom ist zwar selten, aber häufig tödlich. ©VOL.AT/Bernd Hofmeister
Feldkirch - Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom: Primar Haller begutachtet im Falle "Kindesmisshandlung".
Kindesmisshandlung: Prozess vertagt
18 Knochenbrüche: Mutter vor Gericht
Mögliche Kindesmisshandlung
Kind (1) verletzt - Polizei ermittelt

 Im Juli fand am Landesgericht Feldkirch ein Prozess gegen eine 32-jährige Kindesmutter statt. Sie steht unter Verdacht, ihren kleinen Buben, der heute zwei Jahre alt ist, schwer misshandelt und ihm 18 Knochen gebrochen zu haben. Im November geht der Prozess weiter. Bis dahin soll Gutachter Primar Reinhard Haller klären, ob die Frau am Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom leidet.

Selten, aber häufig tödlich

Primar Reinhard Haller erklärt, dass die 1977 erstmals von einem britischen Kinderarzt beschriebene Persönlichkeitsstörung höchst selten ist. Frauen, meist Mütter, verursachen bei ihren Kindern Krankheiten oder Verletzungen und präsentieren sich anschließend fürsorglich und besorgt. So wollen sie selbst Zuwendung erheischen. “Oft wechseln die Frauen den Arzt, das Krankenhaus oder sogar den Wohnort, um das Ganze zu verschleiern”, so der Experte. Zum gegenständlichen Fall darf er sich als Gutachter nicht äußern. Häufig enden diese Störungen der Mütter für die Kinder tödlich.

Kaum Leidensdruck

“Leidensdruck und Bereitschaft zur Behandlung sind bei den betroffenen Frauen meist gering. Hintergrund für die Störung ist häufig eine tief verwurzelte, unbewusste psychische Problematik. In vielen Fällen wurde eine ‘Borderline-Störung’ diagnostiziert. Manchmal auch psychische Unreife oder schwere Überforderungsgefühle in der oft unerwarteten Mutterrolle”, so Haller. Voraussichtlich im November wird der Sachverständige das Ergebnis seines Gutachtens dem Gericht erörtern, dann ist Norbert Melter am Zug und muss ein Urteil fällen.

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