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Wenn Kinder Kinder kriegen

Bregenz - „Ich bin schwanger! Für mich war das wie ein Albtraum“, erzählt die 17-jährige Mutter. „Obwohl ich große Selbstzweifel hatte, wollte ich das Kind unbedingt austragen, hatte aber Angst, es meinen Eltern zu sagen.

Nur meine Schwester wusste es. Als ich im siebten Monat war, ging es nicht mehr anders. Die erste Reaktion meiner Mutter war – ein Schock: ‚Du bist zu jung, hast noch keine Ausbildung, wer soll auf das Baby aufpassen?‘ Aber je größer mein Bauch wurde, umso mehr freute sich auch meine Mutter.“ 26 Stunden lang dauerte die Geburt. Es war ein Mädchen. Eltern, Freunde und Freundinnen freuen sich mit der jungen Mutti. Nur der ebenso junge Kindsvater will von seiner neugeborenen Tochter nichts wissen. „Das Baby ist jetzt ein paar Wochen alt. Zwei Mal hat er es kurz besucht.“

Hälfte ist für Abtreibung

Rund 100 minderjährige Vorarlbergerinnen werden nach vorsichtigen Schätzungen jährlich in Vorarlberg schwanger. Etwa 60 Prozent entscheiden sich für eine Abtreibung. Die jüngsten schwangeren Kinder in Vorarlberg sind derzeit 13 Jahre alt. Die Väter sind meist nicht viel älter.

Vertrauenspersonen

Eine der ersten Anlaufstellen für die oft verzweifelten schwangeren Mädchen ist eine Sozialarbeiterin oder ein Sozialarbeiter in einem Jugendhaus. „Wir informieren und versuchen den Mädchen so gut wie möglich zur Seite zu stehen“, sagt Michaela Moosmann, Diplom-Sozialarbeiterin, Sexualpädagogin, Sexualberaterin im Mädchenzentrum Amazone in Bregenz. Partnerschaften im Jugendalter sind meistens nicht tragfähig. Ein schwangeres Mädchen weiß oft nicht, was alles auf es zukommt. Hilfsmaßnahmen werden in die Wege geleitet, Kontakte mit weiteren Hilfsorganisationen, etwa dem Institut für Sozialhilfe und der Liechtensteiner Organisation „schwanger.li“ geknüpft.

„Knackpunkte“

Die psycho-soziale Beratungseinrichtung „schwanger.li“ von Sophie von Liechtenstein berät nicht nur, sondern hilft – wenn notwendig – auch finanziell, sorgt für eine Wohnmöglichkeit, für Kinderbetreuung während der Ausbildung und anderes mehr. Entscheidet sich ein Kind dazu, ein Kind zu bekommen, ist das persönliche Umfeld extrem wichtig, betont Dr. Ruth Rüdisser, Psychologin am Institut für Sozialdienste (IfS). „Wir versuchen, die Eltern der Schwangeren sowie den Kindsvater einzubeziehen. Leider ist das nicht immer möglich.“ Mitunter ist die junge Mutter derart überfordert, dass ihr Kind von der Jugendwohlfahrt in Obhut genommen wird.

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