Wenn der Geist geht und das Herz bleibt: Gespräche über Demenz

Beim Bürgerforum der Aktion Demenz Lustenau war die Meinung der Lustenauer Bevölkerung gefragt.
Beim Bürgerforum der Aktion Demenz Lustenau war die Meinung der Lustenauer Bevölkerung gefragt.

Lustenau. Demenz war das gewöhnliche Thema eines ungewöhnlichen Abends für Angehörige, Betroffene, Pflegefachkräfte und Interessierte im Schützengarten. Gewöhnlich, weil die meisten der Besucherinnen und Besucher alltäglich vom Vergessen im Alter berührt waren. Ungewöhnlich, weil sie aufgefordert waren, über ihre Berührtheit zu sprechen.

“Mein Mann stellt mir zehmal die gleiche Frage. Ich antworte zehnmal das gleiche bis ich wütend werde. Was soll ich tun?” Diese und ähnliche Fragen hört Wilfried Feurstein während des Bürgerforums der Aktion Demenz Lustenau noch öfter. Der Geriatrie-Experte beschäftigt sich seit 35 Jahren mit Demenz und sagt: “Demente sind Menschen, keine Patienten.” Und wie wir merken, ob jemand dement ist oder nur langsam und vergesslich: “Verwirrtheit, langsameres Verhalten, sich aus dem Leben zurückziehen oder die zunehmende Schwierigkeit, Alltagsprobleme zu lösen, könnten auf Demenz hinweisen. Etwa die Hälfte der diagnostizierten Demenzen seien in Wahrheit aber Depressionen, so genannte Pseudodemenzen, die durch Therapien geheilt werden könnten. Demenz sei nicht heilbar jedoch: “Validation ist ein möglicher Weg, sich in die Welt eines Dementen einzufinden und ihn so leichter zu betreuen”, erklärt Feurstein.

Begleiten ins Vergessen
Wie pflegende Angehörigen im Alltag einen besseren Zugang zu Menschen mit Demenz finden können, beschrieb Wilfried Feurstein aus seiner Erfahrung. “Ihre Langsamkeit berücksichtigen und Menschen mit Demenz in Ruhe begegnen”, empfiehlt Wilfried Feurstein für einen besseren Umgang mit dementen Menschen. Menschen mit Demenz sollten weiterhin am Leben in der Gemeinde teilnehmen können, der tägliche Einkauf oder ein Besuch auf der Bank sollten selbstverständlich bleiben. Schulungen bei MitarbeiterInnen in Handel, Gastronomie, Dienstleistungen oder Polizei könnten dabei helfen.

Die Last der Betreuung
90 % der Menschen mit Demenz werden zuhause betreut. Meist von den engsten Angehörigen. Sie betreuen einen geliebten Menschen, der nicht mehr derselbe ist, der er einmal war. “Pflegenden Angehörigen gehen oft die Kräfte aus, sie sehen sich einer Belastung gegenüber, reagieren ungeduldig und sind erschöpft”, weiß Silvia Benz, die Projektleiterin von Aktion Demenz Lustenau. Der Rat von Experten für eine leichtere Betreuung lautet Wertschätzung, Verständnis und Geduld aufbringen. Man selber wolle schließlich auch nicht ständig gesagt bekommen, was man zu tun und zu lassen hätte.

Endlich gehört werden
Was nach Meinung von Angehörigen und Betroffenen zu tun ist, um Lustenau demenzfreundlich zu machen und pflegende Angehörige zu entlasten, war Thema beim Bürgerforum, wo Ideen für ein demenzfreundliches Lustenau gesammelt wurden: Alternative Wohnformen, Selbsthilfegruppen, junge Menschen mehr für die ältere Generation sensibilisieren, ärztliche Beratung für pflegende Angehörige und Menschen mit Demenz, Generationenprojekte, Projekte mit Schulen, eine Beratungsstelle für pflegende Angehörige, Hausbesuche von Ärzten oder Aufklärung in der Bevölkerung waren die Ideen aus dem Publikum für einen demenzfreundlichen Ort.

“Das Engagement seitens der Bevölkerung zeigt uns, wie wichtig Demenz den Lustenauern ist aber auch, dass es in Lustenau viel zu tun gibt”, sieht Silvia Benz in diesen Wüschen ihren Auftrag bestätigt.

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