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Wenn das Spiel zur Sucht wird

Schwarzach - Die Österreicher zählen zu den "fleißigsten Spielern" Europas. Hierzulande wurden 2006 mehr als zehn Millionen Euro verspielt. Pro Haushalt wurden 3.122 Euro für Spiele und Wetten eingesetzt. An Automaten wurde im gleichen Zeitraum um 3,3 Milliarden Euro gespielt.

Dabei ist das Bewusstsein, dass es sich um eine Krankheit ähnlich der Drogensucht handelt, noch alles andere als fortgeschritten. Menschen aller Alterskategorien sieht man ihr massives Problem meist nicht an. Einige können ihre Sucht über Jahrzehnte verbergen. Margit S.* zählt zu diesem Kreis.

260.000 Euro Schulden

Dreißig Jahre lang hat sie gespielt. Ihr Glück unzählige Male versucht. Manchmal von 12 Uhr mittags bis vier Uhr morgens. Und dabei Summen bis zu 17.000 Euro kassiert. Der Reichtum war jedoch von kurzer Dauer: Stunden später ließ sie die Summe wieder am Roulettetisch liegen. Glücksspiel war ihr Lebenselixier. Heute sitzt die 53-Jährige mit 260.000 Euro Schulden, Privatkonkurs und einem aufs Existenzminimum reduziertes Einkommen vor einem Scherbenhaufen. „Begonnen hat alles mit 19, als ich meinen Bruder ins Casino Seefeld begleitete. Mit den Eintrittsjetons habe ich 1000 Euro gewonnen. Damit habe ich in 15 Minuten doppelt soviel verdient wie als Verkäuferin“, erinnert sich die Frau. Dann gings Schlag auf Schlag. Ihre „Karriere“ als Spielerin hatte begonnen. Das Geld fürs Glücksspiel habe sie fast ausschließlich mit Krediten finanziert. „Ans Zurückzahlen denkst du in dem Moment, wo du wieder Geld in Händen hältst, nicht.“

Suizid letzter Ausweg

Bekommt man soviel Geld von den Banken? „Als Spieler lebst du in einer eigenen Welt, brichst soziale Kontakte ab und findest immer eine Hintertür für Geld.“ Auch die Casinos („Dort hätte ich längst auffallen müssen“) ließen sie offenbar gewähren. Wenig Nutzen habe die selbst veranlasste Sperre bei hiesigen Casinos gebracht. „Dann bin ich mit dem Taxi nach Bad Ragaz oder nach Lindau.“ Vor eineinhalb Jahren war Schluss. Kein Geld mehr fürs nackte Überleben. „Ich wollte Selbstmord begehen.“

Heute Start für Aktion

Ein Griff zum Telefon bewahrte sie davor. „Ich rief die Telefonseelsorge an und wurde zur Beratungsstelle Clean vermittelt. Ohne Hilfe der Therapeuten könnte ich heute nicht mehr mit ihnen reden, warnt Margit S. (Name von der Redaktion geändert) LeidensgenossInnen. Clean Bregenz startet heute Montag, 19 Uhr, wiederum eine Gruppe für Betroffene. Vorgespräche unter 05574/45400.

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