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Wenig Betrügereien im Ländle

Im vergangenen Jahr ist den Versicherungen in Österreich durch fingierte Schadensmeldungen ein Schaden von rund 800.000 Euro entstanden. Wobei sich ein deutliches Ost-West-Gefälle zeigt.

Anlass ist der aktuelle Prozess gegen einen 35-jährigen Mann aus dem Pongau, der wegen versuchtem schwerem gewerbsmäßigem Betrug angeklagt ist. Der mit 150.000 Euro verschuldete Mann will bei einem Fahrradunfall so unglücklich eine Böschung hinunter gestürzt sein, dass ihm ein vorbeifahrender Zug über beide Hände fuhr. Dem 35-Jährigen mussten daraufhin drei Finger amputiert werden. Seine Versicherungen hatte er kurz zuvor noch aufstocken lassen. Es geht um rund eine Million Euro Versicherungssumme. Im Fall eines Schuldspruches drohen dem Mann bis zu zehn Jahre Haft.

„Je schlechter es den Leuten geht, desto mehr Versicherungsbetrüge gibt es“, sagt Engelbert Fessler von der Rechtsschutzabteilung der EAGenerali in Bregenz. Und wenn es um den Ideenreichtum der Klienten geht, an Geld zu kommen, fällt ihnen so manche Räuberpistole ein.

„Ein Vorarlberger wollte 7000 Euro von der Versicherung kassieren, weil er im Jugoslawienurlaub einen Unfall gehabt haben soll. Als Beweis legte er die Rechnung einer jugoslawischen Werkstätte vor. Recherchen hatten später ergeben, dass die Sache erlogen war. Der Mann wurde natürlich angezeigt“, erinnert sich Fessler.

Etwa 10.000 Schadensfälle im Land werden jährlich bei der Generali bearbeitet. 80 davon stellten sich heuer schon als Betrug heraus. Fessler geht bis Dezember von einer Schadenssumme von 150.000 Euro aus. Trotzdem scheinen die Voralberger im Österreichvergleich die weißeste Weste zu haben. Das sagt zumindest Max-Edelbacher vom österreichischen Versicherungsverband. „Im Osten hagelt es wesentlich mehr Anzeigen als im Westen.“

Weil die Versicherungshäuser in Graz und Wien seien, würden die meisten einfach anonym eine Schadensmeldung abgeben. Das schaffe den Vorteil, dass sie gegenüber dem Opfer nicht direkt vorgehen müssten. Trotzdem konnten etwa 2004 österreichweit 160.000 Betrugsfälle aufgedeckt werden.

Zahlen und Fakten
Im vergangenen Jahr sind österreichweit bei den Versicherungen 3,2 Millionen Schadensfälle eingegangen.

Bei rund fünf Prozent, also 160.000 Fällen steckte eine betrügerische Absicht dahinter.

In 6000 Fällen konnte von der jeweiligen Schadensabteilung der Versicherungsnehmer bereits im Gespräch überführt und somit der Betrug aufgedeckt werden.

1186 Fälle wurden bei der Polizei angezeigt.

Die Betrügereien werden zu einem Drittel von Frauen und zu zwei Drittel von Männern begangen.

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