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Weltnierentag: 228 Vorarlberger leben mit einer transplantierten Niere

Die Wartezeit für Nierentransplantationen beträgt 2-3 Jahre.
Die Wartezeit für Nierentransplantationen beträgt 2-3 Jahre. ©KHGB/Mathis
„Ein Leben ohne funktionierende Nieren ist für die meisten Menschen kaum vorstellbar. In Vorarlberg müssen rund 420 Menschen mit diesem Schicksal leben und benötigen eine Nierenersatztherapie“, erklärt Prim. Univ.-Doz. Dr. Karl Lhotta, Leiter der Abteilung Nephrologie und Dialyse am LKH Feldkirch anlässlich des Welt-Nierentages am 8. März. Diese Therapie erfolgt entweder in Form der Dialyse oder durch eine Nierentransplantation.

„Die Nierentransplantation ist zweifelsohne die beste Behandlungsmethode für PatientInnen mit chronischem Nierenversagen. Deshalb versuchen wir, möglichst viele PatientInnen zur Transplantation anzumelden“, so Prim. Lhotta.  Im Vergleich zu einer Dialysetherapie erhöht sie die Lebensqualität, verlängert das Leben und ist außerdem wesentlich kostengünstiger. Im vergangenen Jahr haben 17 Vorarlberger PatientInnen ein Nierentransplantat erhalten und gehören nun zu den knapp 230 Personen in Vorarlberg mit einer transplantierten Niere. Weitere 44 stehen derzeit auf der Warteliste in Innsbruck. „Die Wartezeit beträgt zwischen zwei und drei Jahren“, weiß Lhotta. „Doch leider sind viele NierenpatientInnen aufgrund von schweren Begleiterkrankungen für eine Transplantation nicht geeignet. Ihnen bleibt nur die Dialyse als Alternative.“

Belastung durch Dialyse

Wenn  möglich, wird die Dialyse nur als Überbrückung bis zur Transplantation eingesetzt, denn diese Therapieform ist mit gravierenden Einschränkungen für die PatientInnen verbunden. „Wir mussten unser Leben nach meinem akuten Nierenausfall radikal umstellen, denn alleine drei Mal wöchentlich Dialyse nahm mit Anfahrt Vorbereitung und Nachsoge jeweils fünf bis sechs Stunden in Anspruch“, berichtet Komm.Rat. Claus Haberkorn. Dazu kommt die nervliche Belastung. „Bei jedem Anruf hofft der Patient auf die erlösenden Worte Wir haben eine Niere für Sie“, weiß Prim. Lhotta aus der Praxis.

Lebensrettende Transplantation

„Transplantationen sind für Patienten mit Organversagen im Endstadium lebensrettend. Voraussetzung hierfür ist die Organspende“, so der Intensivmediziner und Transplantbeauftragte für Vorarlberg, Oberarzt Dr. Thomas Diem. Dabei ist die rechtliche Lage in Österreich einfacher als in vielen anderen Ländern, denn hier ist grundsätzlich jeder und jede Organspender, der nicht beim Österreichischen Bundesinstitut für Gesundheit Einspruch erhebt. „Eine wichtige Schlüsselfunktion für Organspenden haben die IntensivmedizinerInnen, denn sie müssen einen potenziellen Organspender erkennen“, weiß Dr. Diem.

Lebendspende als Alternative

Auch eine Lebendspende, eine Nierentransplantation von einem engen Verwandten, ist möglich, aber in Österreich eher selten. „In vielen Fällen wollen die PatientInnen das nicht“, berichtet Prim. Lhotta. In Vorarlberg gab es im vergangenen Jahr zwei Lebendspenden. „Die Entscheidung zur Nieren-Lebendorganspende habe ich noch keinen Augenblick bereut. Ich würde es sofort und ohne Wenn und Aber wieder machen“, erklärt Rudolf Burtscher, der seiner Frau eine Niere gespendet hat. Die Risiken für Lebendspender sind gering. Abgesehen vom Operationsrisiko bestehen keine besonderen gesundheitlichen Gefahren. „Lebendspender werden vorab äußerst gründlich untersucht. Nur wer völlig gesund ist, kommt als Spender überhaupt in Frage“, betont Prim. Lhotta. Eine Erfahrung, die auch Komm.Rat. Claus Haberkorn bestätigen kann, der von seiner Frau eine Niere gespendet bekam. „Schon 3 Monate später konnten wir wieder gemeinsam Golfen und führen heute ein fast normales Leben mit viel Sport und Reisen. In unserer Beziehung hat sich eigentlich nichts verändert, außer dass wir uns vielleicht noch ein Stück näher sind!“

Lebensverändernde Erfahrung

Erich Längle hat durch die Transplantation ein großes Maß an Lebensqualität wieder erlangt. „Die laufenden Kontrollen zeigen auch nach nunmehr 10 Jahren eine gute Funktion meines Transplantates. Ein Lebensgefühl, das ich jedem Niererenpatienten von Herzen  wünsche!“, so der Obmann des Patientenvereins. Auch Prim. Lhotta kann immer wieder beobachten, wie sehr eine Nierentransplantation das Leben seiner PatientInnen verändern kann. „Dialyse und Transplantation sind für betroffene PatientInnen Grenzerfahrungen des Lebens. Wenn sie nach der Transplantation nach Hause entlassen werden, haben sie ein neues Leben vor sich. Diese Momente gehören wohl für die PatientInnen zu den bewegendsten ihres Lebens, aber auch zu den schönsten Erlebnissen des ganzen Behandlungsteams.“

Factbox

417 PatientInnen in Vorarlberg leiden an komplettem Nierenversagen und brauchen eine Nierenersatztherapie.
228 von diesen haben PatientInnen ein funktionierendes Nierentransplantat.
44 PatientInnen sind derzeit auf der Warteliste für eine Nierentransplantation in Innsbruck registriert.
3 Jahre beträgt die durchschnittliche Wartezeit auf eine Spenderniere.
17 Vorarlberger PatientInnen erhielten im vergangenen Jahr ein Nierentransplantat, davon waren 2 Lebendspenden.

 

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