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Weiterhin Hunderte Migranten auf Bahnhöfen in Italien

Flüchtlinge warten am Grenzübergang Ventimiglia auf Weiterreise
Flüchtlinge warten am Grenzübergang Ventimiglia auf Weiterreise
Italien sieht kein Ende des Flüchtlingsnotstands. Besonders schwierig ist nach wie vor die Lage auf den Bahnhöfen von Rom und Mailand, auf denen Hunderte Migranten festsitzen. 380 afrikanische und syrische Flüchtlinge werden zurzeit im Mailänder Hauptbahnhof versorgt. Sie warten auf Möglichkeiten, um in Richtung Nordeuropa weiterzureisen, wie italienische Medien am Montag berichteten.

Hunderte Afrikaner sitzen an Roms Bus- und Fernreisebahnhof Tiburtina fest, wo sie auf ein Ticket für die Weiterreise hoffen. Die Gemeinde Rom richtete ein Zeltlager für die Flüchtlinge ein, die in den letzten Tagen im Freien übernachtet und damit Protest der Anrainer ausgelöst hatten, die über schlechte hygienische Zustände klagten.

Demonstrationen an der Grenze

Gespannt ist auch die Lage am italienisch-französischen Grenzübergang Ventimiglia. Dutzende Flüchtlinge demonstrierten am Sonntag zum dritten Tag hintereinander gegen die Polizei, die ihnen den Weg nach Frankreich versperrte. “Wir kehren nicht zurück!” und “Weg mit der Polizei” skandierten die Demonstranten, die nach Frankreich weiterreisen wollen. Mehrere Hunderte Migranten wurden in ein Auffanglager in der ligurischen Hafenstadt Savona geführt. Die Lage in Ventimiglia ist seit Tagen schwierig, seitdem die französische Polizei die Grenzkontrollen erheblich verschärft hat.

76.000 Migranten in italienischen Aufnahmezentren

In Italien befinden sich derzeit 76.000 Migranten in Aufnahmezentren, die völlig überlastet sind. Die EU-Kommission will Italien und Griechenland entlasten und Zehntausende Flüchtlinge aus beiden Ländern auf andere Mitgliedstaaten verteilen. In den beiden Ländern kommen die meisten Bootsflüchtlinge an, die von Afrika über das Mittelmeer nach Europa wollen.

Renzi verlangt Solidarität

Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi verlangt mehr Solidarität von den EU-Mitgliedstaaten bei der Aufnahme von Flüchtlingen. Europas Antwort auf diese “ernste Krise” sei bisher bei weitem nicht ausreichend, sagte der Regierungschef. Sollte Italien nicht mehr Unterstützung erhalten, “haben wir einen Plan B vorbereitet, unter dem in erster Linie Europa zu leiden hätte”. Konkrete Angaben zu dem Plan machte er nicht.

Der Plan, 24.000 Migranten aus Italien und 16.000 weitere aus Griechenland in andere EU-Länder zu bringen, trifft jedoch bei einer Reihe von Mitgliedstaaten auf Ablehnung, darunter insbesondere Großbritannien und mehrere osteuropäische Länder. Sie fürchten, dass die Kommissionsvorschläge dauerhaft die Dublin-Regeln aushebeln. Diese sehen vor, dass Flüchtlinge ihren Asylantrag in dem Land stellen müssen, in dem sie zuerst in der EU eintreffen.

EU-Gipfel am 25. und 26. Juni

Renzi will beim EU-Gipfel am 25. und 26. Juni auf weitere Zugeständnisse pochen. “Nur 24.000 Flüchtlinge zu verteilen, ist fast schon eine Provokation”, sagte der Ministerpräsident. Die Dublin-Regeln sollten geändert werden. Renzi will in den kommenden Tagen mit dem britischen Premierminister David Cameron, seinem französischen Kollegen Manuel Valls sowie EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Flüchtlingsfrage beraten.

Italiens Migrations-Chef: Flüchtlings-Weiterreise kaum zu verhindern

Die Weiterreise von Bootsflüchtlingen aus Italien nach Nordeuropa ist nach Ansicht des Migrations-Chefs des Landes kaum zu unterbinden. “Es ist klar, dass trotz des Versuchs, diese Menschen hier zu halten, es schwierig ist zu verhindern, dass sie versuchen, Verwandte oder Freunde in anderen Ländern zu erreichen”, sagte der Präfekt Mario Morcone der Deutschen Presse-Agentur.Rom. “Wahrscheinlich ist es aus der Ferne schwierig, die Dimensionen einiger Probleme wahrzunehmen”, ergänzte Morcone. Er ist Verantwortlicher der Abteilung für Migration im italienischen Innenministerium in Rom ist.

“Spiel aus gegenseitigen Vorwürfen”

Ein “Spiel aus gegenseitigen Vorwürfen” bringe nichts, sagte Morcone mit Blick auf die Anschuldigungen einiger nordeuropäischer Länder, Italien registriere die ankommenden Flüchtlinge nicht ordnungsgemäß. Viele Migranten wollten nicht in Italien bleiben und wehrten sich daher gegen eine Registrierung. “Wenn unsere deutschen oder französischen Freunde kommen um zu sehen, wie schwierig es ist, den Fingerabdruck eines Eritreers zu nehmen, der nicht in Italien bleiben will, wären wir sehr zufrieden”, sagte Morcone.

(APA/DPA)

 

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