AA

„Weiter wie bisher“ eine „gefährliche Drohung“

Die Umweltaktivistin Hildegard Breiner pocht auf Besinnung durch und nach Corona: „Die Natur ist unsere Lebensgrundlage!“
Mehr zum Thema

1978 stimmten 85 % der Vorarlberger(Innen) gegen Zwentendorf, seither kämpft die heutige Vizepräsidentin des Naturschutzbundes Österreich, Hildegard Breiner, für globale Ökologisierung durch erneuerbare Energie ohne Atomkraft. „Auch 35 und zehn Jahre nach den dramatischen größten anzunehmenden ­Atomunfällen von Tschernobyl und Fukushima versucht die Atomlobby verbissen eine Renaissance. Mit grotesken Klimaargumenten will sie den Niedergang dieser gescheiterten Technik mit öffentlichen Subventionen umkehren und den auf bis zu einer Million Jahren – das sind rund 33.000 Generationen – strahlenden Atommüll kleinreden. Dazu kommen noch die skandalösen Laufzeitverlängerungen der Atomanlagen. Gut verheimlicht steckt dahinter aber immer der Zugang zur Atomwaffentechnik“, betont die 85-jährige Umweltaktivis­tin.

Kostenwahrheit

Nach wie vor würden die dramatischen Auswirkungen von Tschernobyl und Fukushima heruntergespielt. „Dennoch wurde zum Glück für uns alle der Atomausstieg in die Wege geleitet“, führt Breiner aus. „Nach ersten Berechnungen für 2020 stieg weltweit die Leis­tung der Solaranlagen um 100 Gigawatt, der Windkraftanlagen um 70 Gigawatt. Der Strom aus Atomkraftwerken ist trotz horrender Subventionen um ein Vielfaches teurer als der aus PV- und Windkraftanlagen! Für Europa war es das grünste Stromjahr aller Zeiten, erstmals übertraf die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien jene aus fossilen Brennstoffen. Erneuerbare hatten 2020 bereits einen Anteil von 38 % am europäischen Strommix, fossile dagegen 37 Prozent – nachzulesen in der Studie mit aktuellen Daten zu EU 27 www.ember-climate.org.“

Existenzielle Themen

„Schon vor der Pandemie, aber jetzt erst recht, werden die existenziellen Themen mit ihren Konsequenzen verdrängt“, warnt Breiner. „Wir müssen uns aber auf die ,Reparatur der Zukunft‘ einlassen, bevor es endgültig zu spät ist. Der ,Green Deal‘ der EU beispielsweise ist eine mutige strategische Vorgabe für die Mitgliedsländer. Dieser große Rahmen ist genau so wichtig wie der auf Bundesland-, ja Gemeindeebene. Es kommt auf jedes kleine Rädchen im großen Ganzen an.“ Wenn wir überleben wollen, sind wir laut Hildegard Breiner zu vorausschauendem Handeln geradezu gezwungen, denn es ist längst vielerorts bestätigte Praxis, dass „Klimaschutz geht“. Nach Corona „zurück zur früheren Normalität“ ist für Hildegard Breiner eine gefährliche „Drohung“, denn „weiter wie bisher“ kann und darf sich nicht mehr spielen. Die Lockdowns hätten gezeigt, dass nichts selbstverständlich ist. Und sie haben hoffentlich bewirkt, dass wir „fundamental neu denken“. „In jeder Etage brauchen wir die Weichenstellung für einen Systemwechsel – wie ihn die jungen Menschen von Fridays4Future verständlicherweise für ihre nahe Zukunft fordern“, schließt Hildegard Breiner.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Jetzt im Fokus 2
  • „Weiter wie bisher“ eine „gefährliche Drohung“
  • Kommentare
    Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.