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Weiter Differenzen zwischen China und Japan

China und Japan haben beim ersten Spitzentreffen seit Beginn der schweren diplomatische Krise ihre Differenzen nicht zur Gänze beseitigen, die Spannungen jedoch etwas abbauen können.

Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao mahnte nach dem Krisentreffen mit dem japanischen Regierungschef Junichiro Koizumi, Tokio müsse der Entschuldigung für seine Kriegsvergangenheit auch Taten folgen lassen. Erstmals seit drei Wochen wurden aus China keine neuen Demonstrationen gegen Japan gemeldet.

„Reue für den Aggressionskrieg sollte in Handeln umgesetzt werden“, sagte Hu nach dem Treffen in Jakarta. Er forderte ein Ende der kontroversen Besuche Koizumis des Tokioter Yasukuni-Schreins, wo neben Kriegstoten auch verurteilte Kriegsverbrecher geehrt werden. „Japan muss mit einigen bedeutenden Fragen angemessen umgehen, darunter ganz wichtig der Umgang mit der Geschichte, die Frage der Gebete am Yasukuni-Schrein und die Taiwanfrage“, sagte Präsident Hu laut amtlicher Nachrichtenagentur Xinhua.

Japans Regierungschef erklärte, ungeachtet der antijapanischen Stimmung in China und antichinesischer Empfindungen in Japan gebe es ein „allgemeines Verständnis, dass die Förderung freundschaftlicher Beziehungen von Vorteil ist“. In Kernfragen wie den Territorialansprüchen, der Erschließung von Energievorkommen in einem strittigen Seegebiet, der als verharmlosend kritisierten Darstellung von Kriegsverbrechen in Schulbüchern und künftiger Besuche Koizumis des Yasukuni-Schreins gab es aber keine Fortschritte.

Japans Premier stellte das 50-minütige Gespräch so dar, als habe der Yasukuni-Schrein keine große Rolle gespielt, da Präsident Hu „nicht jeden Punkt“ diskutieren wollte. Zu künftigen Pilgergängen sagte Koizumi vor Journalisten lediglich, er werde eine „angemessene Entscheidung“ treffen.

Präsident Hu warnte bei dem Treffen allerdings, Japan solle „niemals wieder etwas tun, was die Gefühle des chinesischen Volkes und der Völker in anderen Ländern Asiens verletzt“. Koizumi verzichtete darauf, die Forderung nach Entschuldigung für die teils gewalttätigen antijapanischen Proteste in China und Entschädigung zu wiederholen. Er forderte „angemessene Schritte“ und den Schutz japanischer Einrichtungen in China.

Nach langem Zögern hatte China dem Krisentreffen im Anschluss an den Asien-Afrika-Gipfel in der indonesischen Hauptstadt kurzfristig zugestimmt. Zuvor hatte UNO-Generalsekretär Kofi Annan in Jakarta mit Koizumi gesprochen und anschließend die Hoffnung geäußert, dass das Treffen „die Temperatur ein bisschen absenkt und die Beziehungen wieder auf den rechten Weg bringt“. Dem Gespräch war am Tag zuvor auf der Konferenz eine erneute Entschuldigung Koizumis für die Kriegsvergangenheit vorausgegangen.

Die Führung in Peking hatte ihrerseits den Willen zur Annäherung signalisiert, in dem sie die Chinesen vor neuen Protesten warnte. Ein großes Polizeiaufgebot sicherte am Wochenende die Straßen der chinesischen Hauptstadt. Zuvor hatte Peking schon indirekt eingeräumt, dass die Demonstrationen an den vergangenen Wochenenden außer Kontrolle geraten und von „Randalierern“ ausgenützt worden seien. Auch wurde diplomatischen Missionen eine Reparatur der Schäden angeboten.

Enttäuscht reagierte die japanische Presse auf das Treffen. Die einflussreiche Zeitung „Asahi Shimbun“ verglich die Gespräche mit einem Pflaster, das auf einen blutenden Schnitt gelegt wurde. Zwar sei der Blutfluss gestoppt, doch nässe die Wunde darunter weiter und laufe Gefahr, sich „in Zukunft noch zu verschlimmern“. Dagegen verteidigte Außenminister Nobutaka Machimura das Treffen gegen die Kritik: Bedeutsamer als eine Einigung in einzelnen Punkten sei die Botschaft gewesen, „dass die Freundschaft zwischen Japan und China nicht nur für beide Länder wichtig ist, sondern auch für Asien und die ganze Welt“, sagte er in einem TV-Interview.

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