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Weiss klar gegen Tiroler Isolation

Experte Weiss tritt klar gegen Tiroler Isolation auf
Experte Weiss tritt klar gegen Tiroler Isolation auf ©APA/Neubauer
Der Innsbrucker Infektiologe und Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin, Günter Weiss, hat sich klar gegen eine mögliche Isolation Tirols aufgrund der Ausbreitung der südafrikanischen Coronavirus-Variante ausgesprochen. "Wir sind nicht auf einer Insel, wo wir über so etwas reden könnten und wo es Sinn machen würde. Wir sind mitten auf einem Kontinent, auf dem diese Mutation auch schon in vielen Ländern aufgetaucht ist", sagte Weiss im APA-Interview.

Man werde nicht verhindern können, dass eine Mutation auch in andere Regionen gelange. Auch mit einer etwaigen Verlängerung des Lockdowns kann der renommierte Mediziner, der auch dem Beraterstab im Gesundheitsministerium angehört, nichts anfangen: "Das ist keine gute Idee". Die Maßnahmen bzw. Lockerungen, die die Bundesregierung diese Woche verkündet hatte, seien "sehr gut und sehr vernünftig" und sollten auch wie vorgesehen bundesweit gelten. Es gehe nun darum, die "Menschen wieder ins Boot zu holen".

Maßnahmen wie Isolation oder ein weiterer Lockdown würden hingegen die "Frustration" steigen lassen und dazu führen, dass viele Menschen sagen: "Wir kommen aus dem Schlamassel nie mehr heraus. 'Wir hauen den Hut drauf'". Die Mutationen seien eine "natürliche Konsequenz der Pandemie": "Je mehr Erkrankte weltweit, umso häufiger treten solche Mutationen auch auf. Und die verbreiten sich halt in gewissen Regionen". Man werde zur Erkenntnis kommen, dass eine Abschottung oder Quarantäne die Ausbreitung "vielleicht ein bisschen verlangsamen, aber sie nicht aufhalten kann". "Wir werden mit diesen Mutationen leben müssen", sagte Weiss. Die Virologin Dorothee von Laer hatte wegen der Südafrika-Mutante eine Isolation Tirols sowie eine Verlängerung des Lockdowns gefordert.

"Bei allen Kalkulationen und Modellen ist der 'Faktor Mensch' die Variable, die man wahrscheinlich am wenigsten berücksichtigt hat, die aber gleichzeitig die größte Rolle spielt", sprach sich Weiss für einen weiteren Schritt in Richtung Normalität aus - unter Einhaltung der ohnehin verstärkten Hygienevorschriften: "Nur wenn die Menschen mittun, wird eine Modellrechnung funktionieren". Es gehe nun in erster Linie darum, das "Infektionsmanagement, die Infektionsaufspürung und die Infektionsidentifizierung noch effizienter zu machen".

Es müsse nun die "Umsicht regieren" und es bestehe "kein Grund zu Panik und Kopflosigkeit", wenngleich das Auftauchen der britischen und südafrikanischen Mutanten eine "besorgniserregende Entwicklung" sei. In erster Linie gehe es darum, Verdachtsfälle schnell abzuklären und rasch in Quarantäne zu bringen. Hier merkte Weiss an, dass K1- und K2-Personen 50 Prozent der Neuinfektionen in Tirol ausmachen. Dies seien solche, die sich schon in Quarantäne befinden. "Das ist ein guter Wert", so der Infektiologe.

Deshalb mache es auch immer wieder Sinn, dass man diese PCR-Testungen auf Mutationen und die Teil-Sequenzierungen mache, um eine Einschätzung zu haben, weil sich die Viren auch immer etwas anders verhalten. Es gebe zwar Hinweise darauf, dass die südafrikanische Variante ansteckender sei, wobei es noch nicht so viele Daten wie bei der britischen Mutation gebe.

"Entscheidend ist auch ein niederschwelliger Zugang zur Testung. Es ist wichtig, dass man sich, wenn man Symptome hat, schnell testen lassen kann und schnell ein Ergebnis vorliegt", so der Mediziner. Darüber hinaus gelte es, die Risikogruppen noch stärker zu schützen - etwa durch nochmalige Verstärkung der Hygienekonzepte - neben der Einhaltung der allgemeinen Hygienemaßnahmen.

Und letztlich das eine Mittel, das die Pandemie beenden könne: die Impfung. Darauf müsse ein unbedingter Fokus gelegt werden. "Es ist sehr entmutigend und frustrierend, wie langsam das geht", spielte Weiss auf die offenbare Impfstoffknappheit in Kontinentaleuropa an - im Vergleich zu anderen Ländern wie etwa Israel, den USA und Großbritannien. Auch sprach sich der Experte für die Einsetzung des russischen Impfstoffes "Sputnik" aus: "Was Sinn macht ist, dass dieser Impfstoff bei der Europäischen Arzneimittelbehörde zur Zulassung eingereicht wird. Dort werden die Daten geprüft. Und wenn das passt, wird er zugelassen. Jeder Impfstoff, der zugelassen wird und effizient ist, ist eine Bereicherung".

(APA)

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