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Weil uns Musik zusammenführt

Schwarzach - Mit Rolf Aberer erhält ein großer Förderer der Musikszene den Dr.-Toni-Russ-Preis. Er gründete im Jahr 1976 das Jazzseminar Dornbirn.

Sei es eine Musicalproduktion, die zum Schulschluss zahlreiche Kinder, deren Eltern und die Lehrer zusammenschweißt, seien es Kinderlieder, sei es Mundartrock oder -pop oder die neue CD-Produktion einer Vorarlberger Band – fast immer findet man unter der Auflistung der Musiker, Arrangeure oder Berater den Namen Rolf Aberer.

1949 in Hohenems geboren, ist der Musiker, Komponist und Pädagoge zu einem entscheidenden Förderer der Vorarlberger Popularmusik- und Jazz-Szene geworden. Vertreter der Szene leisten ebenso ihren unverzichtbaren Beitrag zur kulturellen Identität Vorarlbergs und der Region wie die Musiker, die im klassischen Bereich oder in der Volksmusik tätig sind.

Institution aufgebaut

Im Jahr 1976 ist es Aberer mit der Gründung des Jazzseminars Dornbirn gelungen, der Ausbildung auf diesem Gebiet eine solide Basis zu geben. Einst als Zweimann-Betrieb mit Benny Gleeson geleitet, ist das Seminar inzwischen zu einer Institution mit rund 30 Lehrern und Lehrerinnen angewachsen, an der sich über 300 Schüler im Alter von fünf bis 65 Jahren aus- und weiterbilden.

Für sein berufliches und enormes außerberufliches Engagement haben die „VN“- Herausgeberfamilie sowie die „VN“-Redakteure und bisherige Russ-Preisträger beschlossen, Prof. Rolf Aberer den Dr.-Toni-Russ-Preis und -Ring zu verleihen. Der Festakt findet am 3. September im Bregenzer Festspielhaus statt.

Einander zuhören

Ein Bild mit dem Ortsschild der Gemeinde Hörersdorf in Niederösterreich klebt auf der Eingangstür zu seinem Unterrichtsraum im Jazzseminar in Dornbirn. Aberer schmunzelt. Künstler, die mit ihm arbeiten, erachten das Türschild für äußerst bezeichnend. Im Gespräch mit dem Musiker, der meist im Hintergrund einer Band steht, dort aber die für das funktionierende Zusammenspiel so wichtige Funktion des Bassisten einnimmt, erfährt man rasch, warum.

Als Pädagoge stellt er die Gehörbildung, die Schulung des Gehörs sowie den Aspekt des Zusammenspiels in den Mittelpunkt. Beides hat auch sehr positive Auswirkungen auf das soziale Verhalten von Kindern und Jugendlichen. Aberer: „Wenn junge Leute ihr Gehör schulen, hören sie auch besser aufeinander. Und finden zueinander.“

ZUR PERSON

Rolf Aberer
Beruf: Musiker, Pädagoge, Gründer u. Leiter des Jazzseminars Dornbirn, Professor am Landeskonservatorium
Geboren: 1949 in Hohenems
Ausbildung: Studium in Innsbruck und an der SwissJazz-School in Bern
Werke: zahlreiche Kinderlieder, Bühnenwerke, Arrangements, Chorwerke, Hörspielmusik etc.

VN-INTERVIEW: “Man braucht ein Fundament”

VN: Herr Aberer, im Jahr 1976 haben Sie gemeinsam mit Benny Gleeson das Jazzseminar Dornbirn gegründet. Als Zwei-Mann-Betrieb. Wie haben Sie sich in einer Zeit, in der Pop und Jazz eher nur bei der Jugend Konjunktur hatte, durchgesetzt?
Aberer: Schüler waren ja gleich da, obwohl wir nicht enthusiastisch begrüßt worden sind. Der Bigband-Club Dornbirn hatte versucht Workshops abzuhalten. Das war an sich schon der Anfang. Wilhelm Stärk, der Musikschuldirektor, war nicht gerade begeistert. Ab und zu hat er aber auch eine Rhythmusgruppe für seine Operettenproduktionen gebraucht. Da standen wir immer parat.

VN: Wie hat denn Ihre Laufbahn konkret begonnen?
Aberer: In einer Band auf der Skiwoche in Lech. Irgendwann habe ich mich dann mit Benny Gleeson und Reinhold Bilgeri getroffen. Wir haben in Innsbruck studiert, am Wochenende wurde Musik gemacht. Da habe ich viel gelernt.

VN: War Ihnen rasch klar, dass Sie die Musik zum Beruf machen wollen?
Aberer: Ich wollte Lehrer werden. Dass man für Rockmusik studiert, das war damals einfach nicht vorgesehen. Es ist für mich auch wichtig zu erwähnen, dass meine Eltern aber meine Entscheidung mitgetragen haben, dafür bin ich ihnen dankbar. Inzwischen hat sich das geändert. Dass man ein Fundament braucht, ist vielen klar.

VN: Gilt das heute generell? Viele junge Musiker gehen vermutlich auch davon aus, dass man einfachere Wege beschreiten kann als die über eine Schule?
Aberer: Das Handwerk ist eben schwer zu erlernen. Es ist unsere Aufgabe, Kindern klarzumachen, dass man es braucht. Nicht das automatische Keyboard.

VN: Der Zulauf am Jazzseminar Dornbirn dürfte dennoch groß sein. Sie unterrichten ja zudem alle Altersgruppen.
Aberer: Das ist auch an anderen Musikschulen der Fall. Die Gitarrelehrer kommen gar nicht mehr rundum. Popularmusik ist überall präsent. Die Leute hören sie überall. Und ich muss sagen, gerade die Sänger sind inzwischen um Klassen besser als früher.

VN: Am Jazzseminar werden etwa 300 bis 350 Schüler unterrichtet. Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Aberer: Eine Chancengleichheit. Jemand, der nicht aus Dornbirn kommt, zahlt praktisch das Doppelte. Es wäre einfacher und effizienter zu arbeiten, wenn es etwa diese Hürde bei der Besetzung von Workshops oder Ensembles nicht gäbe.

VN: Im Vorarlberger Musikschulwesen wurden erst in jüngster Zeit Strukturverbesserungen gestartet.
Aberer: Ich hoffe, dass sich dadurch auch einiges noch weiter verbessert.

VN: Sie wirken in sehr vielen Bands mit, haben Stücke arrangiert, junge Musiker beraten…
Aberer: Berater der jungen Musiker? Für mich gilt: Wenn jemand etwas braucht, dann hilft man eben einander.

VN: Inwieweit wird die Entwicklung junger Menschen durch Musik konkret gefördert?
Aberer: Das Spielen in einer Band fördert den Sozialisierungsprozess enorm. Jugendliche sind mitunter ziemliche Egoisten. Das geht in einer Band nicht.

VN: Das Thema Hören ist Ihnen besonders wichtig.
Aberer: Gehörbildung ist das wichtigste Fach. Manchmal ist es besser, man stellt sein Instrument zur Seite und schult sein Gehör.

VN: Was wünschen Sie sich für die Musiker?
Aberer: Mehr Auftritts- und Rundfunkaufnahmemöglichkeiten.

Interview: Christa Dietrich-Rudas

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