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"We are camera" am Landestheater

Mit „We are camera/jasonmaterial“ des mehrfach ausgezeichneten deutschen Dramatikers Fritz Kater hat das Vorarlberger Landestheater am Samstag die neue Spielsaison eröffnet.

Die rasante Inszenierung und die beeindruckende Leistung der jungen Schauspieler fanden großen Anklang beim Publikum.

„The past is a strange place“ steht zu Beginn und am Ende des Stücks in großen Lettern über dem Bühnenbild. Es könnte auch der Titel des Stücks sein. Der 41-jährige Theaterregisseur und künftige Leiter des Berliner Maxim-Gorki-Theaters, Armin Petras ist unter dem Pseudonym Fritz Kater seit Jahren ein erfolgreicher Dramatiker. In „We are camera/jasonmaterial“ (Uraufführung 2003, Hamburg), dem dritten und letzten Teil seiner Heimat-Trilogie, erzählt er in 25 kurzen Szenen wie in filmischen Rückblenden die Geschichte einer deutschen Familie, die in die Ost-West-Spionage verwickelt ist.

Der Vater arbeitet in der BRD an einem geheimen B-Waffen-Programm der Nato mit und ist nebenbei als DDR-Spion tätig, was seine Frau nicht weiß. Um der drohenden Enttarnung zu entgehen, fliegt er zu Silvester 1969 mit seiner Familie nach Finnland und eröffnet seiner Frau, in die DDR übersiedeln zu wollen. Die Flucht glückt, das Leben im fremden Land nicht. Der Vater säuft sich langsam tot, die Mutter lenkt sich ab, die Tochter will nicht erwachsen werden und der Sohn steht dem Zerfall der Familie hilflos gegenüber. Die detaillierte Schilderung der Ereignisse wird immer wieder unterbrochen durch Vor- und Rückblenden.

In der Bregenzer Inszenierung (Regie: Christian Schäfer, Bühnenbild: Hella Prokoph) bleibt das Bühnenbild während aller Szenen unverändert: Drei mit Teddy-Plüsch bezogene Diwane, Badewanne, Waschmaschine, Kloschüssel und Sitzsäcke symbolisieren eine Wohnung im Stil der 70er Jahre, die zu Beginn des Stücks mit Plastik verdeckt wie eine geheimnisvolle Landschaft wirkt und am Schluss – wieder verdeckt – wie ein Gefängnis. Die Veränderungen von Zeit und Raum vermitteln allein die Schauspieler. Der 28-jährige Michael Schiemer beeindruckt als „multiple Persönlichkeit“ John, der nicht nur Hotel-Rezeptionist, DDR-Spion und Liebhaber ist, sondern auch als gewandter Erzähler durch das Stück führt.

Die Rollen der beiden Kinder Mirco (Martin Rother) und Sonja (Jasmin Rischar), sind eher humoristisch angelegt, aber mit melancholischen Zwischentönen, die von den Darstellern eindrucksvoll zur Geltung gebracht werden. Große Wandlungsfähigkeit beweist Jasmin Rischar, wenn sie von der Rolle des Kindes in die des Teenagers oder der jungen Frau springt und wieder zurück. Wesentlich ernster sind die Figuren der Eltern gezeichnet. Trotz ihrer Jugend bewältigen Verena Ehrmann und Johannes Gabl die Rollen mit viel Einfühlungsvermögen. Insgesamt eine sehr homogene beeindruckende Leistung des jungen Ensembles.

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