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Was macht eigentlich Elisabeth Gehrer?

Schwarzach - Elisabeth und Fritz Gehrer schauen sehr erholt aus – so als ob sie gerade aus dem Urlaub gekommen wären. Der Schein trügt nicht. „Wir waren gerade mehrere Wochen in Neuseeland und haben dort meine Verwandten besucht“, so Elisabeth Gehrer zum „Sonntag“.

Letztes Jahr waren die Gehrers auch auf Reisen. Da sahen sie sich Zentralasien an. Ferne, exotische Länder üben eine Faszination auf sie aus. So war das Ehepaar unter anderem schon in Ecuador, in China, in der Mongolei, im Königreich Bhutan und in Peru.

Gehrer, die Souvenirjägerin

Wenn man sich im Wohnzimmer umsieht, sieht man, dass die längstgediente Unterrichtsministerin der Zweiten Republik eine Souvenirjägerin ist. „Diese Puppen stammen aus Peru. Sie sind aus Mumienstoffen gemacht. Und diese Öllampe ist aus Ecuador“, zeigt die Ex-Ministerin auf Reiseandenken, die im Glasschrank einen Platz gefunden haben. Dort stehen auch zahlreiche Gläser, Gläser in allen Variationen. „Alte Gläser gefallen mir. Ich sammle sie.“ Die Polit-Rentnerin greift in den Schrank: „Das ist ein Glashund. Der hat ein Ohr weg. Das macht ihn für mich einzigartig.“

Zum Reisen braucht es Zeit. Die hat Elisabeth Gehrer jetzt. Im Jänner 2007 schied sie nach mehr als 25 Jahren aus der Politik aus. Seither lebt sie ein beschauliches Leben, ein Leben fernab des Rampenlichtes.

Von Zwängen befreit

Nicht mehr im Blickpunkt der Öffentlichkeit zu stehen, empfindet die 65-Jährige als sehr angenehm. „Ich muss mich jetzt nicht mehr zu allem äußern, muss nicht mehr gescheit reden, in der ersten Reihe sitzen, intelligent dreinschauen und die Füße zusammenpressen“, ist Gehrer froh, dass sie von den Zwängen, die das Leben einer hochrangigen Politikerin mit sich bringt, befreit ist. Siebenundzwanzig ihrer Lebensjahre widmete die gelernte Volksschullehrerin der Politik. Rückblickend meint sie: „Es war eine sehr interessante und spannende Zeit, in der ich viele interessante Leute kennengelernt habe.“ Und: „Es ist gut gelaufen. Aber vielleicht hätte mir auch was anderes gefallen. Ich hätte genauso gut Schuldirektorin werden können.“ Angesprochen auf ihre Polit-Karriere meint sie: „So was ergibt sich. So was kann man nicht anstreben und planen. Man wird es, wenn man ja sagt und gefragt wird.“ 1980 wurde sie laut eigener Aussage zufällig Stadträtin, weil Josef Mennel – er feierte unlängst seinen 93. Geburtstag – zugunsten einer Frau auf sein Mandat verzichtete. „Er ist der Begründer meiner Karriere“, so Gehrer zum „Sonntag“.

„Hab immer was zu tun“

Nach 14-jähriger Familienpause suchte Gehrer damals wieder eine berufliche Herausforderung. „Ich überlegte gerade, ob ich wieder an die Schule gehen sollte. Da fragte mich der ÖVP-Obmann, ob ich bei der Stadtvertretungswahl mitmachen wolle.“ Das war der Beginn einer steilen Polit-Karriere, die ihren Höhepunkt 1995 erreichte, als Gehrer Unterrichtsministerin wurde. Aus diesem Amt schied sie nach elf Jahren, acht Monaten und acht Tagen. Über Nacht wurde sie zur Polit-Pensionärin. Auf die Frage, ob sie einen Pensionsschock erlitten hat, erwidert sie entrüstet: „Aber nein! Ich hab immer was zu tun.“ Schon der Umzug von ­Wien nach Bregenz sei mit wahnsinnig viel Arbeit verbunden gewesen. „Und dann bin ich in ein Haus gekommen, in dem elf Jahre nichts getan wurde. Als erstes habe ich eine neue Couch gekauft.“ Dann brachte Gehrer den Garten wieder in Schuss. Demnächst will sie den Dachboden ausbauen lassen. Auch als Pensionistin hat Gehrer nichts von ihrer Tatkraft eingebüßt. Sie ist so energiegeladen wie eh und je.

Gehrer, die stolze Oma

Ihre Prioritäten haben sich allerdings verschoben. Heute stehen bei ihr an erster Stelle die Familie und die Freunde. Familie: Das sind ihr Mann Fritz, ihre drei Söhne und Schwiegertöchter und ihre vier Enkel. Die hütet sie gerne. „Leider leben sie nicht in Bregenz, sondern in Wien und in Natters“, bedauert Gehrer, die sich selbst als „stolze Großmutter“ bezeichnet. Auch für Freunde hat die Bregenzerin jetzt wieder Zeit. „Ich frische Freundschaften auf, damit wir im Alter nicht alleine dahocken.“ Einmal wöchentlich lädt sie zum Kartenspiel und zum geselligen Beisammensein. Mit Sport vertreibt sich die Ex-Ministerin auch gern die Zeit. Zweimal wöchentlich geht sie ins Fitnesscenter, einmal wöchentlich turnen. Außerdem schwimmt und wandert sie gerne. „Manchmal gehe ich nach dem Frühstück auf den Pfänder.“

Feuerland lockt

Beziehungspflege und Sport sind das eine, ehrenamtliches Engagement das andere. Für die Albanien-Freundschaftshilfe, die sie einst als Landesrätin ins Leben gerufen hat, engagiert sich die 65-Jährige nach wie vor. Ich schaue, dass ich für den Verein Geld auftreiben kann.“ Letztes Jahr war sie in Albanien und stellte mit Zufriedenheit fest, dass mit dem Geld schon viel Sinnvolles auf die Beine gestellt werden konnte. „Ich hab 195 Sachen zu machen“, sagt sie mit Nachdruck. Auf keinen Fall soll der Eindruck entstehen, dass ihr als Rentnerin langweilig ist. Gehrer weiß sich zu beschäftigen. Zurzeit schreibt sie an einem persönlichen Reisebericht über Neuseeland. Dazwischen liest sie Bücher über Asien, die Seidenstraße und Feuerland. Dort will sie nächstes Jahr hin. „Das ist eine wilde Gegend.“ Ihren Mann Fritz konnte sie dafür anscheinend noch nicht begeistern. Denn er sagt, mit gespielter Mürrischkeit: „Dort ist es wahnsinnig heiß. Da fahren wir nicht hin.“ Fritz Gehrer ist froh, dass seine „Liesl“ wieder zuhause ist. „Sie war zwölf Jahre nicht da. Wenn man alleine lebt, ist es nicht das Ideale“, meint er und wirft einen vielsagenden Blick auf die Frau, mit der er seit 44 Jahren verheiratet ist. Die hat mit ihrem alten Leben aber noch nicht ganz abgeschlossen. Denn noch immer verfolgt sie das politische Geschehen mit großem Interesse. Sie fährt auch noch regelmäßig nach Wien, um sich mit Freunden aus der Polit-Zeit, wie etwa Wolfgang Schüssel und Wilhelm Molterer, zu treffen. Ihrer Meinung nach hats die jetzige Regierung schwer. „Denn es ist schwierig, sich immer auf einen Kompromiss einigen zu müssen.“ Ins Amt wünscht sie sich aber nicht mehr zurück. „Ich habe 27 Jahre politisch gearbeitet. Jetzt ist es Zeit, dass ich was anderes mache.“ Eines ist aber sicher. Ihre Memoiren wird sie nicht schreiben. „Die interessieren doch niemanden.“ Ihr Mann Fritz ist froh darüber. „Denn wer weiß, was über mich drinnen stehen würde“, sagt er mit Schalk in den Augen. Statt Memoiren schreiben will Gehrer Querflötenunterricht nehmen. „Bevor ich Ministerin wurde, habe ich Querflöte gespielt. Das gefiel mir.“ Wenn sie noch einmal auf die Welt kommen würde, würde sie übrigens nicht Politikerin, sondern Querflötenspielerin bei den Wiener Symphonikern werden wollen.

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