Page 1Page 1 CopyGroupGroupPage 1Combined ShapePage 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

"Was ist denn daran falsch?"

Reinhold Würth war 19 Jahre alt, als sein Vater plötzlich starb und er den elterlichen Betrieb weiterführen musste. Eine große Aufgabe für einen jungen Mann, der gerade die Lehre abgeschlossen hat. Er übernahm einen Schraubenhandel mit zwei Mitarbeitern, heute beschäftigt die Würth-Gruppe 77.000 Mitarbeiter, erwirtschaftet einen Jahresumsatz von über zwölf Milliarden Euro und ist Weltmarktführer im Handel mit Montage- und Befestigungsmaterial.
Mehr zum Thema

In der Würth-Gruppe sind heute 400 Gesellschaften in über 80 Ländern versammelt. Würth zählt auch in Vorarlberg zu den größten Arbeitgebern. Allein beim Höchster Beschlägehersteller Grass sind im Land über 1000 Mitarbeiter beschäftigt und es sollen noch mehr werden. Weniger Bekannt ist, dass der Vorarlberger Werkzeughändler Metzler GmbH & Co KGüber die Firma Hahn & Kolb ebenfalls Teil der Würth-Gruppe ist.

„Viel Unfug“

Die Unternehmerlegende hat eine klare Meinung zu Europa. „Wenn ich heute für Europa wählen könnte, kämen nur die Grünen oder die SPD in Frage“, so der Unternehmer, „das sind die einzigen, die uneingeschränkt für Europa sind.“ Sich selbst bezeichnet Würth als “linksliberal im Sinne der FAZ”. Er erinnert an die Kleinstaaterei in Deutschland und Europa und leitet zur Ausländerdebatte über, mit der derzeit viel Unfug getrieben werde. Sogar bei der Bayern-Wahl habe man die Wahlniederlage auf zugezogene Deutsche aus anderen Bundesländern geschoben. Innenminister Horst Seehofer wünscht er sich jedenfalls in den Ruhestand, die Koalitionsrangeleien in Deutschland bezeichnet er als Kindergartenspiele.

Respekt forderte Würth für die Gründerväter der EU ein, denn „es ist ja verrückt, dass wir so unzufriedene Bürger haben. Uns ist es noch nie so gut gegangen wie heute“. Die Unzufriedenheit sei deshalb da, „weil wir so schwache Leute an der politischen Spitze haben“, sagt er im Gespräch mit den VN. Überzeugen von Europa könne man die Leute nur übers Reden, „das ist halt mühevolle Kleinarbeit“. Die Unzufriedenheit der Bürger und die Machtspiele der Politik setzen Europa aufs Spiel. Die Machtblöcke USA, China und Russland „nagen an Europa, arbeiten an der Destabilisierung“, warnt er. „Und wir beschäftigen uns damit, ob wir in der Wirtschaft rauchen dürfen oder nicht.“

Euro-Finanzminister

Die Währungsunion nütze vor allem den Nordstaaten, die von der Schwäche der südlichen Währungen gut leben, entgegnet er Euro-Kritikern und geht einen Schritt weiter. Er betont, dass die Währungsunion besser funktioniere, wenn es eine politische Zuständigkeit gäbe. Er kann sich gut einen europäischen Finanzminister vorstellen. „Was ist denn daran falsch?“, fragt er und bezeichnet sich selbst auch zuerst als Europäer, dann als Hohenloher und dann als Österreicher.

„Schon ein Wert“

Er sei zum Wirtschaftsforum über Altenrhein eingeflogen und habe keinen Ausweis gebraucht. „Ist das nicht wunderbar“, erinnert er an Zeiten, als Grenzen den freien Personen- und Warenverkehr hemmten. Die nationalistischen Bestrebungen würden „die Chancen gefährden“. Und Würth begründet sein Engagement für Europa nicht nur wirtschaftlich: „Wir leben in Frieden und Freiheit. Wenn wir durch Europa von der Hybris des Nazismus verschont bleiben, dann ist das schon ein Wert.“

ZUR PERSON
REINHOLD WÜRTH
Unternehmer und Kunstsammler
GEBOREN 20. April 1935
AUSBILDUNG Oberrealschule, Lehre
LAUFBAHN Übernahme Schraubenhandel des Vaters, Ausbau zum internationalen Konzern
FAMILIE verheiratet, drei Kinder

UMFRAGE
Wie hat Ihnen der Vortrag gefallen?

  • Mir hat der Vortrag gut gefallen. Herr Würth war sehr authentisch und bodenständig. Viele junge Unternehmer könnten von seinen Ansichten lernen und profitieren. Oftmals fehlt die Wertschätzung in den Unternehmen. Elke Böhler, MSc, Otto Bischof Transporte GmbH
  • Es war sehr beeindruckend zu erleben, dass eine Unternehmerpersönlichkeit wie Herr Würth, mit über 80 Jahren, noch so aktiv und derartig eloquent auftritt. Er hat eine klare und positive Position zu Europa bekannt. Dr. Gerhard Hofer, Spiritworks Gerhard Hofer
  • Das war der beste Vortrag des Tages, vor allem weil Herr Würth sich auf seine Geschichte und Erfolge konzentriert hat. Von ihm kann man viel über den Umgang mit Mitarbeitern und den gegenseitigen Respekt lernen. Wolfgang Schneider, Volksbank Vorarlberg e. Gen.

Mehr zum Thema

Fill 1Created with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Jetzt im Fokus 7
  • "Was ist denn daran falsch?"
  • Kommentare
    Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.