Warten auf die Pension wäre mir zu langweilig

Harald Lohninger
Harald Lohninger ©Martin Gassner
Feldkirch. Ein ehemaliger Polizist aus dem Alpindienst und der Flugrettung hängt seine Verbeamtung an den Nagel und gründet eine Skischule am Arlberg. Zehn Jahre später erweitert er sein Angebot um bewaffneten und unbewaffneten Personenschutz.
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„Der Staatsdienst war für mich eine Sackgasse, in der ich nicht weiterkam. Irgendwann wartet man nur noch auf die Pensionierung und das wäre mir zu langweilig gewesen. Außerdem war der Polizeidienst überhaupt nicht Familienfreundlich“, erklärt Harald Lohninger, Vater dreier Kinder.

Alles begann im Jahr 2000. Lohninger verließ die Polizei und gründete seine Skischule „Arlberg Alpin“. Damals verfügte er über drei Bergführer als freie Mitarbeiter und spezialisierte sich auf die Nische Freeriding. „Ich bin dank verschiedener Konkurrenten und unzähliger Anzeigen in diese Nische gerutscht“, lacht Lohninger, „Etwas besseres hätte mir gar nicht passieren können“. Aktuell beschäftigt er rund 20 Bergführer mit staatlichem Examen und Schwerpunkt Gelände. „Wir haben ganz klein angefangen und uns ständig spezialisiert.“ Etwa 90 Prozent der Gäste sind Tiefschneefahrer, für die Lohninger auch eigene Techniken entwickelte, was bis zur Kreation eines eigenen Schwungs führte, dem so genannten „Rough Pow Turn“ – kurz RPD.

Bis zur Geburt des ersten Kindes im Jahr 2005 war Lohninger während der Wintersaisonen mit seinen Gästen im Gelände unterwegs und verbrachte die Sommer mit seiner Partnerin auf einem Segelschiff. Ab 2006 folgten immer wieder längere Aufenthalte auf Mallorca mit Segeln und Tauchen, um das Leben mit der Familie zu genießen.

„Eigentlich können die Bodyguards von Gästen aus Königshäusern oder sonstigen VIPs alle nicht Skifahren“, war der Gedanke, der ihm im Jahr 2010 durch den Kopf ging und die Idee zur Gründung von „Ski and Security“ lieferte. Nach 16 Jahren Polizeiarbeit war es für Lohninger kein Problem, die Konzession als „Berufsdetektiv, eingeschränkt auf Personenschutz“ zu erhalten und die Idee nahm Gestalt an. Jeder seiner Mitarbeiter muss staatlich geprüfter Bergführer sein und kann dann eine Zusatzausbildung zum Personenschützer machen.

Sein Ideenreichtum verhalf ihm auch schon in der kurzen Zeit des Bestehens seines Personenschutzangebotes zu Eigenentwicklungen. Beispielsweise spezielle Techniken zum Abseilen aus einem Sessellift oder ein selbst gestalteter Einsatzrucksack mit Waffe, Verbandsmaterial und Seilen, um mit Klienten aus jeder Situation entkommen zu können. Als Besonderheiten des Trainings mit seinen Mitarbeitern nennt er das scharfe Schießen beim Skifahren im Militärgelände in Hochfilzen oder Nahkampftechniken mit der Skiausrüstung. „Europaweit ist dies das einzige Angebot mit Skischulkonzession und Personenschutzkonzession in einem“, erklärt Lohninger stolz. „Sogar Profis sind erstaunt über die innovative Ausbildung und Ausrüstung.“

Die erste Saison ist nun erfolgreich angelaufen. Außer beispielsweise in St. Moritz, Kitzbühel und Ischgl ist Lohninger mit seinen Kunden Europaweit unterwegs. „Mein Hausberg ist und bleibt aber der Arlberg“, lacht er.

Speziell für Frauen und Mädchen ab 14 Jahren möchte Lohninger Kurse in „Krav Maga“, dem Nahkampfsystem der israelischen Streitkräfte anbieten. „Diese Techniken dienen der reinen Selbstverteidigung. Sie sind sehr wirksam, einen Angreifer zu entwaffnen und zu fixieren und für jeden leicht erlernbar“, erklärt er.

Angesichts der Berichterstattung um den Lawinenunfall des niederländischen Prinzen Johan Friso zeigt Lohninger sich verärgert: „Hier werden Hysterie und falsche Aussagen von Leuten verbreitet, die von Freeriding und Lawinen wirklich keine Ahnung haben“.

Weitere Informationen finden sich im Internet unter www.skiandsecurity.com beziehungsweise www.arlbergalpin.at.

Harald Lohninger
Geboren am: 13.10.1963
Familienstand: Verheiratet, drei Kinder
Vorlieben: Tiefschneefahren, Natur, meine Kinder
Motto: „Es gibt nichts, was man nicht erreichen kann. Träume sollten umgesetzt werden.“
Ein Tag ist perfekt wenn: „Die Kinder gesund und zufrieden sind und mich anlachen.“

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