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Wann hört das Unglück endlich auf?

Das Unglück verfolgt die Familie Troy aus Egg. Zuerst erlitt die ältere Tochter einen Hörsturz. Dann fiel der Fernseher auf die jüngere Tochter. Das größte Unglück stand ihnen aber da noch bevor. Der Vater erkrankte schwer: Gehirntumor!

Sonja und Jürgen gehen nie im Streit auseinander. „Denn es könnte ja das letzte Mal sein, dass wir uns lebend sehen“, so Sonja. Zugegeben, es gab Zeiten, da empfand es die zweifache Mutter als Selbstverständlichkeit, dass ihr Mann abends nach der Arbeit nach Hause kam. Aber diese Zeiten sind vorbei. Ein für allemal.

Seit sie weiß, dass in Jürgens Kopf ein Tumor wuchert, sieht sie das Leben mit anderen Augen. Auf einmal wurde ihr klar, wie kostbar das Leben ist. Und wie gefährdet es ist. Dass von einer Sekunde zur anderen alles anders bzw. aus sein kann.

Die Katastrophe kam über Nacht. „Ich hatte in der Nacht einen epileptischen Anfall“, erzählt Jürgen. Der Vater zweier kleiner Töchter ließ sich untersuchen. „Auf dem Röntgenbild sah man einen weißen Fleck im Kopf.“ Die Diagnose der Ärzte: Gehirntumor. Das war im August 2000. Es folgten Bestrahlungen, Chemotherapien und Operationen. „Der Tumor befindet sich aber an einer so gefährlichen Stelle, dass man nicht alles herausoperieren konnte“, so Jürgen.

Die Therapien schlugen nicht an, im Gegenteil: „Der alte Tumor wuchs. Und zwei neue Tumore kamen hinzu“, sagt Jürgen und blickt dabei seine Frau mit traurigen Augen an. Vor ein paar Monaten sagten die Ärzte zu dem Paar aus Egg: „Wenn ihr in den Urlaub geht, dann genießt ihn. Denn es könnte das letzte Mal gewesen sein.“

Nerven liegen blank

Jürgen verdrängt den Gedanken ans Sterben. „Dem Tod gebÑ ich keinen Platz in meinem Kopf.“ Seine Frau Sonja wundert sich, dass ihr Mann gut schlafen kann. „Denn ich bin stundenlang wach.“ Wenn sie sich im Bett wälzt, stellt sie sich vor, wie sie mit den Kindern alleine dasteht. Sonja: „Das macht mich kaputt.“ Ihre Nerven liegen blank. Trotzdem muss sie funktionieren. Der Mann und die Kinder brauchen sie. Die sind ja noch klein. Tochter Janine ist 8 Jahre alt, Tochter Angelina 6. Beide sind in ihrer Entwicklung zurück. Janine hatte als Zweijährige einen Hörsturz. „Erst nach eineinhalb Jahren entdeckten wir, dass sie nichts hört“, so ihre Mutter. Auch ihre jüngere Tochter wurde zum Sorgenkind. „Als sie zwei Jahre alt war, fiel der Fernseher auf sie. Das Kind trug einen solchen Schock davon, dass es zwei Jahre lang nichts mehr redete.“ Und dann wurde auch noch der Mann so schwer krank. Sonja fragt sich oft und oft: „Warum trifft es uns so?“ Und: „Wann hört es endlich auf, das Unglück?“

Vom Herrgott enttäuscht

Vom Herrgott ist Sonja enttäuscht. Denn „der hat noch nicht viel geholfen“. Trotzdem zündet sie jedes Mal eine Kerze an, wenn eine ihrer Töchter eine Schularbeit hat. Oder wenn sie mit ihrem Mann zur Chemotherapie nach Innsbruck fährt. Erst gestern brannte die Kerze. Innsbruck war angesagt. Ihrem Mann Jürgen geht es heute relativ gut, trotz der Chemotherapie, die hinter ihm liegt. Aber es gibt auch andere Tage, schlechtere. „Er hatte schon solche Kopfschmerzen, dass er sich umbringen wollte“, verrät Sonja im Beisein ihres Mannes. Jürgen traut sich heute kaum mehr in den Krankenstand zu gehen. Er hat Angst vor der Kündigung. Schon einmal wurde ihm gekündigt. Weil er zu lange im Krankenstand war.

Krank zur Arbeit

Der schwerkranke Bregenzerwälder quält sich Tag für Tag zur Arbeit. Denn der Hilfsarbeiter muss die Familie ernähren und das Haus erhalten. „Wir leben von der Familienbeihilfe“, erklärt Sonja. Dank ihr kommt man bis zum

Monatsende grad über die Runden. Die Mutter ist froh, dass sie Kinderkleidung geschenkt bekommt und sie nicht auch noch dafür Geld ausgeben muss. Die Lebensmittel sind schon teuer genug. Sonja: „Wie kaufen immer beim Lidl ein, weilÑs da viel billiger ist.“ Wenn Sonja bei der Millionenshow viel Geld gewinnen würde, „würde ich für 100 Euro beim Lidl einkaufen gehen“. Außerdem würde sie den Kindern ein Stockbett kaufen und ihrem Mann neue Kleidung. Und sich selbst ein Rätselheft. „Wenn ich Zeit habe, rätsle ich am liebsten.“

Die Realität schaut aber anders aus. Sonja: „Wir sind nicht einmal in der Lage, den Kindern Geschenke zu kaufen.“ Trotzdem stehen die Chancen gut, dass Janine ihr Tierarztköfferchen und Angelina eine Puppe mit Wiege vom Christkind bekommen. Denn die Großeltern dürften einspringen. Papa Jürgen wünscht sich vom Christkind, „dass ich auf die Hochzeiten meiner Töchter gehen kann“. Spricht’s und blickt seine kleinen Töchter innig an.

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