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VW-Affäre reicht nun schon bis Indien

Nach dem Rücktrittsangebot von VW-Personalchef Peter Hartz im Zuge der Affäre um Schmiergelder und Luxusreisen hält die Krise beim deutschen Autokonzern an - Affäre reicht inzwischen bis Indien.

„Wir müssen erkennen, dass wir massive Probleme haben, die wir sofort anpacken müssen“, sagte der neue VW-Marken-Chef Wolfgang Bernhard dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Seine Aufgabe, die Kosten des Autobauers drastisch zu senken, sei jetzt eher noch schwieriger geworden. Die Korruptionsaffäre zieht inzwischen Kreise bis nach Indien. IG Metall-Chef und VW-Aufsichtsrat Jürgen Peters will unterdessen eine schnelle Nachfolgelösung für Hartz.

Das ARD-Hörfunkstudio Südasien berichtete am Samstag von „konkreten Belegen für Bestechung oder Untreue“ im Zusammenhang mit dem geplanten Bau einer VW-Fabrik im südindischen Bundesstaat Andhra Pradesh. VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder hat die Indien-Pläne im Zuge der VW-Affäre bereits auf Eis gelegt.

Die Regierung des Bundesstaates teilte der ARD mit, dass sie auf Anforderung des früheren Skoda-Personalchefs Helmuth Schuster zwei Millionen Euro überwiesen habe. Die Gelder seien an eine Firma namens Vashishta Wahan geflossen. Ein VW-Sprecher in Wolfsburg sagte dazu, VW sei an einer Firma diesen Namens nicht beteiligt.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen Schuster und dessen früheren Mitarbeiter Klaus-Joachim Gebauer, der in der VW-Personalabteilung für die Beziehungen zum Betriebsrat zuständig war, wegen Betrugs und Untreue. Beide sollen Gelder, die eigentlich VW oder der tschechischen Tochter Skoda zustanden, über ein Geflecht von Tarnfirmen auf eigene Konten umgeleitet haben. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft schloss am Samstag nicht aus, dass die Ermittlungen auf andere Personen ausgedehnt werden.

Konzernchef Bernd Pischetsrieder sagte der „Bild“-Zeitung (Samstag), möglicherweise seien Spesengelder nicht korrekt abgerechnet worden. Der Schaden könne im sechsstelligen Bereich liegen. Er versprach, „alle Vorgänge lückenlos aufzuklären und jeden, der dem Unternehmen geschadet hat, zur Rechenschaft zu ziehen.“ Als „absurd“ wies Pischetsrieder den Vorwurf zurück, der Vorstand habe den Betriebsrat mit „Lustreisen“ bestochen.

Hartz steht nach derzeitiger Faktenlage mit der eigentlichen Schmiergeld-Affäre nicht in Verbindung. Der 63-Jährige hatte dem Aufsichtsrat am Freitag seinen Rücktritt angeboten, weil er „die politische Verantwortung für die Unregelmäßigkeiten“ einzelner Mitarbeiter übernehme. Er war wegen seiner außergewöhnlich engen Zusammenarbeit mit dem Konzernbetriebsrat massiv in der Kritik geraten. Dabei ging es auch um angeblich nicht kontrollierte Reiseetats der Arbeitnehmervertretung. Medienberichte über Lustreisen und Prostituierte, die aus dem Etat des Betriebsrats finanziert worden sein sollen, hatte Hartz vehement zurückgewiesen.

Peters dringt auf eine rasche Lösung im Falle Hartz und eines Nachfolgers. „Das Präsidium des Aufsichtsrates wird sich die nächsten Tage treffen und dann schnell eine außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrates einberufen“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Der langjährige Betriebsratschef Klaus Volkert, der im Zusammenhang mit den Korruptionsvorwürfen gegen Schuster vor gut einer Woche zurückgetreten war, werde auch sein Mandat im Aufsichtsrat abgeben.

Derweil sieht der Leiter der Bamberger Forschungsstelle Automobilwirtschaft, Wolfgang Meinig, VW als potenziellen Übernahmekandidaten. VW werde es in zehn Jahren in seiner heutigen Form womöglich nicht mehr geben, sagte er der dpa. Auch das VW-Gesetz könne eine Übernahme nicht verhindern.

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