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VW-Affäre: Kampf um Einfluss und Macht

Es geht um Macht und Einfluss, alte Traditionen und neue Herausforderungen. Bei Europas größtem Autobauer Volkswagen läuft ein Wirtschaftskrimi, dessen Ende völlig offen ist.

Seit Tagen gibt es immer neue Verdächtigungen. VW-Chef Bernd Pischetsrieder will jetzt nur noch eins: Rückhaltlose Aufklärung und reinen Tisch machen. Ob in der Schmiergeldaffäre um Ex-Skoda-Personalchef Helmuth Schuster noch weitere Köpfe fallen, ist ungewiss.

In der VW-Zentrale in Wolfsburg wälzen Fachleute der internen Revision und externe Wirtschaftsprüfer die Aktenordner, um Licht ins Dunkel zu bringen. Auch VW-Personalvorstand Peter Hartz geriet im Sog der Korruptionsaffäre in die Schusslinie.

So schwer sind die Vorwürfe gegen den VW-Vorstand, dass Hartz am Dienstagabend sein Schweigen erstmals seit den Anti-Hartz-Demos im vergangenen Sommer gebrochen hat. Die Vermutung, dass die Unternehmensspitze Betriebsräte gekauft haben solle, sei „absurd“, sagt er. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte von teuren Lustreisen und Prostituierten berichtet, die der Vorstand finanziert habe, und Hartz als Personalchef mittelbar damit in Verbindung gebracht.

Auslöser der Affäre war der Verdacht gegen Schuster, der schließlich zu Ermittlungen wegen Betrug und Untreue geführt hat. In Branchenkreisen heißt es, es gehe jetzt auch um einen Machtkampf. Ein 42-jähriger VW-Arbeiter räsoniert: „Wenn Hartz auch noch weg ist, dann kann (Wolfgang) Bernhard als Chef-Sanierer alles machen, was er will.“

Der neue VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard ist mit dem erklärten Willen angetreten, alles auf den Prüfstand zu stellen, den Sparkurs zu verschärfen, die Produktion billiger und die Qualität besser zu machen. Der bisherige, von Kritikern als „Filz“ beklagte Kurs, die Vermeidung von Konflikten und ein enger Zusammenhalt von Betriebsrat und Unternehmensspitze, ist der von Bernhard und Pischetsrieder angestrebten Offensive eher hinderlich. Nach Ansicht von Branchenexperten auf dem Frankfurter Parkett würde eine Schwächung der Betriebsräte dem Management sicher nützen.

Mit dem Rücktritt des langjährigen einflussreichen Betriebsratsvorsitzenden Klaus Volkert, dem Partner von Hartz bei der Entwicklung vieler innovativer Tarifmodelle, ist eine Säule im „System VW“ in der vorigen Woche bereits gefallen. Volkert gestand ein, dass er sich auf Drängen Schusters an einem jetzt umstrittenen Firmen-Projekt beteiligt habe. In seine Tasche sei aber kein Geld geflossen, versichert er über seinen Anwalt. Schuster soll Firmengelder auf Privatkonten umgeleitet haben. Volkert ist bestürzt und spricht von „infamer Verleumdung“.

Sein Nachfolger Bernd Osterloh sieht in der Debatte jedoch noch andere Interessen am Werk: Es gebe Kräfte, die versuchten, die Arbeitnehmervertretung zu schwächen, weil ihnen die Stärke von Betriebsrat und IG Metall bei VW schon lange ein Dorn im Auge sei. Auch die CDU/FDP-Koalition in Hannover unter Regierungschef Christian Wulff (CDU) sieht die gute Kooperation bei VW mit dem mächtigen Arbeitsdirektor und SPD-Mitglied Hartz bekanntermaßen mit Argwohn. Die Landesregierung ist dem Konzern seit jeher durch das VW-Gesetz eng verbunden ist. Es sichert ihr eine Sperrminorität beim größten Arbeitgeber des Landes.

Niedersachsens SPD-Landeschef Wolfgang Jüttner warf Wulff jetzt vor, die Affäre bei VW für eigene politische Interessen auszunutzen. „Peter Hartz als Opfer vor dem Bundestagswahltermin, das wäre doch eine grandiose Nummer, wenn Wulff die abliefern könnte“, sagte Jüttner am Mittwoch. Es sei klar, dass es ein politisches Interesse gebe, Personen wie Hartz zu diskreditieren. Die VW-Affäre sei eine „Geschichte aus der Abteilung politischer Supergau“.

Nach übereinstimmender Meinung vieler Experten schadet sie sowohl dem Unternehmen wie dem Ansehen der Gewerkschaft. Schon kurz nach Volkerts Rücktritt erinnerten Kommentatoren an den einstigen IG-Metall-Chef Franz Steinkühler. Der war 1993 als Mitglied des Daimler-Aufsichtsrates über Geschäfte mit Mercedes-Aktien gestolpert und hatte Beschädigte auf allen Seiten hinterlassen. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der FH Gelsenkirchen nannte den Schaden für VW schon jetzt unermesslich. Nach seiner Meinung sei Hartz mittelfristig nicht zu halten. Ob mit oder ohne Hartz – bei VW dürfte das Ende einer Ära gekommen sein.

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