Vorarlbergs Lehrer sind unzufrieden

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Dornbirn - Die überwiegende Mehrheit der LehrerInnen ist mit der Situation an den Vorarlberger Pflichtschulen höchst unzufrieden.

Das ist das ernüchternde Ergebnis einer von der sozialdemokratischen Fraktion in der PflichtschullehrerInnen-Gewerkschaft initiierten Umfrage, an welcher 1200 Vorarlberger PädagogInnen teilgenommen haben. “Die Politik darf sich der schwierigen Situation an den Schulen nicht weiter verschließen und ist dringend gefordert, die Arbeitsbedingungen zu verbessern”, betont Vorsitzender Werner Nesensohn. Zur Entlastung der LehrerInnen fordert er ein sofortiges Ende des “Lehrerbashings” durch Politiker, außerschulische Unterstützung bei Erziehungsaufgaben sowie die Einführung einer “echten” Gesamtschule.

Erstmals wurden die Vorarlberger PflichtschullehrerInnen landesweit zu Themen wie Berufsakzeptanz, Arbeitsbelastungen, Schulentwicklung und Gesamtschule befragt. Die Meinungserhebung erfolgte mittels Fragebogen. “Die ungewöhnlich hohe Rücklaufquote von 1172 LehrerInnen verleiht der Umfrage eine hohe Aussagekraft”, betont die stellvertretende Vorsitzende der PflichtschullehrerInnengewerkschaft GÖD-FSG, Angelika Baur.

Steigende Frustration

“Die schwierigen Arbeitsbedingungen an den Schulen werden für immer mehr LehrerInnen zu einer großen Belastung”, fasst Werner Nesensohn das Ergebnis der Befragung zusammen. Beklagt werden vor allem die massive Zunahme der Probleme mit verhaltensauffälligen SchülerInnen sowie das Desinteresse vieler Eltern am Schulleben und an der Erziehung der Kinder. Besonders beängstigend ist für Nesensohn zudem die Tatsache, “dass sich die oft ernüchternde Schulwirklichkeit für den Großteil der LehrerInnen nicht mehr mit ihren Idealvorstellungen deckt”.

Wenig Hilfe erhoffen sich die Vorarlberger LehrerInnen von der Politik. “21% der Befragten waren der Meinung, dass keine Partei die Interessen der LehrerInnen vertritt. Über die Hälfte der PädagogInnen äußerte zudem erhebliche Vorbehalte gegenüber der Schulverwaltung”, betont Nesensohn.

Erfahrungsaustausch als Stütze

Entlastend und als große Stütze erleben die LehrerInnen hingegen die gemeinsame Arbeit und den Erfahrungsaustausch mit den KollegeInnen sowie ein gutes Schulklima. „Auch den SchulleiterInnen kommt eine zentrale Bedeutung zu, sofern sie verständnisvoll, kompetent und unterstützend agieren“, sagt Angelika Baur. Als bereichernd empfunden werden zudem die Arbeit mit den Kindern sowie positive Rückmeldungen von Seiten der Eltern, SchülerInnen, KollegInnen und Vorgesetzten.

Kritik an Vorarlberger Mittelschule

Auffallend skeptisch stehen die LehrerInnen der Vorarlberger Mittelschule gegenüber. Sie wird überwiegend für eine bloße Namensänderung gehalten, die in Summe keine wesentliche Verbesserung bringe. “Die LehrerInnen haben das Gefühl, dass vieles unausgegoren ist und das Land in Wirklichkeit die Einführung einer echten Gesamtschule verhindern will”, kritisiert der stellvertretende Vorsitzende der PflichtschullehrerInnengewerkschaft GÖD-FSG, Gerhard Unterkofler. Dies sei bedauerlich, da sich immerhin 70% der LehrerInnen für eine gemeinsame Schule aller 6 bis 14jährigen aussprechen würden.

Überraschend hoch ist für Unterkofler mit 47% auch der Anteil jener PädagogInnen, die sich für eine Ganztagsschule aussprechen. “Immerhin 76% wären gar bereit, in einer derartigen zu unterrichten, ein entsprechendes Angebot an Räumlichkeiten und Arbeitsplätzen für SchülerInnen und LehrerInnen natürlich vorausgesetzt”, so Unterkofler.

Bessere Arbeitsbedingungen gefordert

“Die Bedürfnisse der LehrerInnen müssen berücksichtigt und ihre Vorschläge zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen an den Pflichtschulen rasch umgesetzt werden”, fordert Werner Nesensohn. Dies sei nicht nur im Interesse der PädagogInnen, sondern auch der SchülerInnen und Eltern.

Konkret gefordert wird

  • eine Unterstützung durch außerschulische Fachkräfte bei den zunehmenden Erziehungsaufgaben,
  • eine verstärkte Einbindung der Eltern in die schulische Arbeit,

  • die Bereitstellung von zusätzlichen Mitteln zur ganztägigen Betreuung von stark verhaltensauffälligen Schülern,

  • ein Ende der endlosen Schulversuche (Vorarlberger Mittelschule) und die Einführung einer Gesamtschule,

  • die Umsetzung der Ganztagesschule,

  • ein sofortiges Ende des „Lehrerbashings“ durch Politiker verschiedener Couleur und die Verbesserung des Berufsbildes durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit,

  • ein größeres Stundenkontingent für soziale Brennpunktschulen,

  • die universitäre Ausbildung für alle PädagogInnen.

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