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Vorarlberger Spielplätze im Wandel

VOL.AT/Sascha Schmidt
VOL.AT/Sascha Schmidt
Schwarzach - Im Vorarlberger Landtag wurde 2009 ein für die Gemeinden gesetzlich verpflichtendes Spielraumkonzept beschlossen. Seither hat sich, was die Errichtung und Erhaltung sowie Umgestaltung von Spielplätzen angeht, einiges getan.
Spielräume in Frastanz, Hohenems und Hard

In 17 der 96 Gemeinden Vorarlbergs wurde seitdem schon ein Spielraumkonzept entsprechend den Vorgaben des Spielraumgesetzes beschlossen, in 21 weiteren Gemeinden ist derzeit die konkrete Ausarbeitung eines solchen Konzepts im Gange. Daneben wurden schon zahlreiche neue und vielfältige Spielplatzkonzepte umgesetzt. Diese werden von den wohl geeignetsten Fachpersonen auf Herz und Nieren geprüft – nämlich den Kindern.

Weg von Spielgeräten hin zur Natur

Neben den klassischen Spielplätzen, die erhalten und teilweise umgestaltet werden, setzt man auch verstärkt auf Spiel- und Bewegungsräume für Kinder in der freien Natur. Beispielsweise an leicht zugänglichen Uferabschnitten, an Bächen und Seen oder auf Spiel- und Lagerwiesen. „Es gibt kaum mehr traditionelle Spielgeräte. Die Kinder freuen sich auch, wenn sie Sand, Wasser und Steine haben. Der Trend geht weg von übermöblierten und hin zu naturgestalteten Plätzen“, weiß Barbara Bohle, Expertin für Spielräume des IfS.

Hier lautet die Devise: Kinder brauchen Räume, in denen sie viel Anreiz zur Bewegung finden. Sie benötigen Natur und vor allem soziale Kontakte zu Gleichaltrigen. In der heutigen Gesellschaft werden die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen beengter, reglementierter und damit ärmer an vielfältigen Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten. Umso wichtiger sind attraktive Spiel- und Freiräume in Wohnungsnähe, in denen Kinder und Jugendliche ihre Fähigkeiten entwickeln und selbstbestimmt Natur, Gemeinschaft und Abenteuer, aber auch natürliche Grenzen erleben können.

Gibt es den perfekten Spielplatz?

„Für mich ist der perfekte Spielplatz der, bei dem alle Nutzer befragt bzw. beteiligt worden sind und ihre Bedürfnisse einbringen konnten, die dann auch in der Planung und Umsetzung berücksichtigt worden sind“, erklärt Bohle. Dann hat man schlussendlich genau das, was die verschiedenen Gruppen vor Ort auch wirklich brauchen.

Es müsse ein Platz nicht alle Stücke spielen können. Wichtig sei es einfach, auf die Bedürfnisse der Zielgruppe einzugehen und dementsprechend auch den Spielplatz zu gestalten. „Dann glaube ich, haben wir einen perfekten Spielplatz“, erklärt Barbara Bohle.

Sicherheit hat Grenzen

Im Allgemeinen gilt: Spielplätze sollten sich abseits vom Straßenverkehr befinden, gut zugänglich und sicher für die Kinder sein. Das Thema Sicherheit ist immer ein ganz wichtiges Thema. Kinder sollten nicht einfach vom Spielplatz auf die Straße rennen können, weshalb immer eine Barriere vorhanden sein sollte. Doch Kinder sollten auch Unfälle haben dürfen. Denn Fallen lernt man nur durchs Fallen. Wir müssen uns auch klar darüber sein, dass es nicht die absolute Sicherheit gibt und das Kinder auch ihre Grenzen austesten müssen. Spielplätze sollten auch so gestaltet sein, dass man auch mal Schrammen oder einen gebrochene Arm in Kauf nehmen muss.

VOL.AT hat den Trend – weg von den klassischen Spielgeräten hin zur Natur- und Erlebniserfahrung – zum Anlass genommen drei sehr unterschiedliche und neue Spielräume mit IfS-Expertin Barbara Bohle zu besuchen.

Generationenpark Frastanz

„Der Generationenpark bietet attraktive Angebote für die ganz Kleinen aber es gibt auch Angebote für Kinder bis zu zehn Jahren und für Senioren. Zudem ist der Platz auch behindertengerecht eingerichtet und man kann mit dem Rollstuhl oder mit einem Kinderwagen sehr gut zufahren“, erklärt Bohle.

Die Grundidee für die Belebung des Gemeindeparks war die Errichtung eines Generationen‐ und Kulturenparks, einen Ort der Begegnung, bei dem Kinder und Jugendliche im Mittelpunkt stehen. So wurde speziell diese Zielgruppe in die Parkgestaltung miteinbezogen. Grundelement des Parks ist der großzügige Bachlauf, der viele Spielmöglichkeiten für Kinder verschiedener Altersgruppen bietet.

Zum Bewegungsangebot gehören Schaukel, Balancierdrehteller, Baumstämme und eine Seilbahnrutsche. „Die Hängematten und Korbschaukeln werden aber auch gerne von Jugendlichen und Erwachsenen genutzt“, weiß Bohle.

Der Sand‐Wasserbereich wird durch den alten Baumbestand beschattet und bietet für Kleinkinder einen idealen Aufenthaltsort. Bänke und Tische sind gleich in der Nähe, sodass Begleitpersonen und Eltern die Kinder im Auge behalten können und gleichzeitig einen Ort der Begegnung und Kommunikation vorfinden.

Volksschule Markt in Hohenems

„Das ganz besondere hier ist, dass es ein öffentlich zugänglicher Schulhof ist, was sehr selten im Land zu finden ist“, freut sich die Spielraumexpertin. An der Westseite der Schule wurde ein Spielhügel mit Wasser und einem Labyrinth errichtet. Bemalte Baumstämme und Holzbalken zum Turnen und Balancieren sind attraktive Angebote für Bewegung oder als Treffpunkte. Mit viel Engagement des Direktors und der Eltern wurden gemeinsam 400 Hainbuchen gepflanzt, um den Hof nach außen hin abzuschirmen. Eine große asphaltierte Freifläche bietet Raum für Kreidemalereien, für Bewegung mit Rädern oder für Skater. Spielfeldmarkierungen laden zu diversen Ballspielen ein.

„Großartig finde ich auch das Freiluft-Klassenzimmer, das heißt, es können auch Unterrichtsstunden draußen im Freien stattfinden“, meint Bohle. Die innerstädtische Wegverbindung bzw. die Mischung aus Spielplatz und Hof ergeben einen attraktiven Aufenthaltsraum für alle Generationen und sind ein gelungenes Beispiel für die Öffnung der Schulhöfe.

Naturspielraum in Hard

Der Spielplatz ins Hard sieht auf den ersten Blick nicht wie ein Spielplatz aus, da man hier nach erstem Hinschauen keine Spielgeräte vorfindet. Deswegen werden verschiedenste Spielplätze auch Spielfreiräume genannt. „Das besondere hier ist, dass der Bach renaturiert worden ist und somit leicht für die Kinder zugänglich ist“, erklärt Bohle. Beim Sägenplatz in Hard, nahe der Hauptschule, finden die Kinder einen Platz vor, wo sie mit Wasser, Steinen und der Natur spielen können. Zudem wurde hier eine Wiese, ein sogenanntes “grünes Auge” angelegt, der auch Platz für Spiel und Bewegung bietet. „Wir brauchen keine Möblierung, Schaukeln oder Rutschen, es ist einfach ein schöner Ort, an dem Kinder sich gut austoben und ihrer Fantasie freien Lauf lassen können“, meint Barbara Bohle abschließend.

Spielplatzrundgang im Ländle

Was macht den perfekten Spielplatz aus?

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