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Vorarlberger Pensionisten ausgezehrt

Auch in Vorarlberg leben viele Pensionisten in prekären Verhältnissen. Die Durchschnittspension reicht kaum zum Leben, die Kaufkraft sinkt - vielen älteren Personen droht deswegen das Abrutschen in die Armut.  

Der durchschnittliche Pensionist in Vorarlberg bekommt monatlich 1.147,20 Euro – und zwar brutto, rechnet die Pensionsversicherungsanstalt vor. Das sind war gute drei Prozent mehr als noch im Vorjahr – genug zum Leben ist es aber kaum.

753 Euro zum Leben

Deswegen landen immer mehr Pensionisten in der Schuldenberatung – etwa bei Peter Kopf vom IfS. Allein von 2010 bis 2011 sei die Anzahl der über 60-jährigen Klienten von 139 auf 169 angestiegen. Kopf führt das vor allem auf zwei Faktoren zurück: Diejenigen, die ihr Leben lang durchschnittlich bis gut verdient hätten, kämen mit dem eklatanten Einkommenseinbruch, den die Pensionierung zur Folge habe, nur schwer zurecht. Die anderen, die ohnehin immer wenig zum Leben hatten, würden in der Pension auf das absolute Minimum reduziert. Gerade einmal 814,82 Euro brutto macht der Ausgleichszulagenrichtsatz derzeit aus – also jenes Mindesteinkommen, das jedem Pensionisten von Rechts wegen zusteht. Abzüglich Abgaben bleiben nur mehr knappe 753 Euro – was weit unter der Armutsgrenze von 1.000 Euro im Monat liegt. Und Lichtjahre entfernt ist von den 1269 Euro, die eine Person monatlich braucht, um ein „menschenwürdiges Leben“ leben zu können.

Kaufkraft sinkt

Erich de Gaspari vom SPÖ-nahen Pensionistenverband Österreich übt deswegen massive Kritik. Die Kaufkraft der Pensionisten sei in den letzten zehn Jahren um 21 Prozent gesunken. Das habe dazu geführt, dass mittlerweile rund 20 Prozent der Vorarlberger Pensionisten armutsgefährdet sind – wie eine Umfrage seiner unter 534 Personen kürzlich ergeben hat. Deswegen fordert er einerseits einen niedrigeren Einstiegssteuersatz von 20,22 Prozent – anstatt der geltenden 36,5 Prozent. Andererseits solle die Pensionsautomatik wieder in Kraft treten. Diese hatte in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass die Pensionen automatisch der Teuerung angepasst wurden – und nicht in geringerem Ausmaß steigen als die vorherrschende Inflation. Genau das ist aber gegenwärtig der Fall: Die 1,8 Prozent Pensionsanpassung, die Sozialminister Hundstorfer für den 1. Jänner 2013 in Aussicht stellt, liegen deutlich unter der Inflation von derzeit 2,7 Prozent. Auf Grund der Wirtschaftskrise habe man geringeren Pensionserhöhungen in den Jahren 2013 und 2014 zugestimmt. Um die Kaufkraft der Pensionisten nicht vollends zu ruinieren, sei eine Erhöhung spätestens danach ein Muss, so de Gaspari.

„Nach unten abgesichert“

Gottfried Feurstein vom ÖVP-nahen Seniorenbund sieht vor allem bei Ausgleichszulagen ein Problem. Diese müssten dringend angehoben werden. Und zwar in einem Maße, das die Inflationsrate übersteigt. Auch die übrigen Pensionen müssten wieder wachsen, um mit der Geldwertung Schritt halten zu können. Generell gelte aber, dass die Situation der rund zwei Millionen Empfänger gesetzlicher Pensionen “in Ordnung sei”. Zwar gebe es „Pensionisten, die arm sind“ – Altersarmut sei aber kein Massenphänomen. Denn ältere Menschen in Österreich und Vorarlberg seien „nach unten abgesichert“ – auch wenn die Pensionen sicherlich nicht hoch seien.

Wichtig sind ihm hingegen zwei andere “Baustellen”: Einerseits die Aufstockung des Pflegegeldes. Durch die letzte Reform hätten nämlich rund 400 Personen in Vorarlberg ihren Anspruch auf Pflegegeld verloren. Deswegen sei eine Reform der Reform unabdingbar. Andererseits gelte es, endlich auch über die “anderen” Pensionen zu diskutieren. Denn die relativ kleine Gruppe der Landes- und Bundesbeamten koste den Steuerzahler jährlich genauso viel wie alle übrigen Pensionisten. (MST)

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