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Vorarlberg: Zahlreiche Baustellen bei Turnusärzteausbildung

Zahlreichr baustellen gibt es hierzulande bei der Turnusärzteausbildung.
Zahlreichr baustellen gibt es hierzulande bei der Turnusärzteausbildung. ©Symboldbild/bilderbox.de
Die Turnusärztebefragung 2013 ergibt ein gemischtes Bild: Während sich die Turnusärzteausbildung im Großen und Ganzen verbessert hat, sind nach wie vor zahlreiche kritische Bereiche zu verzeichnen. Bedenklich: Die große Mehrheit der Jungmediziner will sich nicht als Allgemeinmediziner niederlassen, eine Versorgungsknappheit droht.
Hermann Blaßnig im Interview

Zufrieden zeigt sich der medizinische Nachwuchs insbesondere mit den Verbesserungen bei den Routinetätigkeiten. Zurückzuführen ist dies laut Hermann Blaßnig, Sprecher der Spitalsärzte, auf das neue Turnusärztetätigkeitsprofil, das seit Beginn des Jahres in Kraft ist. Positiv ausgewirkt habe sich auch die Einstellung von Arzt- und Dokumentationsassistenten, die den Jungärzten viele administrative Pflichten abnehmen. 

Große qualitative Unterschiede

Grund zum Aufatmen ist das freilich noch nicht: Zahlreiche Abteilungen in verschiedenen Vorarlberger Krankenhäusern schneiden in der Beurteilung der Turnusärzte negativ ab. Allein am Landeskrankenhaus Feldkirch wurden drei große Abteilungen negativ bewertet. Auch die Krankhäuser als Ganze schneiden sehr unterschiedlich ab: Während Hohenems und Dornbirn relativ gute Ergebnisse erzielen, liegen Bludenz und Feldkirch mit niedrigen Werten auf dem geteilten letzten Platz. Verbessert hat sich die Gesamtsituation hingegen am Krankenhaus Bregenz.

Zu viel Arbeit, zu wenig Zeit

Die großen qualitativen Unterschiede führt Turnusärztesprecher Simon Mayer auf Unterschiede im Aufgabenspektrum, der Personalausstattung und in den Kapazitäten der Ausbildner zurück. Eine Einschätzung, die Turnusärztin Martina Perkthold vom KH Dornbirn teilt: Das fachliche Niveau ihrer Ausbildner sei zwar ausgezeichnet, nur leider sei oft nicht genügend Zeit für den Nachwuchs vorhanden. Und auch die Arbeitsbelastung habe nicht wesentlich nachgelassen.

Mehrheit will nicht in die Allgemeinmedizin

Besonders bedenklich: Gleich 82 Prozent können sich nicht vorstellen, zukünftig als Allgemeinmediziner zu arbeiten. Vor zwei Jahren waren es noch rund 50 Prozent gewesen. “Die Entwicklung ist dramatisch, weil sich der zunehmende Ärztemangel gerade im Bereich der Praktiker dadurch noch zusätzlich verschärfen wird”, so Blaßnig. Grund für diese Entwicklung sei, dass die jungen Ärzte während ihres Turnus nie in einer Praxis für Allgemeinmedizin arbeiten müssten, gibt Mayer zu bedenken. Er fordert daher die Einführung einer Lehrpraxis als Teil des Turnus. Finanziert werden solle das durch das Land Vorarlberg. 

Turnusärztemangel weiterhin akut

Der Turnusärztemangel im Land stellt weiterhin ein großes Problem dar. Das lässt sich allein aus der Zahl der Umfrageteilnehmer ablesen: Wurden vor zwei Jahren noch rund 140 Jungärzte aufgerufen, sich an der Befragungen zu beteiligen, waren es diese Mal lediglich 117. Kaschiert würde diese negative Tendenz durch die mittlerweile gängige Praxis, Turnusarztstellen durch Assistentenstellen zu ersetzen. Mayer spricht diesbezüglich von einem “Etikettenschwindel” und warnt: “Je weniger Ärzte wir ausbilden, umso eher werden wir ein Versorgungsproblem bekommen.”

Insgesamt 117 Turnusärzte waren dieses Jahr aufgerufen, eine Vielzahl an Fragen zu ihrer Arbeits- und Ausbildungsverhältnissen zu beantworten. Etwas mehr als 64 Prozent nahmen diese Möglichkeit tatsächlich wahr.(MST)

Hermann Blaßnig im Interview

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