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Vorarlberg im Nationalsozialismus

Das NS-Regime griff tief in das Leben der Menschen ein.
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Das autoritäre Regime des Ständestaats hatte aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage, der Massenarbeitslosigkeit und des Verbots einer politischen Opposition nach dem Februar 1934 nicht den nötigen Rückhalt in der Bevölkerung, um dem Nationalsozialismus erfolgreich widerstehen zu können. Die in Vorarlberg illegale NSDAP wurde hier von finanzkräftigen einheimischen Unternehmern unterstützt und entwickelte sich zur wirkungsvollsten Opposition, die auch das laizistische Lager (immerhin ein Viertel der Vorarlberger Wählerschaft) anzog. Vor 1938 wurden allein im Bezirk Feldkirch und im „braunen“ Dornbirn fast 1400 Personen wegen illegaler Betätigung für die NSDAP verhaftet oder abgestraft. In der Nacht zum 12. März 1938 übernahmen dann die Nationalsozialisten auch in Vorarlberg die Macht. Bei der „Anschluss-Volksabstimmung“ am 10. April 1938 gab es in Vorarlberg den österreichweit höchsten Anteil an Nein- Stimmen. 1938/39 wurde der Dornbirner Anton Plankensteiner Vorarlberger Landeshauptmann. Im Dezember 1939 wurde die Landeshauptmannschaft aufgehoben und Vorarlberg wurde mit Tirol zum Reichsgau Tirol-Vorarlberg zusammengelegt. Plankensteiner blieb Kreisleiter von Dornbirn.

Zum Tode verurteilt

In den folgenden Jahren bestimmte das totalitäre NS-Regime die Politik diktatorisch, ordnete das Wirtschaftsleben nach Kriegserfordernissen und griff auch tief und gewaltsam in das soziale und private Leben der Bürger ein. Dieses Regime erzeugte aber auch Widerstand, der aber mit staatlichem Terror unterdrückt werden sollte. Der Widerstand reichte von Desertionen bis zur Verweigerung des Eintritts in den Militärdienst. Etwa 120 Vorarlberger wurden für ihren Widerstand, ihre Menschlichkeit oder ihr Anderssein in Konzentrationslagern gequält. Eine davon war Karoline Redler (1883–1944). Am 24. August 1943 wartete die Bregenzerin gemeinsam mit drei weiteren Patienten im Warteraum eines Arztes. Dort kam sie mit zwei Frauen aus Lustenau ins Gespräch. Als sich diese über die ihrer Meinung nach barbarischen Luftangriffe der Alliierten empörten, soll Frau Redler festgestellt haben, dass das nur die Antwort auf die deutsche Kriegstreiberei sei. Zwei der Patienten erstatteten volkstreu Anzeige, weil sich Frau Redler „wehrkraftzersetzend und landesverräterisch“ geäußert habe. Am 5. Oktober wurde die Mutter von drei Kindern, die politisch und sozial sehr engagiert war, festgenommen. Bereits 60 Jahre alt, erkrankte sie und kam anschließend in das Sanatorium Mehrerau. Dort erfuhr sie, dass ihr Sohn auf der Krim gefallen war, und erlitt einen Nervenzusammenbruch. Redler war haftunfähig. Ein knappes Jahr nach ihrer Äußerung, am 25. August 1944, wurde Karoline Redler neuerlich verhaftet und dem Volksgerichtshof beim Wiener Landesgericht überstellt. Dort wurde sie wegen „Wehrkraftzersetzung und Feindbegünstigung“ zum Tode und zu „Ehrenrechtsverlust“ auf Lebenszeit verurteilt. Am 8. November 1944 wurde sie mit dem Fallbeil hingerichtet. In Bregenz erinnert heute ein kleines Wegstück zwischen Wolfeggstraße und dem Thurn & Taxispark an Karoline Redler. Aber nicht nur für Regimegegner hatte eine Zeit der Diskriminierung und Verfolgung begonnen. Auch Minderheiten und gesellschaftliche Außenseiter wurden verfolgt. Schon im Sommer 1938 wurde der erste Vorarlberger Jude im KZ getötet.

Bombenangriff auf Feldkirch

1943 kam dann der Krieg erstmals ins Land. Bis dorthin beeinflussten indirekte Kriegsauswirkungen wie das Senken von Lebensmittelrationen oder die Einquartierung von Bombenflüchtlingen das Leben an der „Heimatfront“. Am 1. Oktober 1943 waren dann in Feldkirch rund 200 Opfer zu beklagen. Bei einem US-Angriff hatte die Luftwaffe die Messerschmitt-Werke in Augsburg nicht gefunden und ließ ihre Bomben über Feldkirch fallen. Insgesamt sind in Vorarlberg die Namen von 800 Opfern von Verfolgung bekannt. Mindestens 80 Personen wurden aus politischen oder rassistischen Gründen hingerichtet, und über 300 fielen der „Euthanasie“– eine zynische Entfremdung des Wortes der Nationalsozialisten – zum Opfer. Tausende Vorarlberger waren an Kriegsschauplätzen im Einsatz. Rund 7800 Vorarlberger kehrten nicht mehr aus dem Zweiten Weltkrieg zurück, andere waren jahrelang in Kriegsgefangenschaft.

Etwa 120 Vorarlberger wurden für ihren Widerstand, ihre Menschlichkeit oder ihr Anderssein im KZ gequält.

Bei der „Anschluss-Volksabstimmung“ am 10. April 1938 gab es in Vorarlberg österreichweit den höchsten Anteil an Nein-Stimmen. Am 12. März 1938 übernahmen die Nationalsozialisten die Macht in Vorarlberg.

PATRIZIA GUNZ & MIRIJAM HALLER patrizia.gunz@vn.at / 05572 501-314 mirijam.haller@vn.at / 05572 501-238

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