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Vorarlberg: Ein Bundesland voller Barrieren?

Niedrige Schilder und unzureichende Schneeräumung sind nur zwei von vielen Problemen die Behinderte in Vorarlberg noch immer zu meistern haben.
Niedrige Schilder und unzureichende Schneeräumung sind nur zwei von vielen Problemen die Behinderte in Vorarlberg noch immer zu meistern haben. ©Emir T. Uysal/VOL.AT
Bregenz, Feldkirch - Menschen mit Handicap kämpfen seit Jahrzehnten um Gleichstellung ... mit mäßigem Erfolg: Kieswege an Friedhöfen stellen für Rollstuhlfahrer ein Hindernis dar, behindertengerechte Toiletten im öffentlichen Raum fehlen, und jetzt im Winter werden Ampeln, die mit akustischen und taktilen Querungshilfen ausgestattet sind, häufig einfach zugeschaufelt.
Umweg auf die Montforthaus-Bühne

Und all das, obwohl 2006 eigens ein österreichweit gültiges Behindertengleichstellungsgesetz ausgearbeitet wurde, demzufolge alle Neubauten und Altgebäude binnen einer Übergangsfrist von zehn Jahren – also bis 2016 – barrierefrei zu gestalten sind.

Nicht erst durch einen Kongress für Inklusion in Feldkirch im Juni 2016 machten VOL.AT und die VN auf Defizite aufmerksam: Wie berichtet, war beispielsweise der Zugang zur Montforthaus-Bühne nicht barrierefrei zu erreichen. Für die Realisierung des 44,1-Millionen-Euro-Projekts wurde der „Stammtisch für Handicap Feldkirch“ mit einbezogen. „Wir haben vor allem darauf geachtet, dass das Begegnungshaus für Menschen mit Behinderung so barrierefrei wie möglich gestaltet wird“, erklärt Obfrau Gabi Schenk. So standen unter anderem Türbreite, Liftgestaltung, WC-Größe, Sehbehinderten-Beschriftung oder Tonanlage für Menschen mit Hörgeräten im Fokus. Bei der Stadtbudgetierung Ende 2016 wurde schließlich keine Lösung gefunden, die einen dauerhaften barrierefreien Bühnenzugang vorsieht. Stattdessen soll weiterhin, nach Absprache, ein temporärer Lift zum Einsatz kommen.

“Wünschen öffentliches WC”

Im Theater am Saumarkt hingegen wurden kürzlich rund 10.000 Euro in einen Treppenlift investiert. „Wir haben aber leider noch keine befriedigende Lösung, was das Behinderten-WC betreffend“, meint Sabine Benzer, TaS-Geschäftsführerin. „Das ist im Saumarkt wegen zu steiler und zu schmaler Innentreppe nicht realisierbar. Wir würden uns wünschen, dass es so eine Toilette im öffentlichen Raum am Mühletorplatz gibt, weil sie auch für die anderen Einrichtungen am Mühletorplatz notwendig wäre.“

Gäste des Alten Hallenbades dürfen sich in diesem Jahr über einen neuen Lastenlift (250.000 Euro) freuen. Der Transport ins Obergeschoß während der zahlreichen Events, wie poolbar-Festival oder Vereins- und Kulturveranstaltungen, war bislang nur über die Stiegen oder mithilfe eines Hubstaplers möglich. „Eine jahrelange Forderung wird damit endlich realisiert“, freut sich Feldkirchs Grünen-Obfrau Marlene Thalhammer.

Hat oft ästhetische Gründe

Aber nicht nur Feldkirch kämpft mit Problemen bei der Barrierefreiheit. Dietmar Habisch vom Blinden- und Sehbehindertenverband Vorarlberg sieht diese Causa generell bei öffentlichen Gebäuden. Architekten von Neu- und Altbauten würden sich gegen diese Maßnahmen wehren. „Taktive Bodenleitsysteme oder Stufen- sowie Glasflächenmarkierungen entsprechen in den wenigsten Fällen der Ö-Nörm“, kritisiert Habisch weiter. Das liege unter anderem daran, dass es den „ästhetischen Ansprüchen“ nicht gerecht werde. Gerade Begegnungszonen wie in Wolfurt, Hard oder am Bregenzer Kornmarkt sind Habisch ein Dorn im Auge. Für sehbehinderte Menschen stellen Straßenschilder dort nämlich eine große Gefahr dar. Eigentlich müssen diese in mindestens 2,2 Metern Höhe angebracht werden. Bei einem Spaziergang durch die Bregenzer Rathausstraße habe sich Habisch schon einmal verletzt, da die Beschilderungen dort auf Schulter- bzw. Kopfhöhe montiert sind.

Problem: Bus und Bahnhof

Bei den öffentlich zugänglichen Bereichen kritisiert Gabi Schenk die Alpenstadt Bludenz. „Sogar der Bahnhof ist mit seinen Abschrägungen eine Katastrophe, und die Stadtpolitik zeigt sich sehr unkooperativ.“ Im Rahmen der Straßensanierungsarbeiten wurde zumindest in der Kirchgasse und Sturnengasse kürzlich für eine Verbesserung in Sachen Barrierefreiheit gesorgt. „Im Zuge dessen wird ein gut berollbarer Mittelweg geschaffen“, informiert Bürgermeister Mandi Katzenmayer. Die ÖBB seien dahingehend bemüht, dass bei den Sanierungsmaßnahmen an den Bahnhöfen auf alle rechtlichen Rahmenbedingungen geachtet wird.

Auch in Sachen Mobilität sehen die Vereine für Handicap Verbesserungsbedarf: Während die Stationsansagen in den Landbussen von Feldkirch bis Bludenz von einer menschlichen Stimme stammen, sei beispielsweise in Dornbirns Stadtbussen eine schwer verständliche computergenerierte Stimme im Einsatz: „Diese und ähnliche Probleme werden des Öfteren bei den Zuständigen deponiert“, so Habisch.

Keine Gutachtertätigkeiten ab 2017?

Heribert Amann, Gerichtssachverständiger und zertifizierter Berater für Barrierefreiheit in Vorarlberg, hat in den letzten Jahren für das Institut für Sozialdienste auf Werkvertragsbasis Beratungs- und Gutachtertätigkeiten durchgeführt. „Diese bisher kostenlose bzw. über das Land Vorarlberg finanzierte Tätigkeit wurde ab 2017 leider nicht mehr in der Form durchgeführt und wird künftig unter Umständen völlig entfallen”, sagt Amann.

LR Bernhard entgegnet

“Gutachten in Fragen der Barrierefreiheit für Haushalte von alten Menschen und Menschen mit Behinderung werden selbstverständlich weiterhin aus dem Sozialfonds bezahlt. Auch die Abwicklung über das Institut für Sozialdienste bleibt unverändert. Nur Firmen, Betriebe und öffentliche Bauträger haben künftig die Gutachtertätigkeit des IfS selbst zu bezahlen”, entgegnet hingegen Landesrat Christian Bernhard.

Das ifs habe daher so wie bisher den Auftrag, private Personen bei alters-, krankheits- bzw. behinderungsbedingten Umbauten in Privathaushalten zu beraten und zu unterstützen. Diese Leistungen können wie bisher mit dem Sozialfonds abgerechnet werden. “Dass diese Tätigkeit in Zukunft entfällt oder nicht mehr durch die öffentliche Hand finanziert wird, daran ist in keinster Weise gedacht”, betont Landesrat Bernhard.

Lob für Krankenhäuser

Eines lässt zumindest aufatmen: Die Landeskrankenhäuser werden von allen Seiten gelobt. „Sei es in Bregenz, Hohenems, Rankweil, Feldkirch oder Bludenz – da ist Vorarlberg ein echtes Vorzeigebundesland“, sagt Gabi Schenk. Es ist laut Schenk ein beständiger Kampf, wahrgenommen zu werden. Deswegen bemühe sich der Stammtisch für Menschen mit und ohne Handicap Jahr für Jahr zumindest um Verbesserungen im Bezirk Feldkirch.

Was in der Theorie also seit gut einem Jahr gesetzlich verpflichtend ist, lässt in der Praxis oft zu wünschen übrig. Gerade Betroffene sehen das sehr kritisch. „Es wird zwar daran gearbeitet – nur deutlich zu langsam“, meint Habisch. Die Empfehlung der Vereine, wenn man konkret auf Barrieren stößt: die Initiative ergreifen und die jeweiligen Unternehmen auf ihre Pflichten aufmerksam machen – oder die Angelegenheit an die Vereine für Handicap weiterleiten, die dann einen formellen Antrag stellen.

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