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Vorarlberg: Bluttat in Hohenems - Polizist von Amtsmissbrauch freigesprochen

Der Polizist wurde freigesprochen, das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Der Polizist wurde freigesprochen, das Urteil ist nicht rechtskräftig. ©VOL.AT/Eckert
Polizeibeamter hätte auch bei korrektem Vorgehen Bluttat nicht verhindern können.
Vorarlberger Polizist vor Gericht

Von Christiane Eckert/VOL.AT

Seit rund 28 Jahren ist der Angeklagte Polizist, seit rund 15 Jahren ist er unter anderem für Notrufe zuständig. Doch nicht alles sind echte Notrufe, hin und wieder verirren sich die skurilsten Meldungen auf die Nummer 133. Dass sich in den Nachtstunden des 16. September 2017 in Hohenems ein schreckliches Familiendrama abzeichnete, bei dem ein Mann seine zwei Kinder im Alter von vier und sieben Jahren, sowie seine 33-jährige Frau erstach, ahnte niemand. Ebenso wenig den anschließenden Selbstmord des Täters. Ein Nachbar hatte mehrfach den Notruf gewählt, der angeklagte Beamte schätzte die Situation schlichtweg falsch ein. „Ich denke jeden Tag daran und es tut mir unendlich leid“, belastet ihn die Situation heute noch schwer.

Nicht faul oder desinteressiert

„Die Anrufe waren ruhig und ohne Panik“, erklärt die Vorsitzende Richterin Sonja Nachbaur den Freispruch vom Amtsmissbrauch. Fakt sei auch, so die Richterin, dass bereits beim zweiten Anruf bereits gemeldet wurde, dass es jetzt „ganz ruhig“ sei, sprich, die Opfer vermutlich bereits tot waren. Dies bestätigen auch die Obduktionsergebnisse. Der Beamte war in den Minuten, in denen er nicht unverzüglich eine Streife vorbeischickte, nicht untätig. Er forschte in seinen Unterlagen nach, ob gegen den Mann ein Rückkehrverbot ausgesprochen worden war und er versuchte die Ehefrau, die 33-jährige zweifache Mutter, am Handy zu erreichen.

Offene Fragen

Der Polizist wurde laut Verteidiger Bertram Grass zwar mit der strengsten Disziplinarsanktion, nämlich der Entlassung, bestraft, doch rechtskräftig ist sie noch nicht. Wie die Sache für den Freigesprochenen disziplinär ausgeht, ist somit noch offen. Strafrechtlich kann er in erster Instanz zumindest aufatmen, doch auch hier ist die Entscheidung noch nicht rechtskräftig. „Es war eine Fehleinschätzung, die mein Mandant sehr bedauert, doch strafrechtlich kann man ihm keinen Amtsmissbrauch vorwerfen“, hatte Grass für Freispruch plädiert. Grass hat zumindest den Schöffensenat erster Instanz überzeugt, nun bleibt abzuwarten, was die Staatsanwaltschaft macht.

(Red.)

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