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Von Leid, Schmerz und Schönheit

Berlinde De Bruyckere – The Embalmer
Berlinde De Bruyckere – The Embalmer ©Edith Rhomberg
Die diesjährige Saison eröffnet der Kunstraum Dornbirn mit Berlinde De Bruyckere „The Embalmer“.
Kunstraum Dornbirn

Dornbirn. Eine Ausstellung an zwei Orten der belgischen Künstlerin Berlinde De Bruyckere findet im Kunstraum Dornbirn und im Kunsthaus Bregenz statt. „Ihr Werk hat mich immer bewegt“, sagte Thomas Häusle, Leiter des Kunstraum Dornbirn, anlässlich der Eröffnung am 16. April. Eine Koinzidenz sei, dass sich er und Rudolf Sagmeister, Kurator im KUB, mit der Arbeit der 1964 geborenen Künstlerin seit langem beschäftigen. Aus dieser Lage habe man eine Tugend gemacht und eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen den beiden Ausstellungshäusern inszeniert. Sehr zufrieden mit dieser Kooperation zeigt sich die Künstlerin. Sie sagt, es sei die schönste Ausstellung, die sie bisher gemacht habe.

Die Begrüßung der sehr zahlreich zur Ausstellungseröffnung gekommenen Gäste, darunter auch Bürgermeisterin Andrea Kaufmann, übernahm auf seine gekonnt launige Art der Präsident des Kunstraum Dornbirn, Ekkehard Bechtold. In Anlehnung an die Themenbereiche der Künstlerin sprach er von ehemaligen Schlachtfeldern und Verwundeten.

„Getrieben von religiösem Wahn, im Namen von Heiligkeiten, die noch keiner sah“, erfahre der Dreißigjährige Krieg des 17. Jahrhunderts neue Aktualität. Durch die Sichtbarmachung von Verstümmelung und Leid leiste die Kunst ihren Beitrag, uns das schauerliche Treiben vor Augen zu führen, so Bechtold.

Unter dem Titel „The Embalmer“  – Der Tierpräparator – werden in der Montagehalle des Kunstraum Dornbirn für diesen Ort neu geschaffene Pferde-Objekte präsentiert. Es handelt sich um aus Kunstharz geformte Körper, die mit Fell bespannt sind. Der international sehr gefragten und gut gebuchten Künstlerin dienen die Pferdekörper als Sinnbild und Projektionsfläche. Ihre Arbeit ist eine Auseinandersetzung mit Leid, Schmerz und Vergänglichkeit. Häusle wies darauf hin, dass sich Berlinde de Bruyckere mit der belgischen Stadt Ypern, einem Kriegsschauplatz des Ersten Weltkrieges, intensiv befasst hat. Dort kam vor genau 100 Jahren erstmals die Waffe Giftgas zum Einsatz.

Bei den künstlichen Verkrüppelungen der Pferde-Objekte lässt sich kein einzelnes Tier feststellen. „Wir sollen das Leid universell wahrnehmen“, so die Intention der Künstlerin. Häusle ist überzeugt, dass bei der Betrachtung der Werke Abscheu oder Ablehnung nicht überhand nehmen. Das Leid gehe in Schönheit über, woraus neue Hoffnung entstehe. „Schmerz kann überwunden werden, der Trost ist ein Anliegen der Künstlerin“, erfuhren die Besucher.

Kultur-Landesrat Christian Bernhard freute sich sehr über die persönliche Anwesenheit von Berlinde de Bruyckere in Dornbirn. Ihm oblag die offizielle Ausstellungseröffnung, die er mit seinen Assoziationen aus der Welt der Oper und der Medizin verknüpfte. In der Darstellung des Leidens der Kreatur sieht er, dass es der Künstlerin um die Schönheit der Seele dahinter geht.


Berlinde De Bruyckere – The Embalmer

Eine Ausstellung an zwei Orten in Kooperation mit dem Kunsthaus Bregenz
Kunstraum Dornbirn  Jahngasse 9
Bis 5. Juli, Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr
Vermittlung: Kunstheft für Schüler und Erwachsene, Videos zum Projekt
www.kunstraumdornbirn.at

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