Vom Ziergewächs zum Volksnahrungsmittel

Burghart Häfele spricht über das "Brot der Armen" - die Kartoffel.
Burghart Häfele spricht über das "Brot der Armen" - die Kartoffel. ©ruf

Hohenems. „Blaue Schweden“, „Bamberger Hörnchen“ – wer weiß heute noch, dass damit alte deutsche Kartoffelsorten gemeint sind.

Im Rahmen der Ausstellung „Vom Mangel zum Überfluss“ im Küefer-Martis-Huus in Ruggell sprach Burghart Häfele über die Kulturgeschichte der Kartoffel und Ihres Anbaus in Vorarlberg und Liechtenstein. Der Hohenemser, im Hauptberuf Polizist, studierte neben seinem Beruf Volkskunde: „Schon als Bub las ich im elterlichen Schrebergarten am Alten Rhein die Kartoffelkäfer von den Pflanzen und half im Herbst bei der Ernte. Ich bemerkte, dass über den Kartoffelanbau in Vorarlberg bis jetzt relativ wenig geforscht wurde und schrieb deshalb meine Diplomarbeit zu diesem Thema.“

Die Kartoffel stammt ursprünglich aus den Bergen Südamerikas. Zuerst sah man das Gewächs in botanischen Gärten, in Wien erstmals um 1588. Angebaut auf dem Feld wurde sie erst einige Generationen später. Die Menschen betrachteten die neue Feldfrucht argwöhnisch, gehört die Kartoffel doch zur Familie der Nachtschattengewächse und damit zu einer Gruppe von Giftgewächsen wie Bilsenkraut und Tollkirsche. Es gibt viele Legenden darüber, dass es zu Vergiftungen kam, weil die Menschen die ungenießbaren Beeren anstatt der Knollen aßen. Maurer aus dem Elsaß hätten „Grundtbieren oder Erdapfelsammen“ ins Land gebracht, hieß es 1725 in der Häusle-Chronik.

Der Pfarrer und Historiker Franz Joseph Weizenegger schrieb, Joseph Hämmerle und Anton König hätten im Jahre 1753 die Frucht in Lustenau angepflanzt. Um 1769 war die Kartoffel im Lande schon weit verbreitet. In den Kriegs- und Hungerzeiten, besonders von 1770-1772, lernten die Menschen die lange verschmähte Knolle schätzen. Im Vergleich zum Getreideanbau konnte man mit ihr die dreifache Zahl an Menschen ernähren. Als aber Anfang des 19. Jahrhunderts aus Amerika Kartoffelkrankheiten eingeschleppt wurden, folgte eine Missernte der anderen und verursachte Hungersnöte. Besonders schlimm war es in Irland, geschätzte eine Million Iren starben in der „Großen Hungersnot“. Auch bei uns berichtet die „Kirchturmknopfchronik“ von St. Martin in Dornbirn von der „Erdäpfelkrankheit“ zwischen 1845 und 1856. Das Wort Kartoffel leitet sich von “tartuffolo”, dem italienischen Wort für Trüffel ab. „Herdöpfel“ und „Grundbire“, von daher abgeleitet „Grumpara“ sind häufige Vorarlberger Bezeichnungen.

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