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Vom Winde zerzaust

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Die griechische Insel Samothraki bietet unter anderem eine Wanderung auf den höchsten Gipfel der Ägäis.
Bilder

Reise. Brennende Sonne, heißer Wind. Mediterrane Hitze liegt über dem steilen Weg, auf dem ich nach Markierungspunkten inmitten der felsigen Berglandschaft suche. Er führt hinauf auf den Fengari, den höchsten Gipfel der Ägäis – und in anderenorts in Griechenland seit Langem verschwundene Naturlandschaften.

Abseits der Touristenströme Vorbei an rauschenden Wildbächen, uralten Baumriesen, grünen Tälern und parkähnlichen Eichenwäldern, in denen sich kühlender Schatten sammelt. Es ist ein einsamer Weg und eine wunderbare Annäherung an eine Insel weit ab aller Touristenströme. Eine Insel der Legenden und mystischen Plätze, aber auch eine Insel voller Naturschätze, wie man sie so auf kaum einem anderen Eiland in der Ägäis findet. Ihr Name: Samothraki.

Schon auf der Fähre, wenn sich der mächtige Fengari aus dem Dunst schält, beginnt man zu ahnen, warum diese Insel seit der Antike Menschen anzog und von einer turbulenten Geschichte geprägt wurde, die viele Herrscher kommen und gehen sah: Perser und Athener, Spartaner, Makedonen und Ägypter, Genueser, Türken und Bulgaren. Sie alle kamen und gingen, die Insel wurde als Holz-, Wasser- und Erzlieferant, als Lager- und Siedlungsplatz genützt.

Eine turbulente Geschichte

Ihrer ungewöhnlichen Natur wegen verehrte man Samothraki aber auch: Makedonen und Ptolemäer, weil der Legende nach Alexander der Große hier gezeugt worden sei, die Römer, weil Dardanos, Trojas Stammvater, angeblich von hier kam und sein Nachfahr Änäas als Gründer der Ewigen Stadt galt. Heute hingegen gehört Samothraki zu den stillsten Winkeln Griechenlands. Die Insel ist ein ideales Ziel für Naturfreunde und Wanderer. Fündig werden sie im Saos-Massiv und besonders auf dem „Mondberg“ Fengari, dessen Name Programm zu sein scheint. Zerklüftet und vegetationslos ist seine Gipfelregion, in die sich nur noch die Ziegen wagen – Menschen hingegen machen sich rar. Nur ein paar Hundert Touristen machen sich pro Jahr auf den Weg, um 1611 steinige Höhenmeter zu überwinden und einem nicht leicht zu findenden Pfad zum Gipfel zu folgen. Allen anderen entgeht die schon von Homer in seiner Ilias beschriebene Aussicht hinüber auf die Nachbarinseln Tenedos und Thassos – und an klaren Tagen sogar bis zum Berg Athos. Auch verpassen sie die seltene Gelegenheit, womöglich auf einem Stein zu sitzen, auf dem der Legende nach schon Poseidon saß, um die Schlacht von Troja zu beobachten.

Üppiges Grün in den Tälern

Der schneidende Wind verhagelte meine geplante Gipfelübernachtung, erst ab 1000 Höhenmetern, im Eichenwald, wurde es ruhiger. Richtig mystisch wird es, als der Steig hinab in eines jener Täler führt, in denen alle gängigen Griechenland-Klischee aufgehoben zu sein scheinen. Statt Hitze und Trockenheit nun Kühle und Feuchte, statt verdorrter Erde üppiges Grün. In den Tälern von Mikrés Váthres, Griá Váthra und besonders im Fonias-Tal glaubt man sich in eine andere Welt versetzt, wandert durch hohes Gras, Farndickichte und wogende Blumenmeere, passiert uralte Platanenriesen, und folgt klaren Bergbächen, in denen Forellen springen.
Im Süden der Insel dagegen prägen Olivenbäume das Bild. Weiße Kapellen thronen auf den Hügeln, die schönste von allen ist Panagia Kamariotissa, hoch auf einem Felssporn liegend und einen weiten Blick auf die Südküste bietend.
In schwierigen Zeiten, die auch Samothraki nicht verschonten, zog man sich zurück und betete zu Gott. Versteckte sich vor Piraten und Invasoren im Inselinneren und gründeten das, was heute als die größte Sehenswürdigkeit Samothrakis gilt: Chora.

Wie in einem Amphitheater

Wie in einem Amphitheater staffeln sich die Häuser in einem von See her nicht einsehbaren Bergkessel. Gepflasterte Gassen durchziehen das Häusergewirr, gesäumt von kleinen Läden und Bäckereien, aus denen es himmlisch duftet. Doch trotz netter Orte zieht es mich immer wieder zurück in die Urwälder des Nordens. Dorthin, wo kühles Wasser über bemooste Steine rinnt und tausendjährige Bäume ihre Arme schützend über üppige Gärten breiten. Zu jenen Plätzen, wo sich Gegenwart und Vergangenheit, Magie und Wirklichkeit zu ganz besonderem Reiz vermischen. Sie sind der wahre Schatz Samothrakis und vielleicht der Grund, warum die Insel einst von Dichtern und Poeten, von Königen, Kaisern und den Göttern so geliebt wurde.

Eine gebirgige und wasserreiche Insel vor Thrakien

Lage. Samothraki ist eine gebirgige und wasserreiche griechische Insel im Thrakischen Meer der nördlichen Ägäis, nordöstlich der Insel Limnos – etwa 40 Kilometer von der thrakischen Küste entfernt. Geographisch zählt sie zur Region Thrakien. Der Hauptort heißt wie die Insel selbst Samothraki (die berühmte Altstadt davon Chora), der Haupthafen ist in Kamariotissa.

1624 Meter hoch ist der Gipfel des Fengari („Mondberg“): Von hier aus soll der Sage nach der griechische Meeresgott Poseidon die Schlacht um Troja beobachtet haben. Bei guten Verhältnissen kann man wirklich weit bis nach Kleinasien hineinsehen. Auch die Argonauten sollen auf ihrer Suche nach dem Goldenen Vlies an der Insel vorbeigekommen sein.

Lage an einer altertümlichen Handelsroute

Geschichte. Das antike Samothráke lag (wie auch das sagenumwobene Troja) an einem für Nautik und Fernhandel bedeutenden Punkt: Da eine ständige Meeresströmung aus den Dardanellen in die Ägäis zieht, sammelten sich hier die Segelschiffe, die einen günstigen Wind für die Durchfahrt ins Schwarze Meer abzuwarten hatten – und waren so eine leichte Beute für Piraten.

Mysterien der großen Götter

Geschichte. Zahlreiche VIPs der Antike beehrten Samothraki: Poeten wie Platon, Geschichtsschreiber wie Herodot, Könige wie Philipp II. und zahlreiche römische Kaiser. Den Apostel Paulus ausgenommen, der hier erstmals europäischen Boden betrat, kamen sie, weil Samothraki aufgrund seines geheimnisvollen Kabiren-Heiligtums eine herausragende religiöse Stellung einnahm.

Die Menschen erhofften sich von Demeter, Hermes, Hades und Persephon, aber auch von den Kabiren, die als Schutzgötter der Seefahrer galten, Glück im Leben und ein besseres Los im Jenseits. Sie kamen als Pilger, um sich ungeachtet von Rasse und sozialem Stand in die „Mysterien der großen Götter“ einweihen zu lassen – einen Kult, der ein Jahrtausend überdauerte und dessen Einfluss bis Rom und Alexandria reichte.

Von Chora bis nach Kamariotissa

Dörfer. Neben der bekannten Altstadt von Chora gibt es auf der Insel auch nette Bergdörfer wie Profitis Ilias oder Lakoma – und die von Weizenfeldern umgebene Hafenstadt Kamariotissa.

Die berühmte Nike von Samothrake

Statue. Sehenswert ist das Heiligtum der großen Götter. Von dort stammt die bekannte Statue Nike von Samothrake. Sie steht im Louvre in Paris (und eine Kopie im Inselmuseum in Palepoli).

REISEINFOS:

Anreise: Von Athen aus mit Olympic Airlines (www.olympicairlines.com) oder Aegaen Air (www.aegaenair.gr) regelmäßige Flüge nach Alexandropolis. Von dort je nach Saison ein- bis dreimal täglich mit der Fähre nach Samothraki.

Beste Reisezeit: Anfang Mai (Blütezeit) bis Ende Oktober.

Buchtipp: „Thassos & Samothraki“, Michael Müller Verlag, 15,90 Euro.

Einwohner: Etwa 2500, Bevölkerungsdichte von 15/km²

Unterkunft: Die meisten Hotels sind in Kamariotissa und Therma. Im alten Hauptort Chora kann man einfache Zimmer mieten.

Weitere Informationen:

Griechische Zentrale für Fremdenverkehr
Neue Mainzer Straße 22,
60311 Frankfurt/Main,

Tel. +49 69 2578270,

E-Mail: info@gzf-eot.de,
Internet: www.visitgreece.gr und www.samothraki.com.

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