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Vodafone verkauft Ungarn-Geschäft für 1,7 Milliarden Euro

Übernahme ist umstritten, Experten warnen vor Wettbewerbsverzerrung
Übernahme ist umstritten, Experten warnen vor Wettbewerbsverzerrung ©APA/AFP
Vodafone zieht sich aus Ungarn zurück. Der britische Mobilfunker gab am Montag den Verkauf des dortigen Geschäfts für 1,7 Milliarden Euro an die IT-Firma 4iG und den ungarischen Staat bekannt. Die Einnahmen sollen für den Schuldenabbau genutzt werden. Gleichzeitig vergrößert die nationalistische ungarische Regierung unter Ministerpräsident Viktor Orban mit dem Deal ihren Einfluss auf den Telekomsektor. Vodafone-Aktien bröckelten in London bis zu Mittag um 0,6 Prozent ab.

Die 4iG-Tochter Antennna Hungaria erwirbt 51 Prozent, der im Staatsbesitz befindliche Corvinus-Investmentfonds 49 Prozent der Anteile von Vodafone Magyarorszag. Der Anbieter verfügt in Ungarn über einen Marktanteil von 30 Prozent.

Eine entsprechende Vorübereinkunft hatten die Seiten im vergangenen August erzielt. Es handelt sich um eine der größten Übernahmen der ungarischen Wirtschaftsgeschichte. Zugleich ist sie umstritten. Das Unternehmen 4iG, das in den letzten drei Jahren mit spektakulären Akquisitionen auffiel, wird von Kreisen kontrolliert, die dem rechtspopulistischen Ministerpräsidenten Viktor Orban nahestehen. Orban steht in der EU wegen Verstöße gegen Rechtsstaatlichkeit und Korruption in seinem Umfeld in der Kritik.

Das ungarische Aufdeckungsportal "atlatszo.hu" bezeichnet den 4iG-Mehrheitseigentümer und -Generaldirektor Gellert Jaszai als eine "politisch exponierte Person". Damit sind Politiker oder Unternehmer gemeint, die im unmittelbaren Umfeld eines bestimmenden Politikers agieren oder in dessen Sinne handeln.

Die 4iG-Tochter Antenna Hungaria erhielt außerdem von der staatlichen Ungarischen Entwicklungsbank einen Kredit in Höhe von 425 Millionen Euro für den Erwerb der Vodafone-Tochter. Eine Gruppe von internationalen Rechtsexperten appellierte unterdessen an die EU-Kommission, die Transaktion zu unterbinden. Es sei zu befürchten, dass sie eine massive Wettbewerbsverzerrung auf dem Markt der Mobilanbieter nach sich ziehen werde, schrieben die Experten, die sich die "The Good Lobby Profs" nennen, in ihrer Eingabe.

(APA/Reuters/dpa)

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