Virus macht Kinder atemlos

Feldkirch - Das Grippevirus hält sich zumindest vorerst noch zurück. Dafür schlägt ein anderes erbarmungslos zu. Und trifft die Schwächsten. Betroffen sind vor allem Säuglinge. RS-Virus |  

Zahlreiche Säuglinge, manche nicht einmal drei Monate alt, leiden derzeit an einer Infektion, die durch das so genannte RS-Virus verursacht wird. Die Folgen sind schwere Atemnot und hohes Fieber. Am LKH Bregenz wurden allein am letzten Wochenende fünf Kinder aufgenommen. „Mehr als voll“ ist auch die Pädiatrie am LKH Feldkirch. Dort warten 15 kleine Patienten auf Heilung.

Alle zwei Jahre

Aber die Krankheitswelle kommt nicht überraschend. „Wir haben damit gerechnet“, sagt Primar Dr. Burkhard Simma. Denn das RS-Virus tritt pünktlich alle zwei Jahre auf und zählt zu den klassischen Infektionen in der Übergangszeit. “ Zwischen November und März gibt es die meisten Erkrankungen“ , so Simma. Gefährdet sind vor allem Kinder unter zwei Jahren. Und da wiederum zählen ehemalige Frühgeborene sowie Kinder von Müttern, die rauchen, zu der am anfälligsten Personengruppe.

Am LKH Bregenz hat Primar Dr. Christian Huemer allerdings die Erfahrung gemacht, dass heuer “ kaum Kinder aus dieser Risikogruppe dabei sind“ . Im Gegenteil. Die meisten der jungen Patienten sind laut Huemer “ ganz normale“ Kinder, bei denen das Virus sogar eine Lungenentzündung auslöste. Ob der Erreger aggressiver geworden ist, lasse sich zwar nicht sagen. Offenbar habe sich jedoch seine Ansteckungsfähigkeit geändert.

Teuer, aber wirksam

Angesichts der vielen “ nicht typischen Risikofälle“ stellt sich für Huemer die Frage, ob künftig eventuell großzügiger geimpft werden soll. Denn Risikokinder erhalten in der kritischen Zeit einmal monatlich ein Serum gegen das RS-Virus verabreicht. Bei entsprechender Indikation übernimmt die Krankenkasse die relativ hohen Kosten von 579 bzw. 951 Euro pro Ampulle. Die Wirksamkeit ist mit 98 Prozent sehr hoch. Außerdem muss die Impfung lediglich zwei Saisonen lang gegeben werden. Dann hat sich das Abwehrsystem des Kindes meist stabilisiert. Zwar ist auch Christian Huemer “ nicht dafür“ , gesunde Säuglinge zusätzlich zu impfen. Er könnte sich aber eine bessere Erfassung der Risikogruppe und Verlängerung des Impfzeitraumes bis in das spätere Frühjahr vorstellen.

Bis zu einer Woche

Antibiotika zeigen bei der Behandlung des Respiratory Syncital Virus übrigens keine Wirkung. Die nützen nur bei Bakterien. Die Therapie beschränkt sich deshalb auf Infusionen, Sauerstoffzufuhr und Inhalationen. “ Wichtig ist, dass die Kinder gut atmen können und genügend Flüssigkeit bekommen“ , erklärt Burkhard Simma den Ablauf. In den meisten Fällen erfordert das einen Spitalsaufenthalt, der bis zu einer Woche dauern kann. “ Die Kinder sind wirklich sehr krank“ , verdeutlicht der Mediziner. Ein sofortiger Arztbesuch ist angezeigt, wenn das Kind schwer atmet.

STICHWORT: RS-Virus

Es handelt sich um die englische Abkürzung für Respiratory Syncitial Virus. In den Wintermonaten verursacht dieses Virus die meisten Fälle von akuter Bronchitis bei kleinen Kindern. Bei einer zusätzlichen Infektion mit Bakterien können lebensbedrohliche Zustände auftreten. Die meisten Kinder überstehen die Krankheit jedoch ohne bleibende Schäden.

Übertragen wird das RS-Virus vor allem durch Hautkontakt wie Schmusen. Babys unter sechs Monaten sollten generell von erkälteten Personen fern gehalten werden. Besondere Vorsicht ist bei durch eine Frühgeburt oder einen Herzfehler geschwächten Kindern geboten.

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