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Vielfalt und Lebensqualität im Quartier der Zukunft

23 Interessierte folgten der Einladung von Vision Rheintal sich über die innovative Stadtentwicklung in Tübingen zu informieren.
23 Interessierte folgten der Einladung von Vision Rheintal sich über die innovative Stadtentwicklung in Tübingen zu informieren. ©Vision Rheintal/Arno Meusburger
Vision Rheintal: Exkursion nach Tübingen zeigt innovativen Städtebau

Bregenz, 10. Mai 2010 – Die Siedlungsentwicklung ist eines der Kernthemen von Vision Rheintal. „Das Quartier der Zukunft” ist deshalb in diesem Jahr das Schwerpunktthema von Vision Rheintal. Mit einer Exkursion nach Tübingen und einer Vortragsreihe möchte Vision Rheintal Impulse für die Entwicklung „enkeltauglicher” Quartiere geben.

Wie kann trotz zunehmender Siedlungsdichte mehr Lebensqualität in Stadt- und Ortsteilen entstehen? 23 Raum- und Verkehrsplaner, Architekten, Politiker und Interessierte besichtigten am vergangenen Freitag auf Einladung von Vision Rheintal die deutsche Stadt Tübingen, die als Musterbeispiel für nachhaltige Quartiersentwicklung gilt.

Tübingen, eine Universitätsstadt mit 80.000 Einwohnern, hat sich bereits in den 90iger Jahren des 20. Jahrhunderts entschieden, die Siedlungsränder nicht weiter auszudehnen. Das umliegende Hügelland sollte als Naherholungsraum erhalten bleiben. Mit viel Engagement der Kommune und dem Mut zu innovativen Prozessen entstanden in den vergangenen 15 Jahren vielfältige und lebendige Quartiere, die heute trotz sehr hoher Siedlungsdichte als Wohn- und Arbeitsgebiete begehrt sind.

Innen vor Außen entwickeln
Auch im Vorarlberger Rheintal haben sich die 29 Gemeinden entschieden, die Siedlungsgrenzen zu halten. Um Wohnraum und Betriebsflächen zu schaffen, müssen deshalb die Ortszentren verdichtet und noch bestehende Bauflächen, Industriebrachen und Gebiete um die derzeit noch dünn besiedelten Bahnhöfe nachhaltig entwickelt werden.

Als Beispiel einer langfristigen Quartiersentwicklung nennt der Dornbirner Stadtplaner Stefan Burtscher den Dornbirner Bahnhofsbezirk: „Bereits in den letzten Jahren sind hier mehrere große Hochbauprojekte realisiert worden. Ein Wohnbauprojekt nördlich der Bahn, das ein gemeinnütziger und ein privater Bauträger gemeinsam realisieren, hat die soziale Ausgewogenheit zum Ziel.”

Außenräume nützen
Um auch im verdichteten Wohnbau größere Grünflächen sicherzustellen, hat die Stadtverwaltung angeordnet, dass die Baukörper beider Bauträger so positioniert sein müssen, dass ein zentraler Innenhof entsteht. „Solche Außenräume, die von den Bewohnern gemeinsam genutzt werden können, sind Begegnungsräume, die die Lebensqualität im Quartier fördern.” Möglichst wenig motorisierter Verkehr soll in der neuen Wohnanlage mehr Ruhe garantieren: Über einen direkten Fuß- und Radweg entlang der Bahnlinie werden sowohl der Hauptbahnhof als auch der Bahnhof Schoren innerhalb weniger Minuten erreichbar sein.

Dass Grünflächen und die Reduzierung des Verkehrs die Lebensqualität erhöhen, zeigen auch die neuen Stadtteile in Tübingen: „Im Masterplan für das Loretto-Areal, das Französische Viertel und das Mühlenareal haben wir im Bebauungsplan eine Blockrandbebauung vorgegeben”, erläutert Baubürgermeister Cord Soehlke. Durch die Anordnung der Baukörper an den Außenkanten der Baufläche, entstehen im Zentrum Innenhöfe. „Sie dienen als grüne Oasen und fördern durch die gemeinsame Nutzung das soziale Miteinander.”

Verkehr reduzieren
Eine weitere Vorgabe in Tübingen: Parkgaragen am Rande des Areals sollen den Verkehr im Kern des Quartiers reduzieren. „Jeder kann mit dem Auto bis zum Wohnhaus fahren und ein- und ausladen. Geparkt werden die Autos aber am Rand des Areals”, erklärt Soehlke. Das habe dazu geführt, dass so mancher Bewohner heute ganz auf das Auto verzichtet. Carsharing sei hier eine gute Alternative zum eigenen Auto. „Auch ich selbst besitze kein Auto. Der öffentliche Verkehr ist gut ausgebaut und alle alltäglichen Dinge bekommt man direkt im Areal. Ein Auto ist somit nur lästig.”

Gestaltungsspielraum
Das Loretto-Areal war Mitte der neunziger Jahre das erste städtebauliche Projekt in der Südstadt von Tübingen. Nach Abzug der französischen Garnison 1991 wurde im Süden der Stadt eine Fläche von 62 Hektar frei. Die Stadt erwarb das gesamte Areal als „städtebaulichen Entwicklungsbereich”.

Als innovativer Denkansatz liegt der Entwicklung dieser Stadtteile das Modell der Baugemeinschaften zugrunde. Mehrere Bauherren gemeinsam konnten eine Parzelle erwerben und darauf ihr eigenes Wohnhaus bauen – deutlich unter den Kosten für Bauträgerwohnungen in Tübingen. In städtischer Verdichtung entstanden so sehr individuelle und auf die Bedürfnisse der einzelnen Baugemeinschaft abgestimmte Baukörper.

Nach dem Vorbild des Loretto-Areals wurden mittlerweile auch das Französische Viertel, und das Mühlenviertel realisiert. „Die Bürger in dieser Form an der städtebaulichen Entwicklung zu beteiligen, ist eine hohe Anforderung an die Stadtverwaltung. Gut durchdachte Masterpläne, ein offenes Ohr und die Bereitschaft aus Erfahrungen zu lernen, sind wichtige Voraussetzungen, damit solche Entwicklungen gelingen”, weiß der Baubürgermeister aus Tübingen und ergänzt „und nicht zu vergessen – auch eine Portion Glück.”

Impulsgeber
Der Leiter der Vorarlberger Raumplanung Wilfried Bertsch sieht die Stadtentwicklung in Tübingen als Impulsgeber für das Rheintal: „In Tübingen wurde sehr gefühlvoll auf die Geschichte und die Wirkung der Orte Bezug genommen. Von den Beispielen können wir lernen, mehr in Stadträumen als in Gebäuden zu denken. Die Baugemeinschaften sind eine interessante Möglichkeit, die Bürgerinnen und Bürger verstärkt in die Entwicklung mit einzubeziehen und hohe Lebensraumqualität in dichter besiedelte Ortskerne zu bringen.”

Ebenfalls mit dem Thema „Das Quartier der Zukunft” beschäftigt sich heuer die Vortragsreihe „Rheintalgespräche”. Im Mai und Juni hat Vision Rheintal renommierte Referenten wie Corinna Heye, Angelus Eisinger und Matthias Drilling eingeladen. Sie werden Impulse geben, wie man Quartiere entwickeln kann, die auch für unsere Enkel noch lebenswert sind (siehe Factbox).

Infos:www.vision-rheintal.at

Factbox:

Rheintalgespräche „Das Quartier der Zukunft”

  • jeweils von 19.30 – 21.30 Uhr mit anschließendem Apéro
  •  
  • Eintritt frei
  •  
  • Nähere Informationen: www.vision-rheintal.at

_Dienstag, 24. Mai 2011: Corinna Heye „Sozialräumliche Polarisierung in urbanen Regionen”

Inatura Dornbirn

_Dienstag, 7. Juni 2011: Angelus Eisinger „Zukunftsfähige Stadt planen heißt Stadt gestalten”

Vorderlandhus Röthis

_ Dienstag, 21. Juni 2011: Matthias Drilling „Quartiere in der nachhaltigen Siedlungsentwicklung”

Kammgarn Hard

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