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Vieles ist nicht so wie es scheint

Julia Shaw gehört zu den führenden Forscherinnen zu falschen Erinnerungen.
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Julia Shaw (31) kann Menschen in drei Sitzungen falsche Erinnerungen einpflanzen. Ihre Erfolgsquote liegt bei 70 Prozent. Wieso sie das macht? „Ich wurde von Menschen unterrichtet, die falsche Geständnisse studiert und gezeigt haben, dass Menschen Straftaten gestehen, die sie nicht begangen haben. Dazu kam, dass auch Zeugen unzuverlässig sein können und dass sie auf unschuldige Menschen zeigen und sagen können, das ist der Mensch, der etwas Schlimmes getan hat“, erläutert die 31-Jährige, die  im Rahmen ihrer Doktorarbeit eine Studie zu diesem Thema durchgeführt hat. „Ich wollte verstehen, wie Menschen falsche Erinnerungen haben können, die zu falschen Geständnissen  führen können.“ Heute forscht Shaw am University College London (UCL) und berät Polizeibehörden, Militärorganisationen, Rechtsanwälte, Justiz und Unternehmen in deutsch- und englischsprachigen Ländern. Davor war sie unter anderem Universitätsdozent in an der London South Bank University.

Im täglichen Leben

Die falschen Erinnerungen stellen vor allem in der Juristerei in hochrelevantes Thema dar. liegt die Tat beispielsweise Jahre zurück, könne es sein, dass es keine entsprechenden Beweisstücke mehr gibt. Außerdem werden Menschen laut Shaw schlecht befragt. „In Teilen von Amerika beispielsweise kommen Polizisten teilweise mit falschen Beweisen und lügen diesen Menschen an. Dadurch passiert es eher, dass dieser Mensch an sich selber zweifelt und sagt: „Vielleicht ist es doch passiert“, führt die 31-Jährige aus. Auch im täglichen Leben schleichen sich ständig falsche Erinnerungen in unser Gedächtnis. „Falsche Erinnerungen fühlen sich wahnsinnig echt an. Wir alle haben falsche Erinnerungen, kleine, manche große. Meistens wissen wir gar nicht, dass wir sie haben“, betont die Rechtspsychologin. Das sei deshalb möglich, weil wir in unserem Gehirn neuronalen Netzwerke haben, die unsere Erinnerungen zusammenbauen. Das Gedächtnis sei für Abstraktion gebaut worden. „Das heißt, wir sind wahnsinnig gut dar in, im Großen und Ganzen zu sagen, dieses Ereignis ist passiert, aber uns an die genauen Details zu erinnern, das fällt uns ganz oft schwer.“ Beispiel soziale Netzwerke: Wir stellen uns darin absichtlich nicht so dar, wie wir sind. Wir versuchen ein bestimmtes Image darzustellen und kreieren absichtlich ein gefälschtes oder gefiltertes Leben. „Irgendwann glauben wir das vielleicht“, sagt Julia Shaw und verweist auf Studien, die zeigen, dass wir uns um 15 Prozent attraktiver einschätzen, als wir tatsächlich sind. Keine unwesentliche Rolle spielen auch Fotos. „Wenn ich e in Foto mache, sagt mein Gehirn, da muss ich mich nicht daran erinnern, da habe ich ein Foto gemacht.“ Die meisten Menschen seien überzeugt, dass ihnen das nicht passieren kann. Wir seien immer unsere liebsten Experten, vor allem was unser eigenes Leben betrifft. „Wir überschätzen unser eigenes Gedächtnis, wir überschätzen, wie schnell wir  in Gedächtnisfallen reinfallen“, so Shaw. Ihr Tipp: „Sei- en Sie bitte bewusste Konsumenten von Technologien, seien Sie s ich bewusst, dass Ihr Gedächtnis ganz einfach manipuliert werden kann, auch von Ihnen selbst.“ Außerdem rät sie, den Momenten, die für uns wichtig sind, mehr Aufmerksamkeit zu schenken und Details aufschreiben. „Oder annehmen, dass die wichtigen Details vergessen werden.“

ZUR PERSON
JULIA SHAW
ist Rechtspsychologin und Autorin
GEBOREN 1987 in Köln
AUSBILDUNG Psychologie-Studium an der Simon Fraser University, Master of Science in Psychologie und Rechtswissenschaften in Maastricht, Promotion an der University of British Columbia

UMFRAGE
Wie hat Ihnen der Vortrag gefallen? 

  • Die Ausführungen von Frau Shaw spiegeln an und für sich unsere Realität wider. Sie spricht uns aus der Seele, gerade in Bezug auf unsere unterdrückten Ängste. Wir sollten mehr zu unseren Ängsten stehen, wir selbst sein und die Probleme anpacken. Adnan Dincer, AK Vorarlberg
  • Ich habe den Vortrag von Frau Shaw als recht erfrischend erlebt. Das Gedächtnis und seine Beeinflussung ist ein spannendes Thema, insbesondere da man sonst keinerlei Berührungspunkte mit dieser Thematik hat. Mag. Michaela Wagner-Braito, Lebenshilfe Vorarlberg
  • Das war der beste Vortrag. Ganz interessant war, wie manipulierbar wir eigentlich sind. Je mehr digitale Einflüsse wir aufnehmen, desto manipulierbarer werden wir. Gerade in Bezug auf Kinder stimmt mich das nachdenklich. Sigrid Brändle, Stadtvertreterin Hohenems

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