"Video-Nazi" prügelte auf der Messe

Schwarzach - Nur zwei Tage nachdem die Vorarlberger Protagonisten des auf YouTube aufgetauchten Nazi-Videos vom Dienst beim Bundesheer enthoben wurden, ist einer der jungen Männer Samstagnacht wieder auffällig geworden.  | Amtsbekannt | Messebilanz

Dieses Mal aber nicht in einer Videoaufzeichnung, sondern „live” auf der Dornbirner Messe, wie die „VN” exklusiv in Erfahrung brachten.

Der 19-jährige Dornbirner Skinhead mit dem tätowierten Hakenkreuz am Bein muss nach der Sperrstunde von Polizeibeamten aus dem Wirtschaftszelt geworfen werden. Draußen gerät der Betrunkene um 1.20 Uhr in der Nacht auf gestern an einen ebenfalls alkoholisierten Widersacher. „Es ging um die Freundin des 19-Jährigen”, sagt Messe-Polizei-Chef Mike Haider. Nach der Aufforderung des Skinheads „Lass meine Freundin in Ruh‘” kommt es zur Schlägerei vor dem Abendeingang. Die betrunkenen Männer schlagen aufeinander ein, würgten sich und zerreisen einander die Kleidung – bis die Polizei dazwischen geht, die aggressiven Schläger am Boden fixiert. Als die Handschellen klicken, legt der Skinhead richtig los.

„Heil Hitler” brüllt der Mann mit den kurzgeschorenen Haaren, als er von Polizisten zurück in die Halle geschleift wird. Die Beamten beschimpft er wüst, dazwischen skandiert der Mann mit nacktem Oberkörper laut Polizei immer wieder rechtsextreme Parolen.

Die Polizisten attestieren dem amtsbekannten Skinhead mit Kontakten zur rechtsextremen Szene „sehr hohes” Aggressionspotential. Einen Alkotest verweigerte der Mann in der Tatnacht. Da der Dornbirner aber auch während der Vernehmung die Polizisten rüde beschimpfte und bedrohte, muss er nun mit einer ganzen Flut an Anzeigen rechnen: „Körperverletzung, Ordnungstörung, gefährliche Drohung und Beleidigung – außerdem wird er wegen den Hitlergrüßen nach dem Verbotsgesetz angezeigt”, so Mike Haider. Als ihn die Polizisten von dannen ziehen ließen, verabschiedete sich der Schläger provokativ mit „Heil Hitler”. Ob der zweite Vorarlberger Rekrut aus dem Nazi-Video, ein 20-jähriger Mann aus St. Gerold, ebenfalls bei dem Vorfall auf dem Messegelände anwesend war, ist laut Polizei nicht bekannt.

Die vier im Fall des Nazi-Videos einvernommenen Verdächtigen wurden vom Dienst beim Bundesheer enthoben, gegen sie wurden Disziplinarverfahren eingeleitet. Auch erfolgten Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft. Verteidigungsminister Norbert Darabos will die Vorfälle diese Woche bei einer österreichweiten Kommandantenbesprechung des Bundesheeres zur Sprache bringen.

Von Einsicht ist beim 19-jährigen Dornbirner zumindest keine Spur. Gegenüber der Polizei prahlte der Angetrunkene, er sei jetzt ein „Medien-Star” – und stolz darauf.

Dem 19-jährigen droht nun eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren wegen Wiederbetätigung. Generell gibt es in Vorarlberg rund 40 Skinheads die öfters negativ auffallen. Es handle sich aber um keine politisch aktiven Gruppierungen, so Hans Peter Ludescher.

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