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Verschlossen-offen

"Ich mag die Reduktion auf wenige Materialien. Das gibt mir Ruhe, Klarheit, das bin ich." (Sabine Venier, Bauherrin)
"Ich mag die Reduktion auf wenige Materialien. Das gibt mir Ruhe, Klarheit, das bin ich." (Sabine Venier, Bauherrin) ©Benno Hagleitner
Rankweil - Für die einen soll ein Haus geschützter Ort der Ruhe sein, für den intimen Rückzug von der Welt. Andere mögen es so offen wie möglich, mit viel Licht und Luft, wollen mit der Umgebung in Verbindung sein. Sabine Venier wollte das eine wie das andere und fand Architekten, die diesen Wunsch mit ihr verwirklichten.
Haus Sabine in Rankweil

Für mich war klar, dass es ein Holzhaus werden soll. Ich bin so aufgewachsen. Meine Eltern haben vor 43 Jahren mit Rudolf Wäger, einem Vorarlberger Pionier in Sachen Holzbaukunst, ein Haus gebaut, so eine richtige „Kiste“. Das war damals revolutionär. Die Leute sagten: „Mei, die wohnen im na‘ Stall.“ Aber die Zeit hat diesem reduzierten Entwurf recht gegeben. Das Konzept stimmt heute noch für meine Eltern: ein sehr offener Grundriss, eine lebensnahe und praktische Gestaltung. Nur ganz geringfügige Änderungen sind seither passiert. Für mich und meine Schwestern war dieses Haus prägend. Es interessiert mich, was im Land gebaut wird, was Neues entsteht. Vor einigen Jahren habe ich dann beschlossen, selbst zu bauen. Ich habe einen Zeitungsbericht über ein prämiertes Haus entdeckt und mir gedacht: Das gefällt mir – und hab den Architekten ein E-Mail geschrieben.“„Mit Dir würde ich gern ein Haus bauen“, konnte Architekt Andreas Stickel damals lesen, als er die Mitteilung öffnete. Und er freut sich heute noch über diese nicht gerade alltägliche Anfrage. Ein Treffen mit ihm und Architekt Rainer Huchler wurde daraufhin vereinbart und ohne viel Wenn und Aber mit der Arbeit am Entwurf begonnen. Es ist ein formal kompaktes und zugleich in seiner Wirkung großzügiges Haus geworden. Wir sitzen am Tisch im Ess- und Küchenzimmer, das sich fast überraschend hinter einem Raumteiler vom Wohnbereich aus nach Süden öffnet. Hochwertiges Kochen und genussvolles Essen gehören für Sabine als Slow Food-Freundin so selbstverständlich zu einer lebendigen Kultur des Alltags wie gute Architektur und so definierte sie die Küche von Anfang an als Herz des Hauses: „Und das hat sich auch bewährt. Denn was nützt ein Riesenwohnzimmer, in dem dann niemand sitzt?“ Die gewünschte Betonung dieses Raums wurde architektonisch gekonnt umgesetzt. „Es mangelt in eingeschoßigen Häusern oft an räumlicher Weite“, sagt Andreas. Und so wurde hier eine Höhe von vier Metern gewählt. Das bewirkt ein angenehm luxuriöses Gefühl und es ermöglichte zudem ein Oberlichtband nach Osten, durch das (zumindest an weniger nebligen Tagen als diesem) die Morgensonne scheint. Heute tauchen stattdessen die behutsam ausgewählten Hängeleuchten den Essbereich in gemütlich warmes Licht. Unter dem weit auskragenden Vordach setzt sich der Raum noch gut vier Meter hinaus ins Freie fort. Das ist in den wärmeren Monaten der Lieblingsplatz, bei Regen oder Sonnenschein. Im Hochsommer schirmt das Dach zudem die Mittagssonne ab, was bei der großflächigen Verglasung vor Überhitzung schützt. Nicht nur was die Orientierung zur Sonne betrifft, ist die raumklimatische Konzeption des Hauses ausgetüftelt. Als pensionierter Lüftungstechniker stand der Vater der Bauherrin mit Rat und Tat zur Seite. Unter anderem entwickelte er im Vorfeld zwei Prototypen für die Schiebeläden, um die ideale Position der Lärchenlatten zur Verschattung auszutesten. Andreas schwärmt von der Intensität, mit der von allen Seiten an dem Projekt gearbeitet wurde: „Bei diesem Haus haben alle sehr partnerschaftlich und eng zusammengearbeitet. Es gab über alle Schritte intensive Verständigung und Rücksprache, vor allem auch mit den Handwerkern.“ Das war wohl deshalb so gut möglich, weil fast nur Betriebe aus der unmittelbaren Umgebung beauftragt wurden. Vor allem mit der Zimmerei war der Austausch intensiv. Die teils im Betrieb vorgefertigten Wand- und Deckenelemente des Holzbaus mussten zuvor wohlüberlegt und geplant werden und auch die Konstruktion der wandelbaren Fassade aus Lärchenholz, die den offen-verschlossenen Charakter des Hauses ausmacht, setzte gute Kommunikation und handwerkliche Präzision voraus.

„Ich dachte ursprünglich, ich wüsste genau, was ich will“, erinnert sich Sabine zurück an die Anfangszeit des Bauvorhabens, „aber so ein Haus muss entwickelt werden. Es ist ein Prozess, man muss sich mit vielen Dingen auseinandersetzen. Und vor allem muss man ja den Architekten erst vermitteln, was man will, wer man ist!“ Dass Sabine Venier diese Aufgabe gemeinsam mit Andreas Stickel und dem Büro Marte-Huchler sehr gut gelungen ist, bestätigten ihr Freunde unlängst mit einem schönen Kompliment: „Des Huus passt einfach zu dir, Sabine.“

Daten & Fakten

Objekt: Haus Sabine, Rankweil
Eigentümerin/ Bauherrin: Sabine Venier
Architektur: Andreas Stickel Architektur (Bregenz) in Zusammenarbeit mit Marte- Huchler Architektur (Muntlix)
Statik: Mader & Flatz, Bregenz
Ingenieure/ Fachplaner: Müllner – Energieberatung & Haustechnik, Dornbirn, Hans Tschernig/Christian Dobler
Planung: April 2008–April 2009
Ausführung: April 2009–November 2009
Grundstücksgröße: 755 m²
Wohnnutzfläche: 140 m²

Bauweise: Tragende Bauteile: Konstruktionsvollholz; Wände: Holzriegelkonstruktion, gedämmt (26 cm Zellulose, 12 cm Steinwolle); Decken: Massivholzdielen, Holzfaserdämmung; Dachkonstruktion hinterlüftet; Fassade: heimische Lärche, sägerau lasiert; nicht unterkellert; Fußböden: Natursteinboden aus sandgestrahltem Jura-Kalksandstein; Heizung: Wärmepumpe mit Erdsonde, Fußbodenheizung; Fenster: Fichtenholzfenster

Besonderheiten: Fassade durch Schiebeelemente vollständig verschließbar; Möblierung aus geräucherter, klarlackierter Eiche

Ausführung: Zimmerer: Holzbau Marte, Rankweil; Baumeister: i+R Schertler-Alge, Lauterach; Fenster: Böhler, Wolfurt: Türen/Läden: Tischlerei Gerold Matt, Laterns; Innenausbau: Milan Montagen, Rankweil; Böden: SES Sahin Erol, Bregenz; Heizung/Lüftung: Dobler Installationen, Rankweil und Ender Klima, Altach; Elektro: Kollmann, Rankweil; Spengler/Dach: Tectum Hohenems

Energieverbrauch: 16,8 kWh/m² im Jahr (2012)

Quelle: VN/ Leben & Wohnen

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