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Vermehrt Noroviren-Erkrankungen in Vorarlberg: Das muss man wissen

Oberärztin Gabriele Hartmann erklärt alles rund um Noroviren.
Oberärztin Gabriele Hartmann erklärt alles rund um Noroviren. ©Bilderbox, KHBG
Seit Ende der Adventszeit gibt es auffallend viele Erkrankungen aufgrund von Noroviren in Vorarlberg. Eigentlich sind diese vor allem im Herbst und Frühjahr aktiv. Wir haben Tipps, wie sie verschont bleiben.

Seit Ende der Adventszeit beobachten die Krankenhäuser ein gehäuftes Vorkommen von Noroviren in Vorarlberg. Die Diagnosestellung erfolgt über Stuhlproben, die an das Institut für Pathologie geschickt werden. Oberärztin Gabriele Hartmann, Mikrobiologin am Institut für Pathologie am LKH Feldkirch sowie Leiterin des Instituts für Krankenhaushygiene und Infektionsvorsorge, erklärt womit man es zu tun hat und gibt Tipps zur Vorsorge:

Was sind Noroviren?

Noroviren (NV) befallen alle Altersgruppen und können zu Erkrankungen mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen. Grundsätzlich ist eine NV-Erkrankung harmlos, nach 24 Stunden sind ansonsten gesunde Personen normalerweise wieder fit.

Infektionen mit Noroviren gelten heute als häufige Ursache nichtbakterieller akuter Gastroenteritis-Ausbrüche (Brechdurchfall) weltweit. Noroviren sind sehr resistent gegenüber Umwelt- und Desinfektionsmitteleinflüsse und bis heute ist es nicht gelungen, sie anzuzüchten. Das Norwalkvirus wurde 1972 nach einem viralen Gastroenteritis-Ausbruch in Norwalk (Ohio) elektronenmikroskopisch als eigenständige Spezies bestimmt. Die Viren sind weltweit verbreitet und überleben Temperaturschwankungen von -20 bis +60 Grad. Typische Jahreszeiten für gehäuftes Auftreten von Brechdurchfällen aufgrund von Noroviren-Infektionen sind eigentlich Herbst und Frühjahr.

Wie werden sie übertragen?

Das einzige bekannte Reservoir (Lebenwesen, in denen Krankheitserreger gedeihen und von denen Ansteckungen ausgehen) ist der Mensch. Sie sind für einen Großteil der nicht bakteriell bedingten Gastroenteritis-Ausbrüche (Brechdurchfall) bei älteren Kindern und bei Erwachsenen verantwortlich. Die Viren werden über Stuhl und Erbrochenes ausgeschieden und die Übertragung erfolgt vorwiegend fäkal-oral, bzw. über Tröpfchen von Mensch zu Mensch. Es sind jedoch auch Nahrungsmittel-assoziierte Epidemien bekannt, zum Beispiel rohe Meeresmuscheln. Die Infektiosität ist, mit einer minimalen Infektionsdosis von nur 10 bis 100 Viruspartikeln, sehr hoch.

Symptome einer Infektion?

Nach einer Inkubationszeit von 1 bis 3 Tagen beginnt die Erkrankung akut mit schwallartigem Erbrechen, gefolgt oder begleitet von Durchfall, was zu einem erheblichen Flüssigkeitsverlust führen kann. Ausgeprägtes Krankheitsgefühl mit abdominalen Schmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen und Mattigkeit sind möglich. In Gesundheitseinrichtungen sind typischerweise nicht nur die Patienten, sondern auch das Personal betroffen.

Die Dauer der Erkrankung beträgt 12 bis 72 Stunden. Sie hinterlässt nur eine partielle Immunität, so dass wiederholte Erkrankungen mit demselben Genotyp möglich sind. Leichte oder asymptomatische Verläufe sind nicht selten.

Wie lange besteht Ansteckungsgefahr?

Personen sind besonders während der akuten Erkrankung und mindestens bis zu 48 Stunden nach den letzten Krankheitsanzeichen ansteckungsfähig. In Einzelfällen konnten jedoch auch noch Wochen bis Monate nach der akuten Erkrankung Noroviren im Stuhl nachgewiesen werden. Ins Krankenhaus kommen nur schwerere Einzelfälle wie Personen mit Abwehrschwäche zur Behandlung.

Wie stellt man fest, ob man betroffen ist?

Die Untersuchung von Stuhlproben mittels PCR (Polymerase-Kettenreaktion) gilt als der Goldstandard der Noroviren-Diagnostik. Bei Einsatz moderner PCR-Verfahren, verbunden mit einer automatisierten Probenvorbereitung, ist die Untersuchung vieler Stuhlproben bei kürzester Untersuchungsdauer möglich. Zur Untersuchung senden beispielsweise niedergelassene Ärzte die Stuhlproben ihrer Patienten an unser molekularbiologisches Labor am Institut für Pathologie ein. Die Diagnosestellung dauert nach Eintreffen der Probe zirka einen Tag.

Was können Betroffene und Betreuungspersonen tun?

Eine spezifische Therapie, zum Beispiel über antivirale Medikamente, gibt es nicht. Die Behandlung erfolgt symptomatisch, besonders durch Ersatz des zum Teil erheblichen Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes.

Im Fall einer Erkrankung wird zu Bettruhe und Flüssigkeitsaufnahme geraten sowie im akuten Stadium nicht zur Arbeit zu gehen, um eine Ansteckung der Kollegen zu vermeiden. Die Erkrankung ist hochinfektiös (z.B. Tröpfchen beim Erbrechen) – somit ist es für betreuende von Erkrankten schwierig, sich zu schützen. In Gesundheitsinstitutionen wird daher unter anderem ein Mundschutz verwendet. Auch gründliches Händewaschen nach Kontakt mit Erkrankten vermindert das Risiko einer Infektion.

Eine Prophylaxe in Form einer Impfung gibt es zurzeit noch nicht. Von grundsätzlicher Bedeutung ist daher die strenge Einhaltung der allgemeinen Hygieneregeln insbesondere der Händedesinfektion in Gemeinschaftseinrichtungen und Küchen.

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