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Vatikan will Gericht gegen Vertuschung von Missbrauch gründen

Neue juristische Instanz soll Bischöfe belangen können.
Neue juristische Instanz soll Bischöfe belangen können. ©AP
Papst Franziskus hat der Schaffung eines Gerichts zur Ahndung der Vertuschung von Missbrauchsfällen durch Bischöfe zugestimmt. Das Oberhaupt der katholischen Kirche folge damit einer Empfehlung des neugegründeten Gremiums gegen sexuellen Missbrauch durch Geistliche, gab der Vatikan am Mittwoch bekannt.
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Zuletzt war der Finanzchef des Vatikans, der australische Kurienkardinal George Pell, wegen angeblicher Vertuschung in das Visier von Ermittlern in seinem Heimatland geraten. Den Angaben zufolge sollen im vatikanischen Strafrecht die Tatbestände des “Missbrauchs des Bischofsamts” und der “Verletzung der Amtspflichten” geschaffen werden. Das Gericht soll demnach bei der Glaubenskongregation angesiedelt sein und Bischöfe belangen können, die Fälle sexuellen Missbrauchs durch Geistliche in ihren Diözesen vertuschten. Dies fordern Missbrauchsopfer bereits seit langem.

Papst treibt neues Gericht schnell voran

Nach Angaben des Vatikans ordnete der Papst bereits die Benennung von Personal für das neue Gericht an. Beschwerden sollen demnach bei der Bischofs-, der Evangelisierungs- und der Ostkirchenkongregation, den drei für die Bischöfe in der Welt zuständigen Institutionen des Kirchenstaats, eingereicht und von diesen weitergeleitet werden. Für die neue Einrichtung solle zudem ein eigener Sekretär ernannt werden.

Vatikanischer Finanzchef im Visier

Die katholische Kirche wird seit Jahren durch zahlreiche Missbrauchsfälle weltweit erschüttert. Hunderte Geistliche wurden ihrer Priesterämter enthoben. Zuletzt richtete sich die Aufmerksamkeit auf den vatikanischen Finanzchef Pell, der von einer australischen Untersuchungskommission zu einer Anhörung wegen der angeblichen Vertuschung von Missbrauch vorgeladen wurde.

In dem Verfahren geht es um Vorwürfe des Australiers David Ridsdale, im Alter von elf Jahren von seinem Onkel, dem katholischen Priester Gerald Ridsdale, missbraucht worden zu sein. Der Geistliche soll sich in den Jahren 1950 bis 1980 an mindestens 50 Buben vergangen haben, bevor er im Jahr 1993 aufflog und zu einer Haftstrafe verurteilt wurde.

Der Neffe sagte aus, er habe sich Pell im Jahr 1993 anvertraut. Dieser habe ihn daraufhin gefragt, für welchen Geldbetrag er die Vorwürfe für sich behalten würde. Zudem soll Pell die Versetzung des Onkels zwischen Gemeinden gefördert haben. Pell, seit gut einem Jahr Chef des neuen vatikanischen Finanzministeriums, bestreitet sämtliche Vorwürfe.

Gegen Vertuschung von Missbrauch

Papst Franziskus geht seit seinem Amtsantritt entschlossen gegen Kindesmissbrauch vor. Die Einrichtung der neuen Instanz gilt als weiterer wichtiger Schritt im Kampf gegen Missbrauch. Damit soll es zukünftig leichter werden, Bischöfe für die Vertuschung von Missbrauchsfällen in der Kirche zur Verantwortung zu ziehen.

(APA)

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