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"Vancouver war ein Traum!"

Mit den zwei Bronzemedaillen bei den Paralympics ging für Bonadimann ein Traum in Erfüllung.
Mit den zwei Bronzemedaillen bei den Paralympics ging für Bonadimann ein Traum in Erfüllung. ©Laurence Feider
Bronze für Bonadimann

Der Dornbirner Doppel-Bronzemedaillen-Gewinner Philipp Bonadimann über die Paralympics 2010.

Dornbirn. Allein mit der Teilnahme an den Paralympics 2010 in Vancouver ist für den Behindertensportler Philipp Bonadimann ein Traum in Erfüllung gegangen. Dass er von seinem Olympia-Debüt gleich mit zwei Medaillen nach Hause fahren würde, hätte er sich jedoch nicht zu träumen gewagt.

VN: Wie ist es bei so einem Großevent dabei zu sein?
Bonadimann: Das ist einfach ein “brutales” Gefühl. Schon bei der Eröffnungsfeier wo wir vor 50000 Menschen mit der österreichischen Fahne ins Stadion gerollt sind, haben wir Gänsehaut bekommen. Auch das olympische Motto “Dabei sein ist Alles” hat was für sich. Im Olympischen Dorf herrscht eine ganz besondere Stimmung, alle sind auf dem gleichen “Trip”.

VN: Wie wurde das österreichische Team in Vancouver aufgenommen?
Bonadimann: Wir waren 19 Sportler aus ganz Österreich, davon fünf aus Vorarlberg. Die Kanadier haben uns sehr offen und herzlich aufgenommen. Der ganze Ablauf war straff organisiert. Insgesamt waren neben 25000 Angestellten, 25000 Volunteers am reibungslosen Ablauf beteiligt. Jedes Mal, wenn ein österreichischer Sportler eine Medaille gemacht hat, wurde das gemeinsam im Österreich-Haus bei Wiener Schnitzel & Co gefeiert. Die Infrastruktur war perfekt, es gab rund um die Uhr gratis Essen und Trinken und pausenlose Betreuung. Von den 400 Dollar die ich bei der Ankunft gewechselt habe, habe ich keinen Cent gebraucht.

VN: Welchen Stellenwert hat der Behindertensport in Kanada?
Bondimann: Die Menschen in Kanada waren uns gegenüber sehr freundlich und zuvorkommend. Wir haben das Gefühl bekommen, dass behinderte Menschen dort besonders wertgeschätzt werden. Alle Gebäude sind behindertengerecht, die Menschen aufgeschlossen und ohne Berührungsängste. Bei den Wettkämpfen in Whistler haben uns 3000 Menschen im Zielstadion angefeuert und sich mit uns gefreut. Das ist für uns im Behindertensport ganz ungewöhnlich. Da bekommt man oben am Start schon das “Zittern” vor lauter Ehrfurcht.

VN: Wie zufrieden sind Sie mit ihren sportlichen Leistungen?
Bonadimann: Ich habe im Vorfeld schon sehr viel investiert um mich für Vancouver zu qualifizieren. Ich bin nach Kanada geflogen mit dem klaren Ziel meine persönliche Bestleistung zu geben und wenn möglich eine Medaille, egal in welcher Farbe, zu gewinnen. Dass alles so gut aufgegangen ist, ist für mich immer noch unglaublich. Die zwei Bronzemedaillen im Slalom und in der Super-Kombi sind meine absoluten sportlichen Höhepunkte. Das Gefühl ist unbeschreiblich, ich glaube, ich habe es immer noch nicht ganz realisiert.

VN: Gab es einen persönlichen schönsten Moment?
Bonadimann: Der schönste Moment war für mich, als ich auf dem Podest war und sich alle Teamkollegen bedingungslos mit mir gefreut haben. Da war keine Spur von Neid, nur reine Freude. Jeder von uns hat den gleichen “Scheiß” durchgemacht, deshalb gibt es eine gegenseitige Wertschätzung und Kollegialität die so im Sport nicht selbstverständlich ist.

VN: Wie ist die Resonanz im Ländle nach Ihrer Rückkehr aus Vancouver?
Bonadimann: Seit unserer Rückkehr gibt es keinen Alltag mehr. Bereits am Flughafen wurden wir herzlich empfangen. Der Skiclub Kehlegg hat mich mit einem großen Transparent erwartet, der Obmann Günter Stoß hat sich unglaublich mit mir gefreut. Die ersten Tage gab es einen riesengroßer Rummel mit viel Medienterminen und Empfängen. Diese Wertschätzung ist etwas ganz Besonderes. Ich glaube, dass die Paralympics in Vancouver auch ein Meilenstein im Behindertensport waren. Noch nie wurde so viel über darüber in den Medien berichtet. Dadurch wurde der Stellenwert des Behindertensports insgesamt gesteigert.

VN: Welche sportlichen Herausforderungen stehen als Nächste an?
Bonadimann: Im Oktober werden wir mit einem Viererteam beim Race Across Australia dabei sein. Unser Ziel lautet die 4000 Kilometer und 12000 Höhenmeter nonstop in 7 Tagen mit dem Handbike zurückzulegen und damit den Weltrekord des nichtbehinderten Radprofis Gerhard Gulewicz zu brechen. Auf der eigens eingerichteten Homepage www.raaus.at kann man durch den Kauf von Streckenmetern das Projekt unterstützen. Mit diesem Geld möchte das Handbikerteam auch karitative Projekte in Österreich und Australien unterstützen.

Zur Person:
Philipp Bonadimann
Geboren: 24.7.1980
Wohnort: Dornbirn
Verein: RC-ENJO Vorarlberg
Beruf: Verwaltungsangestellter bei der VGKK
Größte sportliche Erfolge im Monoski: 2009 Europacup Gesamtsieger
2010: 4. Platz im Weltcup, drei österreichische Meistertitel, Bronze im Slalom und in der Super-Kombi bei den Paralympics 2010 in Vancouver

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