USA: Truppenreduktion in Europa und Asien

Die USA werden im Zuge einer weltweiten Umstrukturierung ihrer Streitkräfte auch einen Teil ihrer Truppen aus Deutschland abziehen. Das deutsche Auswärtige Amt erklärte, es habe mehrere Konsultationsrunden zwischen den USA und Deutschland gegeben.

Zeitungsberichten zufolge wird Deutschland am stärksten von dem Rückzug betroffen sein, der europaweit auf 45.000 Soldaten geschätzt wird. Nach Angaben aus der US-Regierung wollte Präsident George W. Bush die Pläne am Montag um 17.00 Uhr (MESZ) bei einer Rede vor Veteranen im Bundesstaat Ohio bekannt geben.

„Es wird eine Verlegung aus Deutschland geben, und wir haben darüber und über Zahlen mit Deutschland gesprochen. Sie machen das Gleiche, sie passen ihre Streitkräfte an und sie verstehen das“, sagte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Sonntag Reportern während seiner Rückkehr von einer Reise nach Europa und Asien. Die Entscheidung über eine Verlegung von Truppen werde sich über einen Zeitraum von „vier, fünf, sechs Jahren“ hinziehen. Konkrete Zahlen zur Truppenreduzierung nannte er nicht.

Die USA haben nach deutschen Angaben bei ihren Truppenabzugsplänen die Bedenken der betroffenen deutschen Bundesländer berücksichtigt. Die Bundesländer seien in die ständigen Konsultationen zwischen deutscher und amerikanischer Regierung einbezogen worden, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts am Montag in Berlin. Die US-Regierung habe die deutsche Seite in mehreren Gesprächen – zuletzt Ende Mai – über den Stand ihrer Truppenplanungen informiert, sagte die Sprecherin. „Es gab auch jetzt immer wieder ständig Kontakt.“

Derzeit sind gut 100.000 US-Soldaten in Europa stationiert, davon mehr als 70.000 in Deutschland. Die US-Streitkräfte sind als Arbeitgeber für Zivilbeschäftigte und Auftraggeber für heimische Betriebe ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor. Insgesamt sollen rund 70.000 US-Soldaten aus Asien und Europa abgezogen und damit die größte Umstrukturierung der US-Truppen seit Ende des Kalten Krieges vollzogen werden.

Die „Financial Times“ berichtete, die USA wollten ihre 1. Panzerdivision in Wiesbaden und die 1. Infanteriedivision in Würzburg abziehen. Darüber hinaus würden 13 US-Einrichtungen in der Nähe der hessischen Städte Gießen und Friedberg geschlossen. Außerdem werde sich die US-Luftwaffe von ihrer Rhein-Main Air Base in Frankfurt zurückziehen und ihre Streitkräfte an den beiden rheinland-pfälzischen Stützpunkten Ramstein und in Spangdahlem konzentrieren. Weiter berichtete das Blatt unter Berufung auf US-Regierungsvertreter, die USA hätten große Anstrengungen unternommen, die Bedenken der deutschen Regierung hinsichtlich der Nachteile des Abzugs zu zerstreuen. Es werde eine neue US-Brigade leicht bewaffneter Stryker-Fahrzeuge stationiert sowie bestehende Trainingseinrichtungen verstärkt.

Vor allem für die süddeutschen Bundesländer ist es wichtig, Klarheit über die US-Pläne zu bekommen. Denn sie sind sowohl vom amerikanischen Truppenabzug betroffen als auch von den geplanten Standortschließungen der deutschen Bundeswehr. Bis zum Jahresende will Verteidigungsminister Peter Struck bekannt geben, welche weiteren 100 Standorte geschlossen werden sollen. Die Bundeswehr-Entscheidungen laufen nach den Worten eines Ministeriumssprechers grundsätzlich „rein nach militärischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten ab“.

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) befürchtet, „dass Bayern sehr viele Soldaten verlieren wird“, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Konkret nannte er die Standorte in Würzburg und Kitzingen. Zum genauen Ausmaß des Abzugs könne er noch nichts sagen. Er werde aber dafür kämpfen, dass möglichst viele US-Soldaten bleiben. Dabei begrüßte er besonders den geplanten Ausbau der Standorte in Grafenwöhr und Hohenfels.

Die Pläne der USA sind im Groben bereits länger bekannt, über konkrete Zahlen und Zeitabläufe herrscht noch Unklarheit. Die US-Regierung argumentiert, mit dem Ende des Kalten Krieges sei eine geballte Truppenstationierung im Herzen Europas unnötig geworden. Neue Aufgaben wie der Kampf gegen den Terrorismus erforderten eine Umstellung auf flexible, sehr mobile kleinere Einheiten.

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