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USA: Gläubigerschutz über Refco-Teil

Der auf Terminkontrakte spezialisierte US-Broker Refco Inc hat in der Nacht auf Dienstag Insolvenzantrag auf einen Teilbereich gestellt und sich damit zugleich unter Gläubigerschutz ("Chapter 11") begeben.

Das Unternehmen gab heute weiters eine vorläufige Vereinbarung über den Verkauf seiner Futures-Sparte an den Finanzinvestor J.C. Flowers & Co LLC bekannt. Flowers will für die Kernsparte 768 Mio. Dollar (639 Mio. Euro) zahlen. Noch steht nicht fest, ob der Deal auch wirklich zu Stande kommt, eine Entscheidung soll in Kürze fallen.

Auslöser der Liquiditätsprobleme von Refco waren Not leidende Kredite im Volumen von 425 Mio. Dollar, die der inzwischen beurlaubte frühere Refco-Manager Phillip Bennett versteckt haben soll. In den sich ausweitenden Finanzskandal sind auch europäische Geldhäuser verstrickt, darunter die österreichische Gewerkschaftsbank BAWAG P.S.K. Das Wiener Institut hatte an Refco einen Kredit von 425 Mio. Euro vergeben. Da es sich um einen mit Refco-Aktien abgesicherten Lombard-Kredit handelt, muss die Bank mit einem hohen Verlust rechnen, erwarten Experten.

Ein weiterer Gläubiger ist die Deutsche Bank. Zusammen mit Credit Suisse und Bank of America hat sie für Refco eine Kreditlinie eingerichtet. Der Flowers-Gruppe gehört nach Informationen des „Wall Street Journal“ der Finanzinvestor Texas Pacific Group an. Ob es zu dem Verkauf kommt, ist vorläufig ungewiss. Die Auktion wird von der Bank Greenhill & Co geleitet. Der Konkursrichter muss den Kauf noch genehmigen.

Die von den zuständigen Behörden regulierten Futures-Aktivitäten, die Flowers kaufen will, stellen Refcos Kerngeschäft dar. Refco betreibt auch eine ebenfalls behördlich beaufsichtigte Aktienbroker-Sparte. Keine der regulierten Aktivitäten sind jedoch Teil des Insolvenzantrags.

Refcos drittes Standbein ist die Capital Markets Group, eine nicht beaufsichtigte Over-the-Counter-Firma, die sich auf Finanzderivate spezialisiert. Refco hat die Aktivitäten dieser Sparte in der vergangenen Woche eingestellt. Dies hatte bereits Spekulationen ausgelöst, Refco werde in den Konkurs gehen.

Vor dem Bekanntwerden des Skandals war Refco mit angeblich 200.000 Kunden und 3.000 Mitarbeitern einer der größten Player im Waren- und Finanztermingeschäft. Der Insolvenzantrag könnte bewirken, dass der Run auf Refcos Aktiva abflaut. Refco hatte vor dem Skandal ein Vermögen von etwa vier Mrd. Dollar verwaltet. Seitdem haben Kunden Presseberichten zufolge mindestens 850 Mio. Dollar abgezogen.

Leiter des Finanzinvestors J.C. Flowers ist der frühere Partner bei der Goldman Sachs Group Inc, J. Christopher Flowers. Seit Flowers 1998 bei Goldman ausschied, hat die Firma, die etwa eine Milliarde Dollar verwaltet, mehrere Buyouts unternommen, darunter die Long Term Credit Bank of Japan, die nach dem Verkauf in Shinsei Bank umgetauft wurde. Bennett, Refcos früherer Chef, wurde vorige Woche in Haft genommen und nach Hinterlegung einer Kaution von 50 Mio. Dollar auf freien Fuß gesetzt.

Dolinschek fordert Garantie für BAWAG-Kunden

Der „BAWAG-Megakredit“ an den US-Broker Refco, „der hier spekulativ in Amerika in den Sand gesetzte wurde“, darf nicht zu einem Schaden für die Konsumenten bzw. einzelnen Gewerkschaftsmitglieder werden, fordert Konsumentenschutz-Staatssekretär Sigisbert Dolinschek (B) heute, Dienstag, in einer Pressemitteilung. Wenn die BAWAG diese 425 Mio. Euro verliere, sei dies immerhin ein Viertel des „Pleite-Volumens des damaligen ÖGB-Konsum-Skandals“.

Es müsste daher seitens der BAWAG P.S.K. alle Sicherstellungen und Garantien geben, dass in dieser „neuerlichen Affäre um die Gewerkschaftsbank“ weder ein Kunde noch ein Mitarbeiter zu Schaden komme.

Dolinschek fordert zudem „als Konsumentenschutzstaatssekretär aber auch als eingetragenes ÖGB-Mitglied“ eine „lückenlose Aufklärung dieses Skandals“. Es könne nicht sein, dass sich „jeder Häuslbauer in Österreich jahrelang für einen Kredit anstellen muss, während ein amerikanischer Börsenspekulant von einer Gewerkschaftsbank die unglaubliche Summe von fast 6 Milliarden Schilling“ bekomme.

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