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USA: Clinton will Kerry unter die Arme greifen

John Kerry ist kein Bill Clinton. Politisch knüpft der Präsident-schaftskandidat der US-Demokraten zwar durchweg an Clinton an, vor allem in der Außen- und Wirtschaftspolitik.

Doch charakterlich hat der gravitätische und umständliche Senator kaum etwas mit dem jungenhaften Charme und lockeren Witz des früheren Präsidenten gemeinsam.

Vor Erscheinen der Clinton-Memoiren am Dienstag in den USA sind sich manche Demokraten deshalb unschlüssig, ob der kultisch verehrte Ex-Präsident Hilfe oder Hindernis für Kerry ist. Schwer vermeidbar scheint jedenfalls, dass der bevorstehende Rummel um Clinton und sein Buch einen Teil der Aufmerksamkeit von Kerrys bisher ohnehin mühseligen Wahlkampf abzieht.

Clinton aber will Kerrys Wahlhelfer sein. Während der Promotion-Tour werde der ehemalige Präsident „in einer sehr gedankenreichen und eindringlichen Weise“ über Kerry reden, sagte Clinton-Berater Steve Richetti der „New York Times“. Keineswegs wolle Kerry zu Clinton „in Konkurrenz treten“. Beide stehen in regelmäßigem Kontakt – nach Informationen der Zeitung sprechen sie etwa alle zehn Tage miteinander. Kerry hat nach eigenem Bekunden keine Angst davor, vom Ex-Präsidenten in den Schatten gestellt zu werden. Im Gegenteil hofft er, von Clintons Popularität zu profitieren: „Ich habe vor, ihn soviel Wahlkampf machen zu lassen, wie er kann“, kündigte der Kandidat in einem Interview an.

Wenn Clinton in den nächsten Wochen bei Lesungen quer durch die USA und in Interviews zur besten Sendezeit sein Leben und die Weltpolitik erklärt, könnte Kerry jedoch schmerzlich bewusst werden, wie weit er noch von einem ähnlichen Kultstatus entfernt ist. Je mehr die Demokraten und ihre Anhängerschaft sich in ihre Wut auf Präsident George W. Bush hineinsteigern, desto mehr verklären sie den Vorgänger, unter dem die US-Wirtschaft blühte und die Beziehungen zu den Alliierten im Wesentlichen intakt blieben, zur Heldenfigur.

Schon jetzt ist der Rummel um die 957-seitigen Memoiren mit dem schlichten Titel „My Life“ (Mein Leben) gewaltig. Zehn Millionen Dollar (8,3 Millionen Euro) bekam Clinton vom Verlagshaus Alfred A. Knopf für sein Epos als Vorschuss – das sind zwei Millionen Dollar mehr, als Gattin Hillary vor einem Jahr vorab für ihre Lebenserinnerungen kassierte. Lanciert wird „My Life“ in den USA mit einer Startauflage von 1,5 Millionen Exemplaren – zwei Millionen Vorbestellungen liegen bereits vor. Auch in Deutschland dürfte das Werk reißenden Absatz finden: Der Econ-Verlag bringt es dort am 8. Juli mit einer Startauflage von 100.000 Exemplaren heraus.

„Ich weiß nicht, ob es ein gutes Buch ist, aber es ist wirklich eine gute Geschichte“, sagte Clinton zum Auftakt seiner Buchtour in Chicago. Die Neugier des Publikums konzentriert sich natürlich großteils auf das Sexleben des Ex-Präsidenten. Clinton hat angekündigt, er habe sich selbst nicht verschont und gehe auf seine persönlichen und politischen Verfehlungen ein – die Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky, die seine Präsidentschaft an den Rande des Abgrunds brachte, wird nicht ausgespart. Im Interview mit dem Sender CBS nannte Clinton die Affäre „einen schrecklichen moralischen Fehler“. Besonders viel Kraft scheinen ihn aber die Passagen über den Sonderermittler Kenneth Starr gekostet haben. Bei den Erinnerungen an Starr habe er aus Wut eine vierstündige Schreibblockade erlitten, erzählte Clinton in Chicago.

Dass mit dem Clinton-Buch auch die Debatte über die „moralischen“ Verfehlungen des früheren Präsidenten neu auflebt, kann dem Lager von US-Präsident George W. Bush nur Recht sein. Die Republikaner gehen davon aus, dass Clinton schlecht für Kerry und damit gut für Bush ist. Clinton werde Kerrys Botschaft “übertönen“, solange er auf Tour sei, sagt David Carney, ein Berater der Partei. Und Bruce Buchanan von der University of Texas sieht in Clinton das Potenzial, nicht nur das eigene, sondern auch das gegnerische Lager zu mobilisieren. Denn nach wie vor stehe Clinton für alles, was die andere Seite am „linken Amerika“ hasse, betont der Präsidentenexperte.

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