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US-Militärs rechnen mit mehr Gewalt

Der US-Oberbefehlshaber im Irak, General Ricardo Sanchez, rechnet mit einem weiteren Anstieg der gewalttätigen Aktionen von Aufständischen im Irak.

So wie wir uns der Übertragung der Souveränität (an eine irakische Übergangsregierung) Ende Juni nächsten Jahres nähern, werden sie versuchen, diesen Prozess zu torpedieren“, sagte Sanchez am Sonntag auf einer Pressekonferenz in Bagdad. Laut einem Bericht des US-Nachrichtenmagazins „Newsweek“ hat das Terror-Netzwerk El Kaida seine Hauptaktivitäten in den Irak verlegt.

Die US-Truppen seien gut vorbereitet und würden die Gewalt so weit wie möglich unterbinden, sagte Sanchez. Er sprach von einer „großartigen letzten Woche“. Die Zahl der Feindberührungen gingen auf durchschnittlich weniger als 20 pro Tag zurück, mit Spitzenwerten im Vormonat November von bis zu 40 täglich. Die offensiven Operationen des US-Militärs zur Bekämpfung der Aufständischen würden fortgesetzt. Gleichzeitig schreite der Aufbau neuer irakischer Sicherheitskräfte voran. Das paramilitärische irakische Zivilschutzkorps (ICDC) zähle derzeit 12.500 Mann und soll bis April nächsten Jahres eine Stärke von 40.000 Mann erreichen.

Wie „Newsweek“ in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, kündigten drei Gesandte von El-Kaida-Chef Osama bin Laden vor Anhängern des flüchtigen Taliban-Führers Mullah Mohammed Omar während eines Treffens in Afghanistan eine Konzentration auf den Irak an. Demnach fand das geheime Treffen kürzlich während des islamischen Fastenmonats Ramadan statt. Mullah Omar sei zudem darüber informiert worden, dass El Kaida seine monatlichen finanziellen Beiträge von drei Millionen Dollar (rund 2,5 Millionen Euro) für afghanische Widerstandsgruppen halbieren wolle. Mullah Omar habe bestürzt darauf reagiert.

Wie „Newsweek“ weiter berichtet, stammte die Anordnung, die Aktionen künftig auf den Irak zu konzentrieren, von Bin Laden selbst. Dieser sehe den Irak als „idealen“ Ort für den Kampf gegen die „amerikanischen Kreuzfahrer“ an, zitierte das Blatt einen Taliban, der an dem Treffen in Afghanistan teilgenommen haben soll. Bisher seien die Aktionen gegen die Besatzungstruppen zu „hundert Prozent“ erfolgreich gewesen, sagte der Taliban demnach.

Israelische Geheimdiensteinheiten und Einsatzkommandos haben den Vereinigten Staaten einem Bericht zufolge heimlich bei der Vorbereitung des Irak-Krieges geholfen. Spezialeinheiten der US-Armee hätten im Vorfeld des Krieges „eng“ mit israelischen Geheimdienstlern zusammengearbeitet, hieß es in einem Artikel, der am Sonntag (Ortszeit) im voraus veröffentlicht wurde und der am 15. Dezember in der US-Zeitschrift „The New Yorker“ erscheinen soll, unter Berufung auf israelische und US-Geheimdienstkreise. Hersh zufolge wollten die Regierungen der USA und Israels ihre Zusammenarbeit geheim halten.

Die Regierung von US-Präsident George W. Bush setze zudem immer stärker auf geheime Einsätze, hieß es. Demnach konzentrieren sich Spezialeinheiten der US-Armee besonders darauf, die Führungsriege der offiziell aufgelösten irakischen Baath-Partei „auszuschalten“, indem sie ehemalige Parteikader „fassen oder ermorden“. Zugleich arbeitet dem Bericht zufolge die so genannte Task Force 121 mit ehemaligen Mitgliedern der Baath-Partei zusammen, um Hintergrundinformationen für den US-geführten Einsatz im Irak zu sammeln.

Sechs Wochen nach der Geberkonferenz für den Irak zeichnet sich unterdessen ein ernüchterndes Zwischenergebnis ab. Von den im Oktober zugesagten drei Milliarden Dollar an Soforthilfe seien bisher für das Jahr 2004 nur 685 Millionen eingegangen, berichtete die „New York Times“ am Sonntag. Dies gehe aus einer Bilanz der Weltbank hervor. Mitglieder der Regierung von Präsident George W. Bush bestätigten die Finanzierungslücke, erklärten aber, es sei zu früh für eine genaue Bilanz.

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