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Unterschiede

Ulrich Gabriel
Ulrich Gabriel ©VOL.AT

Mit den Menschen wandern auch ihre Kulturen ein und treten in Wechselbeziehung mit der Kultur Europas, das noch immer OKZIDENT (Abendland) genannt wird. Demgegenüber steht der vorwiegend islamische geprägte Kulturbegriff ORIENT (Morgenland), obwohl das eine schwammige, eher der Romantik als der Gegenwart geschuldete Bezeichnung ist. (Siehe: Edward Said: Orientalismusdebatte)

Für die besonders im Amateurbereich begeisterten NachahmerInnen orientalisch-arabischer Musik will ich es wagen, hier ausgewählte zehn Kennzeichen der arabisch-persisch-türkischen, kurz „orientalischen" Musik idealtypisch zu beschreiben.

Vergleiche ich dabei die Musik der beiden großen „O“, so ergeben sich kaum Parallelen. Um Parallelen festzustellen, muss ich gut 2000 Jahre zurück-“hören“ bis zur Entstehung der Psalmen, Hymnen und des Gregorianischen Chorals. Das aber betrifft nur die Melodik. Die Rhythmik des Orients ist mir bis heute ein weitgehend fremder Gast geblieben. Sie nahm kaum Einfluss auf die Musikentwicklung Europas, die sich vor allem in der Entfaltung der Mehrstimmigkeit, der Harmonik und des Formenreichtums zeigte.

  1. Die orientalische Musik wird nur mündlich überliefert. Es gibt kaum Notation, am ehesten noch nachträglich dokumentarische Erfassung.
  2. Sie verfügt über wenig Harmonien und über keine Mehrstimmigkeit im Sinne von Homophonie oder eines Kontrapunkts, also auch über keinen kreativen „Bass-Groove“ wie in der westlichen Popmusik.
  3. Basis orientalischer Musik ist die menschliche Stimme und ihre melodische Verzierungskunst. Nicht die „reine“, absolut „gerade“ Melodie ohne Abweichung ist das Ziel, sondern die emotionale individuell gestaltete variable Melodik sowohl in der Stimme als auch am Instrument.
  4. Es dominiert „Heterophonie“. Mehrere Stimmen setzen die nahezu identische, nur minimal voneinander abweichende Melodie um. Alle spielen und singen nicht gleich, sondern nur „fast gleich“. Die Musiker umspielen die Melodie nebeneinander. Dabei wird keine zweite, oder Gegen-Stimme (Kontrastimme) gebildet.
  5. Es finden viele, fein differenzierte, Skalen (Tonleiter) reiche Anwendung.
  6. Es fehlt „komponierte“ (im Kopf entworfene, partiturgeplante) Musik, wie es sie seit dem 13. Jhdt in Europa gibt. Es fehlt eine große mehrstimmige Ensemblekultur wie Orchester, Chöre.
  7. Der Rhythmus ist durchgängig tragendes Element und der Melodik gleichwertig. Vgl. „Raga (Melodie) & Tala (Rhythmus)“.
  8. Der Interaktion mit den ZuhörerInnen und der Improvisation ist viel Raum gewidmet.
  9. Die Musik ist stark religiös (islamisch) und meist von Solosängern vorgetragen.
  10. Heute gibt es zwei strenge Schulen: die „neu-arabische“ (temperierte) Schule und die „osmanisch reine“ Schule. Sie unterteilt z.B. den Ganzton in mehr als zwei Intervalle.
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