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UNO: Taliban gehen immer brutaler gegen Kritiker vor

Es gehe um die "Solidarität mit dem afghanischen Volk", so Guterres
Es gehe um die "Solidarität mit dem afghanischen Volk", so Guterres ©APA/AFP/POOL
In Afghanistan gehen die Taliban den Vereinten Nationen (UN) zufolge immer brutaler gegen Kritiker vor. Um friedliche Proteste gegen ihre Herrschaft aufzulösen, setzten die Islamisten Stöcke, Peitschen und scharfe Munition ein, erklärte das UN-Menschenrechtsbüro am Freitag in Genf. Mindestens vier Demonstranten seien dabei ums Leben gekommen. Zudem gebe es Berichte über Hausdurchsuchungen, um Teilnehmer von Protestmärschen aufzuspüren.

Gefangene der Taliban würden geschlagen und zum Teil mit Enthauptung bedroht. Auch würden Pressevertreter eingeschüchtert. Der Bruder des Ex-Vizepräsidenten Amrullah Saleh wurde nach Angaben eines Angehörigen umgebracht. "Sie haben ihn gestern ermordet und verbieten uns, ihn zu begraben", schrieb der Neffe Ebadullah Saleh in einer Textnachricht an Reuters. "Sie sagten, seine Leiche soll verrotten." In einem Nachrichtendienst der Taliban heißt es dagegen, Rohullah Saleh sei während der Kämpfe im Panjshir-Tal getötet worden.

Amrullah Saleh soll zusammen mit dem Anführer der afghanischen Tadschiken, Ahmad Massoud, den bewaffneten Widerstand im Panjshir-Tal leiten. Die Islamisten hatten erklärt, die letzte größere Bastion von Gegnern eingenommen zu haben, die beiden Männer seien ins Ausland geflohen. Dem hatten Oppositionelle widersprochen und erklärt, die Kämpfe würden fortgesetzt.

Die Taliban hatten Mitte August die Macht übernommen und sich um ein moderateres Auftreten bemüht. Am Dienstag stellten sie eine Übergangsregierung vor, über deren Zusammensetzung sich Deutschland und die USA besorgt zeigten. Befürchtet wird eine Neuauflage der von großer Brutalität geprägten Taliban-Herrschaft 1996 bis 2001.

Bisher sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR Massenfluchten von Afghanen an die Landesgrenzen ausgeblieben. "Bis jetzt haben wir keine große Bewegungen aus der Bevölkerung an die afghanischen Grenzen gesehen", erklärte der Hohe UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi in der türkischen Stadt Gaziantep.

Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) zeigte sich über die neue Taliban-Regierung besorgt. Es sei "besorgniserregend, wenn man das Gefühl hat, dass die Taliban bereits bei der ersten Weggabelung falsch abbiegen. Von einer inklusiven Regierung kann hier nicht die Rede sein", so Schallenberg in einem Interview mit dem "Standard" (Freitag). Berichte der UNO über schwere Menschenrechtsverletzungen wie Hinrichtungen in Afghanistan bezeichnete der Außenminister als "alarmierend".

In Deutschland warnte der Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour vor internationalen finanziellen Hilfen für die Taliban. "Die Taliban haben in der Schlacht um das Pandschir-Tal bewaffnete Drohnen eingesetzt. Die haben Flugzeuge am Boden - wenn sie Geld haben für Leute, die die warten und tanken, dann werden sie auch fliegen. (...) Wollen wir denen wirklich Geld geben?", sagte er im SWR.

Nach dem Ende der westlichen Luftbrücke hat Frankreich am Freitag weitere Landsleute aus Afghanistan ausfliegen lassen. Die Operation erlaube es 49 Franzosen und Französinnen sowie deren Angehörigen, nach Katar zu gelangen, teilte Frankreichs Außenministerium am Freitag mit. Die Aktion sei nur dank der Hilfe der katarischen Behörden zustande gekommen. Die Weiterreise nach Paris werde von Frankreichs Regierung organisiert.

(APA/Reuters/dpa)

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