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UNO fordert schnelle Hilfe für Hungernde in Madaya

Madaya ist von Regierungstruppen eingeschlossen
Madaya ist von Regierungstruppen eingeschlossen
Angesichts der Hungersnot in der belagerten syrischen Stadt Madaya haben die Vereinten Nationen die Konfliktparteien aufgefordert, Hunderte vom Tode bedrohte Einwohner umgehend herauszulassen. Etwa 400 Betroffene seien in "Lebensgefahr" und bräuchten dringend medizinische Versorgung, sagte der UNO-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien am Montag in New York.
Lage in Madaya spitzt sich weiter zu

O’Brien äußerte sich nach einer Sitzung des UNO-Sicherheitsrats zur humanitären Lage in dem seit sechs Monaten von der syrischen Armee belagerten Madaya. Die UNO habe die syrische Regierung und die bewaffneten Gruppen, die den Zugang zu der Stadt kontrollieren, um Erlaubnis gebeten, die Betroffenen herauszuholen, sagte der Leiter des Nothilfeeinsatzes.

Hunderte Menschen vom Hungertod bedroht

Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden nach der Öffnung des Blockaderings mindestens 300 vom Hungertod bedrohte Menschen aus Madaya gebracht. Zudem gebe es rund 400 weitere Menschen, die wegen ihres schlechten Zustandes sofort behandelt werden müssten, erklärte die in Großbritannien ansässige Stelle am Dienstag.

“Ärzte ohne Grenzen”: Seit 1. Dezember 28 Menschen verhungert

Nach Angaben der Hilfsorganisation “Ärzte ohne Grenzen” (MSF) verhungerten in Madaya seit dem 1. Dezember 28 Menschen. Am Montag gelangte erstmals ein Hilfskonvoi mit 44 Lastwagen voller Lebensmittel, Babynahrung, Decken und anderen Hilfsgütern in die Stadt nahe der libanesischen Grenze. Zugleich lieferten 21 Lastwagen Hilfsgüter in die beiden mehrheitlich schiitischen Dörfer Foua und Kefraya, die seit Monaten von Rebellen belagert werden.

Die Vereinten Nationen wollen Ärzteteams und mobile Kliniken in die belagerte Stadt schicken. Die Zustände dort seien alarmierend, sagte die Vertreterin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Damaskus, Elizabeth Hoff, der Nachrichtenagentur Reuters. Sie hatte am Montag die erste Lieferung von Lebensmitteln seit Monaten nach Madaya begleitet. “Wir müssen zusammen mit dem syrischen Roten Halbmond von Tür zu Tür gehen”, sagte Hoff. “Wir brauchen einen ungehinderten, nachhaltigen Zugang. Langfristig wird nur ein Ende der Belagerung helfen.”

Viele zu schwach, um Häuser zu verlassen

Hoff zufolge zeigten sich die Menschen in Madaya bei der Ankunft des Konvois von Unterernährung und Hunger gezeichnet. “Niemand hat gelächelt. So wird man sonst nicht empfangen, wenn der Konvoi ankommt.” Die Mütter hätten nach Angaben von Ärzten keine Milch mehr, um ihre Kinder zu stillen. Laut Hoff sind viele Menschen in der Stadt mit 42.000 Einwohnern inzwischen zu schwach, um ihre Häuser zu verlassen. Ein Arzt habe von bis zu 400 Menschen berichtet, die dringend medizinische Hilfe benötigten. “Der Klinikarzt sagte, dass er seit drei Tagen nichts mehr gegessen habe”, sagte sie.

Der syrische UNO-Botschafter Bashar Jaafari wies in New York die Berichte über Hungertote zurück und warf Rebellen in Madaya vor, Vorräte zu stehlen. Der spanische UNO-Botschafter Roman Oyarzun Marchesi sagte, die Belagerung von Zivilisten mit dem Ziel, sie auszuhungern, sei ein Kriegsverbrechen.

Hilfsgüter werden etwa einen Monat lang ausreichen

Mehrere Hilfsorganisationen forderten nach den ersten Hilfslieferungen ein komplettes Ende der Belagerungen. Die am Montag eingetroffene Hilfe für Madaya werde etwa einen Monat ausreichen, erklärten die Organisationen Care, Handicap International, Oxfam, Save the Children und World Vision. Diese einmalige Erlaubnis reiche nicht aus, um gegen die massive Unterernährung vorzugehen.

Die syrische Armee rückte am Dienstag nach Angaben von Aktivisten in die strategisch wichtige Rebellen-Bastion Salma in der nordwestlichen Provinz Latakia vor. Unterstützt von libanesischen Hisbollah-Kämpfern und regierungstreuen Milizen sowie von russischen Luftangriffen sei die Armee nach Salma eingerückt, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Demnach lieferten sich die Truppen dort schwere Kämpfe mit der Al-Nusra-Front und anderen islamistischen Aufständischen. Die Angaben der Beobachtungsstelle, die ihre Informationen aus einem Netz an Informanten bezieht, sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

(APA)

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