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Und noch ein heuchlerischer „Schweinehund“

Szene mit Tartuffe (Wolfgang Rainer, links), Marcus Harm, Alexandra Lässer.
Szene mit Tartuffe (Wolfgang Rainer, links), Marcus Harm, Alexandra Lässer. ©Emir T. Uysal / VOL.AT
Die Studiobühne Montfort spielt am Saumarkt Molières Klassiker „Der Tartuffe“.

FELDKIRCH. (sch)  Zwei renommierte Theater-Amateurensembles hat die kleine Stadt Feldkirch: Fidel Schurigs Theaterwerkstatt der Musikschule und Gerhard Fetkas Studiobühne Montfort (seit 1981). Doch anscheinend gab es keine Verständigung der beiden über die heurige Stückwahl ihrer Produktionen. Und so spielte Schurig wie Fetkas mit ihren Teams die gleiche Meisterkomödie von Molière, „Der Tartuffe“. „Tartuffe“ 1 von Schurig im Pförtnerhaus ist schon Geschichte. „Tartuffe“ 2 von Fetka wird noch am 18., 19. und 21 Mai um jeweils 19.30 Uhr im Theater am Saumarkt gespielt. Offiziell weiß übrigens niemand, warum die Studiobühne Montfort ihren traditionell stimmungsvollen Spielort im Hof des Palais Liechtenstein („Sommertheater“) wechselte (wechseln musste?).

„Star“ ist Zofe Dorine

Gerhard Fetka hat ein sehr spielfreudiges Ensemble zur Verfügung und führt es mit der Hand des erfahrenen Bühnenpraktikers als Regisseur durch die Komödienhandlung. Tartuffe, die bekannt miese Type, die im Mantel einer heuchlerischen, bigotten Frömmelei die gutmütige, aber ziemlich unbedarfte Familie Orgon fast in den Abgrund treibt, lässt auch in dieser Aufführung den Zorn des Publikums über soviel Gemeinheit des scheinheiligen Gauners züngeln, und das spricht für die Qualität des Darstellers Wolfgang Rainer, der mit leisen Tönen, aber widerlicher Härte sein böses Spiel treibt. Bei der versuchten Verführung von Madame Orgon hätte er als Filou aber übrigens direkter vorgehen können! Alexandra Lässer als Gattin Elmire macht resolut gute Miene zum bösen Spiel, und ihr Mann Orgon alias Marcus Harm mimt seine Verzweiflung sehr emotionsreich. Rainer Gögele als sein Schwager Clèante versucht mit sonorem Predigerton, den Orgons wegen Tartuffe die Augen zu öffnen. Gisela Razen als Mutter Orgons ist ein kritikloser Fan Tartuffes mit Altersstarrsinn. Martin Häusle, Barbara Wimmer, Michael Nemetschke, Werner Schneider und Gerhard Fetka komplettieren gut in kleineren Rollen. Einer quirligen, kleinen jungen Dame gebührte aber zu Recht der stärkste Applaus – Bettina Nimtz als Zofe Dorine bei den Orgons. Wie sie sich mit heißer Inbrunst einsetzte, die jungen Liebenden zu schützen und den schleimigen Tartuffe zu entlarven, das war köstliche Komödiantik, auf die man sich in weiteren Produktionen der Studiobühne freut.

 

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