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Umstrittene Salafisten-Gruppe wirbt auch in Vorarlberg

"Lies Projekt Österreich" in der Bregenzer Kaiserstraße unterwegs.
"Lies Projekt Österreich" in der Bregenzer Kaiserstraße unterwegs. ©Screenshot Facebook
Bregenz - Erst kürzlich wurden Mitglieder des "Lies Projekt Österreich" in der Bregenzer Fußgängerzone gesichtet, wie sie um neue Mitglieder warben und den Koran verteilten.
Vorarlberg als Dschihadisten in den Krieg gezogen
Hitzige Islamismus-Diskussion im TV

“Das Lies Projekt Österreich’ ist eine Gruppe von Salafisten bzw. Personen, die mit ihnen (Djihadisten, Anm. d. Red.) sympathisieren. In Deutschland sind die schon lange bekannt”, erklärt Integrations- und Konfliktmanager Attila Dincer. “Vorarlberg ist ein Grenzbundesland und es wäre naiv zu glauben, dass sie hier nicht auch sind.” Doch auch in Frankreich, England und Italien sei diese Gruppe, wenn auch nur in kleiner Zahl, vertreten.

Große Frustration

atila-dincer
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Österreich habe laut Dincer gerade in Migrationsbelangen zu lange weggeschaut, wodurch sich das Klima unter den Migranten verschlechterte. “Gerade bei Moslems wurde immer wieder pauschalisiert, das frustriert die Menschen und sie wollen das so nicht länger akzeptieren.” Eine solche Stimmung komme Gruppen wie “Lies Projekt Österreich” recht. “Sie sagen den Menschen, dass sie bei ihnen mehr geliebt werden.” Gerade bei Jugendlichen sei dies das Hauptmotiv, dass sie so einer Gruppe beitreten. “Sie sind in Vorarlberg zur Welt gekommen, sind hier aufgewachsen und trotzdem werden sie von der Gesellschaft nicht als Einheimische angesehen. Das ist sehr frustrierend.” Die älteren Generationen hätten damit kein Problem, da sie sich in Österreich mit ihrer Familie bereits ein eigenes Leben aufgebaut hätten.

“Nicht jeder Sympathisant zieht in den Krieg”

Die Anzahl der Vorarlberger, die sich auf Drängen einer derartigen Gruppe tatsächlich in ein Kriegsgebiet begeben, ist derzeit sehr gering. “Es gibt aber weit mehr, die sofort gehen würden.” Es gebe allerdings auch viele Vereine, die Aufklärungsarbeit leisten um gefährdete Jugendliche von so einem Schritt abzuhalten. “Nicht jeder, der mit einer Gruppierung wie ‘Lies Projekt Österreich’ sympathisiert, zieht auch in den Krieg. Hass und Mord gehört nicht zu Glauben, deshalb ist es wichtig seine eigene Religion gut zu kennen, bevor man für sie eine falsche Entscheidung trifft.”

Respekt und Wertschätzung

Im Moment geht man in der muslimischem Vorarlberger Gemeinde noch von einem kleinen Prozentanteil aus, der mit den Salafisten zusammenarbeitet – das könnte sich aber schnell ändern. “Wir haben zu lange die Augen verschlossen und der Frust unter den Moslems wird nicht kleiner.” Integration sei wichtig, um dagegenzuwirken. Allerdings sei der derzeitige Weg dabei nicht der richtige. “Die Jugendlichen müssen für eine bessere Integration keine Deutschkurse machen, denn das können sie schon. Sie möchten respektiert und wertgeschätzt werden.” Wenn das nicht der Fall sei, würden sie sich weiter isolieren. Im weiteren Verlauf könnten dann immer mehr radikale Gruppen entstehen. “Rechte Gruppen sprechen immer davon, die Moslems wieder zurückzuschicken, aber sie können nirgendwohin zurück. Sie kommen ja von hier”, erklärt Dincer.

Die Salafisten waren nicht zum ersten Mal in Bregenz, wie dieses Facebook-Posting zeigt.

Salafisten werden beobachtet

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erich-schwaerzler ©VOL.AT/Kuzmanovic

Laut Sicherheitslandesrat Erich Schwärzler werden Gruppierungen wie “Lies Projekt Österreich” auch in  Vorarlberg beobachtet. Über die Aktivitäten wisse man Bescheid. “Gewalt und Hass hat bei uns keinen Platz. Wir werden alle nötigen Konsequenzen ziehen, damit das auch in Zukunft so bleibt”, sagt Schwärzler. Generell sei die Problematik aber Bundeskompetenz und im Bundesgesetz geregelt. “In extremen Fällen kann die Staatsbürgerschaft auch aberkannt werden.”


Zur Info:
Das Lies-Projekt wurde von dem Kölner Prediger Ibrahim Abou Nagie und seiner Anhängerschaft, zu der auch der umstrittene Salafist Pierre Vogel gehört, ins Leben gerufen. Zum Ziel haben sie sich gesetzt 25 Millionen Übersetzungen des Koran zu verteilen. Finanziert wird das Projekt angeblich von reichen Arabern aus Bahrain.

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